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Comeback im Fernsehen : „Geld oder Liebe“: Diese TV-Shows wollen wir auch zurück

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„Geld oder Liebe“ kehrt ins Fernsehen zurück. Das Comeback lässt unsere Redakteure in Erinnerungen schwelgen. Wir hoffen nicht nur auf Neuauflagen von „Tutti Frutti“.

„Geld oder Liebe“ kehrt ins Fernsehen zurück: Jürgen von der Lippe lässt seine erfolgreiche Kuppel-Sendung wieder aufleben. Am Mittwoch feiert die Spielshow im WDR mit einer Sondersendung 25. Jubiläum. Drei weitere Ausgaben folgen in den nächsten Wochen. Das Konzept: Drei Männer und drei Frauen - alle Singles - sollen sich in der Sendung untereinander kennenlernen und sich in Spielen beweisen. Am Ende der Sendung stimmen die Zuschauer am Bildschirm darüber ab, wer am besten zueinander passt. Und die Singles entscheiden sich entweder für das erspielte Geld - oder für die Liebe. Bis 2001 gab es 90 Folgen. Lange galt die Sendung als Quoten-Hit am Samstagabend in der ARD.

Das Comeback der Samstagabend-Show weckt Erinnerungen in unserer Redaktion - an legendäre Formate, die wir früher nur zu gern im Fernsehen schauten und die wir wieder im TV sehen wollen. Eine Auswahl unserer Geschmäcker (von damals):

„Flitterabend“

„Verlieren ist für Euch nicht bitter, hier kommt unser Bobby Flitter“. Wie gern würde ich diese Worte noch einmal im deutschen Fernsehen hören. In der ARD-Show „Flitterabend“ traten von 1988 bis 1995 frisch verheiratete Ehepaare in verschiedenen Spielen gegeneinander an. Die Punkte zählte man in Form von Champagnerflaschen zusammen Die Gewinner bekamen eine Hochzeitsreise geschenkt. Doch das war meist eher langweilig.

Das Highlight der Sendung drehte sich für mich vielmehr um den Trostpreis. Beim „Flitterabend“ brachte der sympathische, glitzernd gekleidete Bobby dem Verlierer-Paar seinen Preis – und das Ganze mit Musik, in der Luft herumwirbelnden Glitzerstückchen und auf einem Tablett präsentiert. Ich fand Flitter, gespielt von Bruno Horn, immer sehr sympathisch. So möchte man doch Geschenke überreicht bekommen.

Außerdem wäre eine Neuauflage der Show nur konsequent: Die Paare, die sich bei „Geld oder Liebe“ verlieben, treten dann im „Flitterabend“ gegeneinander an. Miriam Richter

 

„Die Rudi Carrell Show – Lass Dich überraschen“

Ich kann nicht einmal behaupten, dass ich großer Fan von Rudi Carrell war. Aber seine Sendung „Lass dich überraschen“ – in der ARD von 1988 bis 1992 ausgestrahlt – gehört in meiner Erinnerung zu den absoluten TV-Höhepunkten der Samstagabend-Unterhaltung. Ein Grund dafür war allein schon der Titelsong, den der Entertainer zu Beginn der Show zum Besten gab. Noch heute trällere ich es vor mir her – ohne zu wissen, woher der Impuls dann plötzlich stammt.

Ebenso hängen geblieben ist der Satz: „Eben noch in der Werkstatt, jetzt auf unserer Showbühne“. Was es damit auf sich hatte? Carrell bot pro Show fünf Erwachsenen die Möglichkeit, auf der Studio-Bühne ihren Lieblings-Musiker zu imitieren. So ging dann beispielsweise ein Schlosser in seinem Blaumann durch eine „Zaubertür“ und kam direkt danach mit pinkem Hemd und Armband, Schweißband auf dem Kopf, Lederhose und elektrischer Gitarre als Mark Knopfler zurück. Das Playback tat den Rest. Damals wunderte ich mich noch, wie das überhaupt möglich war. Vom Begriff „Aufzeichnung“ hatte ich noch nichts gehört. Der wird sich einfach schnell umgezogen haben, glaubte ich als kleiner Junge.

Und herzzerreißend war die Show auch noch. Denn sie lebte nicht selten von Überraschungen, die die Auserwählten zu Tränen rührten. So bat Rudi Carrell einmal eine chinesische Gaststudentin auf die Bühne und wenig später standen ihre Eltern nach Jahren neben ihr – aus dem Nichts. Zwei Minuten voller Freudentränen.

