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Medien : «Gestern waren wir Fremde»: Kuckuckskinder und ihr Leid

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Besser kann es doch kaum laufen. Sophie Ferber (Lisa Wagner) ist kaum 30 Jahre alt und hat schon die halbe Männerwelt in die Tasche gesteckt. Ihr Chef hat ihr die Leitung eines monströsen Bauprojekts in China anvertraut. Im nächsten Frühjahr soll es losgehen.

Was kann Sophie denn da schon aufhalten, wenn sie mit Vollgas auf die Überholspur geht? Die Antwort gibt in dem ARD-Drama «Gestern waren wir Fremde», an diesem Mittwoch (20.15 Uhr) zu sehen, die Familie - wenn auch nur zögerlich.

Vater Karl (Thomas Thieme) ist ein komischer Kauz. Auf seiner Geburtstagsfeier reagiert er mürrisch, als ihm seine Tochter ein Geschenk überreicht: fünf Tage Venedig für zwei Personen. Er raunzt missmutig: «Ich will nicht nach Venedig.» Sophie kann sich auf seine Sturheit keinen Reim machen. Was sie noch nicht weiß: Als die Eltern ihre Hochzeitreise nach Venedig planten, war Mutter Beate (Julia von Sell) schwanger - allerdings nicht von ihrem Mann, sondern von einem namhaften Architekten.

Sophie hat noch eine andere Baustelle, die sie von ihrem Beruf ablenkt: Max (André Szymanski). Der junge Mann begegnet ihr an einem Tag gleich drei Mal: Auf dem Bahnhof, beim Metzger, im Hausflur. Abends bittet er Sophie um Kaffee. «War doch nur ein Vorwand», ahnt Sophie. Prompt liegen die beiden auch schon im Bett. Die Bemühungen, ihre neue Eroberung den Eltern bekanntzumachen, scheitern: Die Mutter flüchtet und verunglückt dabei mit dem Auto tödlich. Auch die Beziehung zum Vater verschlechtert sich dramatisch.

Was ist passiert? Das Publikum wird ahnen, dass Sophie und Max einander näher stehen als nur Verliebte. Doch wer trägt die Schuld daran? «Hättest Du nicht 30 Jahre lang gelogen, hätte ich nicht jetzt ein Verhältnis mit meinem Bruder», regt sich die verzweifelte Sophie auf. Auch Max ist offenbar ahnungslos, weiß er doch nichts von den Eskapaden seines gestorbenen Vaters. Wie soll das Leben jetzt aber weitergehen. Kriegen die Betroffenen alle Emotionen in den Griff?

Warum haben die Eltern nur so lange geschwiegen? «Für beide ist es schwer, mit dem Treuebruch fertig zu werden, so dass sie sich all dem nicht noch einmal aussetzen möchten, wenn sie es Sophie sagen», sagte Schauspielerin Lisa Wagner, Jahrgang 1979, in einem ARD-Interview. «Sie haben ihr all ihre Liebe mitgegeben, möchten sie schützen und ihr die Wahrheit ersparen. Das ist gar nicht so selten, wenn man bedenkt, dass jedes fünfte Kind in Deutschland ein Kuckuckskind ist.»

Woran es im Film, den Regisseur Matthias Tiefenbacher in München und Umgebung drehte, ein wenig hapert: Es dauert recht lange, bevor er an Fahrt gewinnt - und die Auflösung bleibt in Teilen offen. Lisa Wagner, die für ihren Part als Staatsanwältin im Münchner «Tatort» (Episode «Nie wieder frei sein») 2011 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde, spielt ihre Sophie kraftvoll mit Härte und mit Emotionen - wie steht sie selbst zu Lebenslügen: «Mein Motto ist eher "Augen zu und durch". Auch schlimme Nachrichten möchte ich schnell hinter mich bringen, als jahrelang etwas abzahlen zu müssen. Ich bin nicht der Typ, der schweigt.»

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erstellt am 21.Aug.2013 | 00:01 Uhr

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