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Medien : Götz von Berlichingen: Dreh mit harten Kerlen

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In voller Ledermontur und mit Narben auf der Stirn steht der Schauspieler Henning Baum im Innenhof der Burg Tocnik bei Prag. «Götz ist jemand, der sich außerhalb des Gesetzes bewegt», sagt der 40-Jährige über seine neueste Rolle.

Gemeint ist Götz von Berlichingen, der rauflustige Ritter und Bauernführer des 16. Jahrhunderts.

Mit seinen beim Boxen gestählten Muskeln wird Baum dem Bild des Ritter-Machos gerecht. Der echte Götz starb vor 451 Jahren und wurde zur Legende - ähnlich einem Robin Hood, der Reiche überfällt und Armen hilft. «Götz ist ein freiheitsliebender Mensch», meint Baum über den Ritter, der zahlreiche Fehden führte und im Bauernkrieg an der Seite der Aufständischen kämpfte.

Dann klettert Baum eine 10-Meter-Leiter zur Plattform über dem mittelalterlichen Burgtor hoch. Hier fällt der Kernsatz, wie ihn Dichterfürst Johann Wolfgang von Goethe weltberühmt machte. «Er soll mich im Arsch lecken», raunt der Schauspieler mit tiefer Stimme. Dem Bischof von Bamberg, der seine Burg belagert, gibt jemand wie Götz nicht klein bei.

Gewaltige Nebelschwaden ziehen aus einer Maschine in den Hof der Burg Tocnik. Mit ihren Naturstein-Mauern verleiht sie dem Ganzen einen authentischen Charme. Mehr als 40 Stuntmänner versuchen sich an der Eroberung einer Burgmauer, werfen Haken und stürzen von Pfeilen getroffen nieder. Das sorgt später für kuriose Szenen beim Catering, wenn sich «aufgespießte» Ritter am Film-Büfett bedienen.

Die Kostüme der Helden erinnern eher an Rock-Musical als an Märchenoper. «Die Mode der damaligen Zeit war einfach furchtbar», sagt Kostümbildnerin Carola Neutze. Ihre Raubritter tragen keine Strumpfhosen und ausgepolsterte Heerpauken. Vieles ist in Leder gehalten und alles ist schmutzig. «Es ist auf alt und getragen getrimmt worden, nachdem es angefertigt wurde», sagt Neutze.

Auch Schauspieler Baum meint: «Es geht nicht darum, historisch genau abzubilden, sondern es geht darum, eine spannende Geschichte zu erzählen.» Eine Wendung, wie sie nicht in der Sage steht, nimmt das Drehbuch nach Götz' Verletzung auf dem Schlachtfeld. Dennenesch Zoudé mimt die Naturheilerin Saleema, die als Sarazenin vorgestellt wird. «Was beide vereint, ist ihre Stärke», meint Zoudé, die im Straußenleder-Bustier durchaus sexy daherkommt.

Zoudé beschreibt sich selbst als Stadtkind und musste für den Film erst einmal Reiten und Bogenschießen lernen. «Ich musste ganz von vorne anfangen und bin erstmal mit dem Pferd an der Leine spazieren gegangen», berichtet sie. In ihre Rolle tauche sie ganz ein. «Das ist Mittelalter - da ist alles ein bisschen gröber, ein bisschen rauer», sagt sie.

Wo mancher TV-Star vielleicht Allüren zeigen würde, bleibt auch Titelheld und Co-Star Baum bei den Dreharbeiten bodenständig. Statt im Hotel übernachtet er in der Natur in seinem Wohnmobil. «Man bleibt etwas mehr in der Rolle», meint er zu seinem VW-Bus. Wenn es eine Pause gibt, holt der große Blonde auch schon mal die Hanteln raus.

Ein Film-Double kommt nicht infrage. «Ich mache hier alle Kämpfe selbst», sagt Baum. Gleich in der Anfangsszene kommt es zu einer aufwendigen Rauferei, bei der drei Schauspieler auf zehn Stuntleute treffen. Das muss präzise vorbereitet sein. «Wenn solch ein Axthieb danebengeht, dann ist die Hand durch», sagt der Schauspieler.

Nicht viel anders erging es dem historischen Götz. Während einer Belagerung im Jahr 1504 reißt eine Kanonenkugel dem fränkischen Reichsritter den rechten Unterarm weg. Die Eisenhand, die Götz als Prothese bekommt, wird bald zu seinem Markenzeichen. Für den Film wurde sie nachgebaut. «Sie funktioniert», sagt Baum. «Man kann das Schwert fixiert halten.»

Regisseur Carlo Rola («Krupp - eine deutsche Familie») verantwortet den abendfüllenden Historienfilm. Es ist die erste Produktion der neu strukturierten UFA Fiction aus Potsdam in Ko-Produktion mit Mia Film im Auftrag des Privatsenders RTL. «Wir wollen wieder mehr Filme machen», sagt Sendersprecher Claus Richter. Um Missverständnissen vor der Götz-Fernsehpremiere im nächsten Jahr vorzubeugen, betont er: «Wir verfilmen nicht Goethe.»

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erstellt am 13.Sep.2013 | 11:17 Uhr

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