zur Navigation springen

Sonntagskrimi : Heute im „Polizeiruf“: Eine nette, schreckliche Familie

vom

Matthias Matschke gibt im Magdeburger „Polizeiruf“ sein Debüt als Hauptkommissar. Und gerät direkt in eine düstere Familientragödie.

shz.de von
erstellt am 29.Mai.2016 | 11:12 Uhr

Ob „heute-show“ oder „Sketch-History“ – Matthias Matschke ist schon eine Spaßgranate. Nun will er also mit ernster Miene als neuer Magdeburger „110“-Kommissar Dirk Köhler Jochen Drexler beerben (Sylvester Groth), der letzten Herbst nach Coming-Out und doppeltem Showdown das Handtuch geworfen hatte. Kann das gut gehen? Ja, lässt Kollegin Doreen Brasch (Claudia Michelsen) einen Neuen überhaupt zu? So spröde und verletzlich, wie sie ist. Schau‘ mer mal!

Zunächst gibt sie sich zugeknöpft bis zickig. Grund dafür ist der erste gemeinsame Fall im Umfeld einer Pflegefamilie, der Brasch nur allzu sehr an ihre eigene Misere erinnert. Zwischen Einsamkeit und verlorenem Sohn, einem Neonazi, der gerade aus dem Knast kommt.

Das klingt nach Seelenqual und auch die ersten Bilder dieses „Polizeirufs“ lassen Böses ahnen: Auf einem Fußweg mitten in der Stadt drischt irgendwer immer und immer wieder auf einen kleinen Jungen ein. Bis das Blut fließt. Dennoch schafft es Klein-Marko, sich noch einmal aufzuraffen und auf die Straße zu schleppen. Doch dann bricht er tot zusammen. Wie konnte es nur dazu kommen?

Im Nu sind wir in einer Familientragödie. Denn Marko war Pflegekind bei den Schilchows (Ronald Kukulies, Paula Dombrowski) und hatte mehr als nur Stress mit seinen „Geschwistern“. Und mit seiner Mutter, einer Ex-Junkiebraut (Julischka Eichel). War sein Tod in dieser Welt aus echter und falscher Liebe etwa unausweichlich?

Dieser Frage gehen Stefan Rogall (Buch) und Matthias Tiefenbacher (Regie) höchst unbarmherzig nach. Mit einer psychotischen Story, dauerdepressiven Figuren und qualvollen Offenbarungen. Ihr Drama kennt kein Licht, keine Hoffnung. Nur Trübnis all überall. Da ist selbst für Spaßvogel Matschke Schluss mit lustig.

Und so macht dieser „Polizeiruf“ von der ersten Minute an schlechte Laune. Weil er so düster ist, weil er Tabus bricht und Wahrheiten unseres Miteinanders ausspricht, die niemand hören will. Das ist bestürzend und einfach nur – traurig.

„Polizeiruf 110 – Endstation“, 20.15 Uhr, ARD

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen