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Fernsehen

21. Oktober 2017 | 07:06 Uhr

Medien : Du bist dran

vom

Peter (Lars Eidinger) kocht, kümmert sich liebevoll um die beiden Kinder und putzt das Klo. Derweil verdient seine Frau Elisabeth (Ursina Lardi) das Geld. Erfolgreich recherchiert sie vor Ort Berichte für die Vereinten Nationen über die Situation von Frauen und Kindern in Kenia.

shz.de von
erstellt am 28.Aug.2013 | 00:07 Uhr

So ist es seit Jahren eingespielt im Haushalt der noch recht jungen gutbürgerlichen Familie in einer Altbauwohnung. Doch als es zu existenziellen Veränderungen in ihrem Leben kommt, platzt dem Hausmann - eigentlich Möbelrestaurator mit abgebrochenem Designstudium - der Kragen. Aggressionen platzen aus ihm heraus, die er an seiner Umgebung auslässt und die nicht nur seine Ehe gefährden.

Mit hochkarätigen Darstellern und in überzeugend realitätsnahem, beiläufigen Ton erzählt Drehbuchautorin und Regisseurin Sylke Enders (48, «Mondkalb») in «Du bist dran» am Mittwoch um 20.15 Uhr in der ARD von sich wandelnden sozialen Rollenmustern. Und von Problemen, die diese selbst aufgeklärten Großstädtern und Akademikern bereiten können. Für Peter, dessen Beziehung zu seinen eher konventionellen Eltern konfliktgeladen und dessen Selbstbewusstsein nicht das Beste ist, bringt es das Fass zum überlaufen, als er zufällig erfährt, dass seine Frau ihn und die Kinder für zwei Jahre mit nach Nairobi nehmen will. Er fühlt sich gedemütigt - als Spielball ihrer Karriere.

Dazu kommt, dass unerwartet Peters Mutter (Jutta Wachowiak) gestorben ist: Er verkraftet nicht, dass sein Vater (Horst Westphal) kurz darauf mit seiner langjährigen Sekretärin (Ruth Reinecke) vor das Standesamt treten will. Peters 15-jähriger Stiefsohn Robby (Liam van Emschot) schaut ängstlich und wütend auf seine sich nun immer häufiger streitenden Eltern. Mit einer Schulweisheit aus der Insektenwelt und bringt er das Thema des Films auf den Punkt: «Nur die Königin entscheidet, ob aus einem Ei ein Weibchen oder Männchen werden soll und welche Rolle die Ameise übernehmen muss. Aber die Frage ist doch: Woher weiß denn die Ameise, für welche Rolle sie bestimmt ist.»

«Du bist dran» ist ein Familiendrama mit Komödientönen. Eine besondere Qualität gewinnt die Produktion der Berliner Zentropa Entertainments GmbH im Auftrag des Westdeutschen Rundfunks durch die feinfühlige, nuancierte Menschenzeichnung des Ensembles. Vor allem der gefeierte Berliner Theaterstar Eidinger («Tatort: Borowski und der stille Gast») schafft es einmal mehr, innere Konflikte durch sparsamste Blicke und Gesten tiefgründig auszuloten. Psychologisch schlüssig weist Enders dabei all ihren Figuren Stärken und Schwächen zu.

So ist die Hauptfigur Peter eben nicht nur ein Mann, der sich von seiner Mutter nicht wirklich abgenabelt hat und deshalb vor Veränderungen zurückschreckt. Er vermag es auch, seine starke, aber durchaus egozentrische Ehefrau mit den richtigen Fragen zu konfrontieren. Bei alledem ist nicht zu verkennen, dass Emders' Film auch ein Produkt unseres Zeitgeistes ist. Denn die Rollenmuster von Männern und von Frauen werden am Ende doch eindeutig als gesellschaftlich bestimmt und damit veränderbar dargestellt.

Infos zu «Du bist dran»

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