Mit solchen musikalischen und emotionalen Überraschungen wurden Top-Quoten erzielt. So einfach war 90-minütige Unterhaltung damals. Und dann war es wohl auch das Können des Moderators, der nicht nur Kinder in seinen Bann gezogen hat. Ein erfolgreiches Revival wäre wohl nur mit Rudi Carrell möglich. Und das ist leider ja nicht mehr möglich. Der Entertainer starb im Jahr 2006 an Krebs.  Hendrik Mulert

 

„Tutti Frutti“

Es gab für unseren Autor nicht viel von „Tutti Frutti“ zu sehen. Dennoch hatte er ein warmes Gefühl.
Es gab für unseren Autor nicht viel von „Tutti Frutti“ zu sehen. Dennoch hatte er ein warmes Gefühl. Foto: dpa/Montage
 

Anno 1992 war Unterhaltung ein rares Gut in unserem kleinen Dorf in Angeln. Uns Jungen blieb nur die Phantasie, denn einen Einkaufsladen gab es nicht, hübsche Mädchen waren rar, die Fahrbücherei lieferte nur vergilbtes Schriftwerk und das Internet ist hier bis heute Zukunftsmusik.

Dass der Fernseher seinerzeit nur das Erste, das Zweite, N3 und dänisches Kauderwelsch ausspuckte, erwies sich aufgrund meiner nahenden Pubertät zunehmend als Problem. Zu dieser Zeit begann es nämlich, dass meine Schulfreunde aufgeregt und unentwegt von „Tutti Frutti“ zu reden begannen. Die Mutter aller TV-Strip-Shows ermöglichte meinen Kumpanen einen unverklemmten Blick auf entblößte weibliche Brüste – dummerweise lief die Sendung auf RTL plus, und das gab es bei uns nicht.

Glückliche Umstände ermöglichten es dann, dass wir einen neuen Fernseher mit digitaler Sendereinstellung bekamen. Eines Abends – alle waren fort – begann ich zu tüfteln. Als mich bei Kanal 40 plötzlich laute Werbung zum Kauf von irgendetwas Süßem anstiften wollte (wo sollte ich das denn herbekommen?), wurde mir klar: Ich war im Privaten gelandet!

Zumindest der Ton erreichte unser Wohnzimmer, das Bild bestand vollständig aus weißem Rauschen, das gelegentlich mit verheißungsvollen Konturen bereichert wurde. Von Glitzerdessous und nackten Menschen keine Spur. Doch was musste ich schon sehen? Ich wusste ja, dass sich dort irgendjemand auszog – ein warmes Gefühl.

Die Kandidaten konnten merkwürdige Länderpunkte gewinnen und in die Stripperinnen investieren – warum zogen die sich nicht einfach gleich aus? Vermutlich wollte Silvio Berlusconi es so haben, denn aus seinem Hause stammt „Colpo Grosso“, das italienische Original von Tutti Frutti. Den prüden Abwärtsschwenk, den die RTL-Kamera der Offenbarung der pikanten Körperteile stets veranstaltete, soll es in Italien aber nicht gegeben haben. Für den Kölner Privatsender waren die knapp 100 Folgen bei durchschnittlich zwei Millionen Zuschauern dennoch eine Goldgrube.

Erst seit heute weiß ich, dass Hugo Egon Balder die Sendung damals moderierte. Das würde ich mir zu gerne mal wieder anschauen – zur Not auch mit Bild. Redakteur XYZ möchte seinen Namen aus naheliegenden Gründen an dieser Stelle nicht lesen.

 

„Der Preis ist heiß“

Es gab viel zu gewinnen: Moderator Harry Wijnvoord ist heute eine Kult-Figur.
Es gab viel zu gewinnen: Moderator Harry Wijnvoord ist heute eine Kult-Figur. Foto: Imago/Teutopress
 

„Und hier ist sie wieder, die Show der fantastischen Preise. Seien Sie mit dabei, wenn es wieder heißt: Der Preis ist heiß“, hörte man von Preisansager Peter Freiwald, bevor mit dem niederländischen Moderator Harry Wijnvoord die Sendung begann, die mich als Kind begeisterte. Von 1989 bis 1997 gehörte das Produktpreisratespiel zum täglichen Nachmittagsprogramm bei RTL. Im Spiel mussten die Teilnehmer die Preise von Produkten in drei Spielrunden schätzen, diesen dabei allerdings nicht überbieten. Der Gewinner durfte den Preis behalten und in einer weiteren Runde um höherpreisige Gewinne spielen.

