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„Tatort“-Vorschau : Entführungsdrama ohne Drama

vom
Aus der Onlineredaktion

Alte Rechnungen, Entführung, Mord - darum geht es in „Winternebel“. Lohnt sich heute Abend das Einschalten? Unser Experte ist sich unsicher. Er findet den Tatort rätselhaft.

So könnte ein Top-„Tatort“ starten: Noch während des Vorspanns kracht ein Jeep im Unterholz gegen einen Baum. Ein Mann zwängt sich verletzt aus dem Wagen und will sich fortschleppen. So viel ist klar - er ist auf der Flucht. Schon taucht sein Verfolger auf und setzt ihm nach. Der Mann stolpert weiter, Richtung See. Doch plötzlich erkennen wir den Verfolger. Es ist Matteo Lüthi von der Schweizer Kantonspolizei (Roland Koch). Dann fallen Schüsse.

Am nächsten Morgen ist Lüthi bei seinen Konstanzer Kollegen Blum und Perlmann (Eva Mattes, Sebastian Bezzel) in Erklärungsnot. Denn der Mann, den er verfolgt und angeblich in Notwehr erschossen hat - ein untergetauchter Entführer und Kindermörder namens Beat Schmeisser, dieser Mann war komplett unbewaffnet. Hatte Hitzkopf Lüthi diesmal eiskalt eine offene Rechnung mit ihm beglichen?

Was für ein Auftakt! Doch so kapriziös und vielversprechend dieser „Tatort“ beginnt, so schnell bremst er sich wieder aus. Ein zweiter Fall beschäftigt nämlich unsere Kriminalen, als sich am gegenüberliegenden Ufer des Bodensees eine weitere Leiche findet. Natürlich hängen die beiden Morde irgendwie zusammen. Und wie sich zeigt, handelt es sich erneut um eine Kindes-Entführung, bei der Beat Schmeisser eine Schlüsselrolle spielte. Doch der ist nun tot und die Eltern der entführten Anna (Annina Euling) wollen erst von der Entführung und dann von der Polizei überhaupt nichts wissen. So wird die Mördersuche ein Wettlauf mit der Zeit.

Alte Rechnungen, Entführung, Mord – schade, dass Jochen Greve (Buch) und Patrick Winczewski (Regie) diesem mehrfach durchgekauten Sujet nichts Neues hinzuzufügen haben. So routiniert Mattes, Bezzel und Koch ihre Rollen runterspielen, so klebrig zieht sich die Story hin. Ein kleiner Wutanfall hier, ein paar Handgreiflichkeiten da – die Figuren, ob gut oder böse, geraten viel zu blass. Wo bleibt bei diesem Entführungsdrama das Drama?

Nur eins überrascht, fast wie der Anfang: das offene Ende, das so rätselhaft wirkt, wie dieser ganze „Tatort“.

„Tatort – Winternebel“, 20.15 Uhr, ARD.

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erstellt am 05.Okt.2014 | 16:17 Uhr

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