ARD-Krimi „Mord Ex Machina“ : Heute im „Tatort“: Big Brother is killing You

Hauptkommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) erlebt in seinem siebten Saarland-Fall, welche Abgründe sich in der digitalen Welt auftun können. Und dass auch er selbst angreifbar ist.

Hauptkommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) erlebt in seinem siebten Saarland-Fall, welche Abgründe sich in der digitalen Welt auftun können. Und dass auch er selbst angreifbar ist.

Der „Tatort“ am Neujahrsabend befasst sich mit dem Missbrauch von Hightech und Cyberspace.

shz.de von
01. Januar 2018, 11:11 Uhr

Dass der technische Fortschritt immer auch seine Schattenseiten hat, wissen wir ja spätestens seit der Erfindung des Schwarzpulvers. Nur, dass es heute, will man die Welt beherrschen, längst nicht mehr um Sprengkraft geht, sondern um Datenkontrolle. Darum, wer in Zukunft unsere Handys und unsere Kühlschränke steuert. Und – unsere Autos! Deshalb befasst sich auch der „Tatort“ bisweilen mit dem Missbrauch von Hightech und Cyberspace. Wenn auch noch etwas ungelenk, wie zuletzt in Bremen und Stuttgart („Echolot“, „HAL“). Doch jetzt stirbt in Saarbrücken der Justiziar einer Big-Data-Firma in einem computergesteuerten Auto (Nikolai Kinski). Da darf man schon stutzig werden. Ist doch ein Unfalltod in „Smart-Cars“ nahezu ausgeschlossen.

Für Kommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) wird es daher verdammt knifflig, herauszufinden, ob der gute Anwalt sich selbst entleibt hat oder ob er ferngesteuert ermordet wurde. Firmenchef Victor Rousseau (Steve Windolf) stellt sich schon mal dumm und bejammert weniger den Tod seines Freundes als den Hack seiner Datenplattform in der Todesnacht. Für diesen sind zwei PC-Aktivisten verantwortlich (Julia Koschitz, Anton Spieker). Aber haben sie auch das mörderische Auto ferngelenkt?

Dafür, dass die Spurensuche im Internet filmisch eher reizlos ist, geriert sich dieser „Tatort“ als erstaunlich knisternder Horror in Sachen Datenmanipulation. Respektive – Menschenmanipulation! Zum Glück baut uns Regisseur Christian Theede etliche Brücken zwischen realer und Computerwelt, so dass wir der Szenerie halbwegs folgen können. Wie in der Figur Jens Stellbrink, der selbst Opfer der Datenkontrolle wird. Aber was kann seine Spitzfindigkeit gegen die Bits-and-Bytes-Killer ausrichten?

So wird aus der Ahnung, die wir von der bösen neuen Cyber-Welt haben, endlich Gewissheit: Nie mehr werden wir in unseren selbstfahrenden Kisten unbeobachtet popeln können. Das ist beängstigend genug. Aber was heißt das für das neue Jahr 2018?

  • „Tatort – Mord Ex Machina“, 20.15 Uhr, ARD
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