Erst später wurde mir klar, dass es sich mehr um eine knallharte Werbesendung handelte, als eine Spielshow. 2010 sollte eine von Harry Wijnvoord gestützte Petition die Sendung wieder ins Fernsehen bringen. Die Aktion blieb leider erfolglos. Diese Kult-Show, die bestimmt auch 2014 noch Zuschauer an die Flatscreens locken würde, gehört mindestens auf einen Sendeplatz im Spartenbereich – natürlich nur, wenn der Preis stimmt. Gerrit Hencke

 

„Geh auf’s Ganze“

Moderator Jörg Draeger mit dem Zonk.
Moderator Jörg Draeger mit dem Zonk. Foto: Imago/Teutopress
 

Der „Zonk“ ist für meine Generation - Jahrgang 1986 - der Inbegriff für eine Spielshow-Ära. Wenn „Geh auf’s Ganze“ kam, wollte jeder zumindest das kleine Trostpreis-Kuscheltier haben. Von 1992 bis 1997, dann noch mal von 1999 bis 2001 und für eine kurze Zeit im Jahr 2003 lief die Show. Nach den kurzen Revivals wurde die Sendung endgültig eingestellt. Moderator Jörg Draeger suchte sich in der Show beliebige Studiozuschauer aus, die mit ihm um Preise oder den Zonk spielten. Diese waren in Toren, Umschlägen oder Kisten versteckt. Dabei versuchte Draeger seine Kandidaten von der ursprünglich gewählten Option abzubringen, in dem er alternative Angebote machte. „Ich biete ihnen 1000 Mark, wenn Sie sich gegen Tor drei entscheiden“, war eine der gängigen Verwirrungstaktiken.

Aber egal, ob gelber Umschlag, Tor zwei oder 500 Mark, ich hätte lieber ein weiteres Revival der Spielshow im richtigen Fernsehen. Denn mit einer veränderten Auflage ging Moderator Jörg Draeger am 26. Januar 2014 auf dem Online TV-Sender „Family TV“ auf Sendung. Vorerst zehn Folgen, die im Zwei-Wochen-Takt gezeigt werden, machen Hoffnung auf eine Rückkehr. Gerrit Hencke

 

„Most Wanted“

Hat heute weniger Haare als früher: MTV-Legende Ray Cokes.
Hat heute weniger Haare als früher: MTV-Legende Ray Cokes. Foto: dpa
 

In den 90er Jahren, einer Zeit in der MTV noch Musikvideos und außer „Beavis and Butthead“ keine Zeichentrickserien zeigte, sah man am späten Abend manchmal einen hageren, stachelhaarigen Mann zentimeterdicht vor der Kameralinse. Der Brite Ray Cokes riss dabei gern die Augen auf und grinste breit und schelmisch. „Most Wanted“ hieß seine Sendung – eine Mischung aus Late Night Show und interaktiver Musiksendung.

Ein Revival dieser Sendung bräuchte hauptsächlich zwei Dinge: Ray Cokes und jede Menge Chaos. Er ließ sich einfach nicht auf ein Sendekonzept zurechtbürsten und quatschte drauflos, laberte den Kameramann an oder flirtete mit der Produktionsassistentin, die er „Naughty Nympho Nina“ nannte. Zwischendurch gab’s Interviews oder völlig bekloppte Spiele. Faxen halt. Und Faxe. Email-Adressen hatte in dieser Ur- und Frühgeschichte des Musikfernsehens so gut wie noch niemand. Daher faxten die Zuschauer aus fast ganz Europa ihre Kommentare, Fragen und Musikwünsche.

„Most Wanted“ war daher irgendwie Social Media, noch bevor das Wort erfunden wurde. Und es war international, noch bevor man sich bei Facebook mit Freunden aus Übersee verlinkte.

Ob das ganze Show-Nichtkonzept so noch einmal funktionieren würde, bleibt aber fraglich. Durch die Selbstverständlichkeit von Interaktivität und die Kommerzialisierung von Chaos (siehe HalliGalli und nahezu alles, was Stefan Raab so macht), würde es wohl eher beliebig werden. Dünnsuppig. Und außerdem wird der nicht mehr ganz so stachelhaarige Mittfünfziger wohl kaum wieder so unverkrampft rumblödeln wollen – und es gibt nun mal keinen zweiten Ray Cokes. Mira Nagar

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erstellt am 28.Okt.2014 | 19:38 Uhr

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