Jubiläum für Sat1-Sendung : Geburtstag: Ulrich Meyer feiert 20 Jahre „Akte“

Seit 1995 kämpfen Ermittler für uns. So zumindest heißt es im Untertitel der Sat1-Sendung „Akte“ die am Dienstabend in einer Jubiläumssendung Geburtstag feiert. Mit dabei ist Moderator Ulrich Meyer.

shz.de von
06. Januar 2015, 12:08 Uhr

Köln/Berlin | 60 Minuten. So lange dauert eine Sendung, bis die „Akte“ von Moderator Ulrich Meyer nach jeder Folge geschlossen wird. Am 4. Januar 1995 wurde vom Privatsender Sat1 die erste Folge ausgestrahlt. Ulrich Meyer, eher einer der Unauffälligen im deutschen Fernsehen, gehört zu den Dienstältesten Reportern in der hiesigen Fernsehlandschaft – ebenso wie seine Sendung „Akte“.

Ulrich Meyer 1994. Er moderiert seit 20 Jahren die Sendung „Akte“ auf Sat1.
Imago/APress
Ulrich Meyer 1994. Er moderiert seit 20 Jahren die Sendung „Akte“ auf Sat1.

Die Jubiläumssendung von „Akte 20.15“ am Dienstagabend um 22.30 Uhr in Sat1 wirft einen Blick zurück auf 20 Jahre kurioser, empörender und schicksalhafter Fälle aus Gesellschaft und Wirtschaft. Die Akteredaktion deckte in den vergangenen Jahren mehrfach Gesetzeswidrigkeiten auf und unterstützte die Polizei bei der Verhinderung und Verfolgung von Straftaten. Anfang 2007 gab die Sendung einen Hinweis, der zur Verhaftung hunderter Besitzer von Kinderpornographie führte.

Durch die Geburtstags-Sendung führen neben Ulrich Meyer auch Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf. Sie sollen den langjährigen Moderator „in die Mangel“ nehmen, wie es auf der eigenen Seite der Sendung heißt. Joko und Klaas und „Akte“ – das passt eigentlich nicht zusammen. Das Blödel-Duo soll der Sendung offenbar aus der Patsche helfen, wie die Seite Quotenmeter in einem Beitrag schreibt. Jahr für Jahr werden die Zuschauer weniger.

Sahen 2011 noch mehr als 1,8 Millionen Menschen im Schnitt „Akte“, waren es 2012 noch 1,7 Millionen. 2013 lag die durchschnittliche Reichweite am Dienstagabend bei 1,43 Millionen, 2014 bei 1,42 Millionen. Eine Anfrage von Quotenmeter im Dezember 2014 zu aktuellen Zahlen, wies Sat1 aus „zeitlichen Gründen“ zurück. Das einstige Zugpferd hinkt. Der Vorwurf: „Akte“ wird immer austauschbarer, die Themen nur noch 08/15. Schuld mag nicht nur die Vielfalt im Internet sein. Der einstige Investigativ-Journalismus hat Auszug aus dem Akte-Studio gehalten. Dennoch konstatiert Meyer: „Wir sind ganz nah dran an unseren Zuschauern; wir haben immer ein offenes Ohr für ihre Probleme; und wir zeigen in jeder Sendung, dass in jeder noch so verzweifelten Situation Hoffnung bestehen kann – und dass jeder uns und die „Akte“ an seiner Seite haben kann!“

Joko und Klaas resümieren mit der Büroklammer Meyer am Dienstagabend immerhin 970 Ausgaben „Akte“, in denen mehr als 4000 Beiträge gesendet worden sind. Warum das komödiantische Pärchen ausgerechnet Meyers Sendung moderieren soll, lässt Raum für Spekulationen. Eventuell soll das verstaubte Image der 20 Jahre alten Sendung eine Frischzellenkur bekommen, damit auch jüngere Leute am quotenschwachen Dienstag wieder den Fernseher einschalten. Denn „Akte 20.15“ gehört zu den ältesten Fernsehformaten, die durchgehend auf Sendung waren. Jeden Dienstag um 22.20 Uhr ist Ulrich Meyer auf Sat1 zu sehen. Aus einem Anfangsvertrag über sechs Monate sind inzwischen 20 Jahre geworden.

Meyers Erinnerung an die erste Sendung: „Leider hatte ich vergessen, mein Sakko für die erste Folge zu bügeln. Das ärgert mich jedes Mal, wenn ich die Bilder der Premiere sehe“, sagte er im Sat1-Interview.

Sein persönliches Highlight aus 20 Jahren war eine Geschichte für die die „Akte“-Zuschauer Verantwortung trugen. Nachdem „Akte“ über eine Familie berichtete, der nach Problemen im Job und am Auto auch noch das Haus abgebrannt war, standen am nächsten Tag Menschen aus nah und fern vor deren Tür, um zu helfen. „Das ist unsere Akte-Community – und die funktioniert sogar ohne Zutun der Redaktion. Toll!“

In die Top 10 der besten „Akte 20.14“-Berichte im vergangenen Jahr schaffte es übrigens das „Verhör“ von Ronald Schill. Der ehemalige Hamburger Innensenator und Jurist redete mit Ulrich Meyer über sein Leben als Provokateur, Sexprotz und den Kokain-Skandal. Zitat des Abends: „Deutschland ist oversexed und underfucked!“ Vielleicht lebt er deswegen heute in Brasilien. Was die Deutschen über ihn denken, das sei ihm „völlig humpe“, sagte Schill bei Meyer. Hier geht es zum ganzen Interview mit Ronald Schill.

Verschiedene Ableger von „Akte“ laufen zeitweise neben der Hauptsendung. Darunter „ErmittlungsAKTE“ und „Akte Thema – Wissen was zu tun ist“. „SchicksalsAKTE“ und „GesundheitsAKTE“ werden ab dem 23. Januar auf dem hauseigenen Spartensender „Sat1 Gold“ zu sehen sein. Der neue Ableger „Akte Ärztepfusch“ wird ab dem 29. Januar auf Sat1 ausgestrahlt. Es ist der sechste Ableger der Sendung. Ebenfalls auf Sat1 Gold läuft der siebte Ableger namens „ServiceAKTE“.

„Akte“ im Jahr 1999.
imago/teutopress
„Akte“ im Jahr 1999.

Meyer, am 26. Dezember in Köln 1955 geboren, ist seit Januar 1992 als freier Produzent bei Sat1 zu Hause. Zunächst moderierte er die Sendungen „Ulrich Meyer: Einspruch!“ und „Alarm!“. Von 1995 bis 1998 sprach er die Sat1-Nachrichten um 18.30 Uhr. Am 14. September 2010 moderierte Meyer das erste und einzige Mal eine Sendung nicht, aus familiären Gründen. Meyer ist Reserveoffizier der Bundeswehr. Er hat den Dienstgrad eines Oberstleutnants inne.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen