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Kubicki bei „Hart aber fair“ : FDP-Macho vs. #aufschrei

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Aus der Onlineredaktion

Wolfgang Kubicki als Talk-Gast, das ist nichts Besonderes. Aber bei Plasberg am Montagabend, das war etwas Besonderes.

Berlin | Es gibt TV-Momente, da hat man das Gefühl, alles ist gut. Eigentlich. Keine Ukraine. Kein Putin. Kein IS. Keine wirklichen Probleme. Nur „Gender“.

„Gender“. Das war das Thema bei „Hart aber fair“ am Montagabend. Der offizielle Titel lautete, etwas verwirrend: „Nieder mit den Ampelmännchen - Deutschland im Gleichheitswahn“. Wie sehr das Thema polarisiert und emotionalisiert zeigt die Tatsache, dass der Hashtag #hartaberfair am Dienstagmorgen danach der meistverwendete im deutschsprachigen Twitter ist.

Diskutiert werden sollte unter anderem über die Frage: Wenn ein Studentenwerk Studentenwerk heißt und nicht Studierendenwerk, fühlen sich dann die weiblichen Studierenden, also die Studentinnen, ausgegrenzt? In die Arena geschickt wurde Schleswig-Holsteins FDP-Chef Wolfgang Kubicki in der Rolle des Altmachos.

Auf der Gegenseite Anne Wizorek, die durch die Erfindung von „#aufschrei" bekannt wurde und gerne als „Post-Feministin“ bezeichnet wird. Wobei „Post“ das lateinische Wort für „unentspannt“ zu sein scheint. Auf Twitter hat sie Heimspiel und überwiegend Fans, bei denen sie sich artig bedankt.

In weiteren Rollen die modelnde Schauspielerin Sophia Thomalla, die es okay findet, wenn ihr jemand auf den Busen schaut, den sie schließlich auch im Playboy gezeigt habe, Anton Hofreiter von den Grünen in der Rolle des Frauenverstehers sowie die „feminine Feministin“ und Buchautorin („Dann mach doch die Bluse zu“) Birgit Kelle.

Das Auffällige an dieser Diskussion: Es ging nicht um Argumente, es ging um gegenseitiges Niederquatschen. Die Fronten sind sofort klar: Hofreiter und Wizorek vs. Kelle, Kubicki und Thomalla. Die beiden letzteren verstehen sich besonders gut. Gleich zu Beginn nutzt Kubicki die Gelegenheit, den Unterschied zwischen ihr und ihm zu erklären: Sie sehe besser aus. Haben wir gelacht.

Kelle und Wizorek sitzen in der Sendung ganz weit auseinander. Das ist auch nötig. Die Wizorek-Fans bei Twitter nehmen auf Kelle natürlich keine Rücksicht. Feuer frei.

Inhaltlichen Anlass zum gegenseitigen Niederquatschen gaben das schon erwähnte Studierendenwerk, das Ampelmännchen, das gerne auch mal eine Ampelfrau sein darf, ein röhrender Hirsch, zu dem Kubicki bemerkt, es gebe schließlich keine brünftigen Hirschkühe, der inhaltlich durchaus ernstzunehmende Punkt von Hofreiter, dass Frauen künstliche Kniegelenke bekommen, die der männlichen Anatomie entsprechen und einen konkreten Fall, in dem Chirurginnen 15 Prozent weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen, mit denen sie zusammenarbeiten.

Am Ende wird deutlich: Das Mann-Frau-Thema ist ideologieverseucht. Aus Sicht von Kubicki ist Ungleichheit nötig wegen der Leistungsunterschiede. Die Töchter von Kubicki haben aus Sicht von Wizorek auch deshalb Karriere gemacht, weil Kubicki ihr Vater ist. Und die Entschuldigung von ARD-Chefredakteur Kai Gniffke an die Hamburger FDP-Frau Katja Suding wegen des berühmten Tagesschau-Beinschwenks hat der abgegeben, obwohl sie sie gar nicht eingefordert hatte.

Oder, kurz zusammengefasst: Gesprächsstoff: ja. Erkenntnisgewinn: nein.

Die Sendung zum Nachschauen in der ARD-Mediathek.

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erstellt am 03.Mär.2015 | 11:41 Uhr

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