Krimi zum Thema Rechtsradikalismus : Hochemotionaler Polizeiruf: Wahrheitssuche im Politiksumpf

Moralische Wahrheitssuche: Die Kommissare am Tatort (Anneke Kim Sarnau, Charly Hübner, Andreas Guenther).

Moralische Wahrheitssuche: Die Kommissare am Tatort (Anneke Kim Sarnau, Charly Hübner, Andreas Guenther).

Im Rostocker „Polizeiruf 110 – In Flammen“ bekommen es die Ermittler König und Bukow mit völkischen Siedlern zu tun.

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10. Juni 2018, 13:34 Uhr

Ihre Sprüche sind radikal, ihre Auftritte eine Kriegserklärung an die etablierten Parteien. Ja, Sylvia Schulte (Katrin Bühring) von der Partei für Freiheit und Sicherheit (PFS) mischt den Rostocker OBM-Wahlkampf auf wie ein Fuchs den Hühnerstall. Wohl nicht zufällig sollen wir Parallelen ziehen zu Alice Weidel und ihrer AfD. Doch dann ist Sylvia Schulte tot. Irgendwer hat sie gekidnappt, mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen und bei lebendigem Leibe verbrannt. Ein grausiger Tod. Hat eine Populistin ein solches Ende verdient?

Die Kripo-Truppe um Bukow und König (Charly Hübner, Anneke Kim Sarnau) soll jedenfalls auf Geheiß ihres Chefs (Uwe Preuss) „in alle Richtungen“ ermitteln. Denn bei einem solchen Politikum ist Chaos angesagt. Schon funkt der Staatsschutz dazwischen, macht die Presse mobil, will die PFS politisches Kapital aus der Tragödie schlagen.

Doch bald zeigt sich, dass der Mord womöglich gar keinen politischen Hintergrund hat. Wurde Sylvia Schulte, die taffe und strahlende PFS-Frontfrau, von den Schatten ihrer Vergangenheit eingeholt? Zum Glück legen Florian Oeller (Buch) und Lars-Gunnar Lotz (Regie) ihren „Polizeiruf“ nicht als verkapptes Lehrstück zum Rechtspopulismus an. Dazu gräbt ihre Mordgeschichte viel zu tief in den Biografien und im politischen Schlamm einer Region, die vielerorts perspektivlos scheint.

Selbst König und Bukow geraten da aneinander. Sie – will mit der „braunen Scheiße“ nichts am Hut haben. Er – hat zumindest Verständnis für die Verzweiflung seiner Landsleute: „Wenn sich von oben keiner kümmert, rennen die Leute dem hinterher, der die größte Fresse hat. Egal, welche Farbe der trägt. Das war schon immer so!“

Ein hoch emotionaler „Polizeiruf“, der nach allen Seiten austeilt, nach rechts und links. Aber einmal mehr ist das Rostocker „110“-Ensemble stark genug, dem Anspruch der moralischen Wahrheitssuche gerecht zu werden. Wir fiebern mit, wir streiten mit – wir leiden mit. Was will ein Krimi mehr?

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