Klassiker des Trash-TV : Dschungelcamp 2018: Kamelhirn und Krokodilpenis zum Auftakt

Guten Durst: Tina York muss in der ersten Dschungelprüfung pürierte Kakerlaken trinken. Daniel Negroni muntert sie auf...

Guten Durst: Tina York muss in der ersten Dschungelprüfung pürierte Kakerlaken trinken. Daniel Negroni muntert sie auf...

Es ist wieder Dschungelcamp: RTL schickt zwölf B- und C-Promis in den Urwald. Der Auftakt läuft schleppend.

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20. Januar 2018, 09:26 Uhr

Grimmige Männer in Camouflage brüllen rum, Rotorblätter knattern überm Urwald. Per Boot, mit dem Fallschirm und dem Bungee-Seil machen sich Menschen auf in sein finsteres Herz, um dort Gliedmaßen und Gehirne zu verputzen. Es ist wieder Dschungelcamp.

„Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ läuft 2018 in der zwölften Staffel. Als RTL das Dschungelcamp 2004 zum ersten Mal in Deutschland präsentierte, protestierten Tierschützer und Menschenrechtler gleichermaßen. Inzwischen ist das Format so etabliert, dass selbst konservative Medien täglich berichten, wenn RTL 16 Tage lang die Nöte von Promis im australischen Dschungel zusammenschneidet.

Wie existenziell wichtig ein gutes Klo ist, merkt der Mensch meist dann, wenn er gerade kein gescheites zur Hand hat. Folgerichtig ist die bescheidene Latrine, die ein paar Schritte jenseits des Dschungelcamps ins Unterholz gezimmert wurde, zunächst mal über Stunden hinweg Gesprächsthema Nummer Eins unter den Teilnehmern im Dschungelcamp 2018. Jeder muss mal, keiner will und alle werden sich früher oder später mal eine Sitzung auf dem spartanischen Plumpsklo einfinden. Was das bedeutet, macht Jenny Frankhauser – prominent, weil Katzenberger-Schwester – noch vor dem ersten Abwurf klar: „Wenn man groß muss, ist es vorbei.“

Daniel Negroni (vorne) musste einen Straußenzeh verputzen. Für David Friedrich gab es derweil eine Portion Kamelhirn.
MG RTL/Stefan Menne
Daniel Negroni (vorne) musste einen Straußenzeh verputzen. Für David Friedrich gab es derweil eine Portion Kamelhirn.
 

Irgendwo zwischen Exkrementen, Kakerlaken und maximaler Ekelerfahrung hat sich das Dschungelcamp 2018 – hört, hört! – in Form von Giuliana Farfalla eine junge Dame mit einer Mission eingehandelt: Als Junge zur Welt und geschlechtsumgewandelt als Frau zu Berühmtheit gelangt, ist das Transgender-Modell nach eigenen Angaben vielleicht nicht die Klügste, aber offenkundig durchaus reflektiert. Die einstige „Germany´s Next Topmodel“-Teilnehmerin will vor allem ein Zeichen setzen für Schicksalsgenossinnen und –genossen, dass da lautet: „So wie du bist, bist du toll.“

Romantischer Anarchist

Dafür erntet sie, kaum im Camp eingetroffen, viel Anerkennung von Ex-Kicker Ansgar Brinkmann, der sich, stets begleitet von seinem Longboard, seinerseits einem romantischen Anarchismus verschrieben hat. Mit den Worten: „Niemand ist Chef von mir und ich bin Chef von Niemandem“ weist der weiße Brasilianer die Rolle des Campleaders zurück und unterstreicht seinen Idealismus mit der Aussage: „Wenn Geld an erster Stelle stehen würde, um bei diesem Format teilzunehmen, dann ist man hier an der falschen Stelle.“

Deplaziert wäre demnach Tina York, die irgendwann mal, als Rucola noch Rauke hieß und der 1. FC Nürnberg (echt jetzt!) Rekordmeister war, mit „wir lassen uns das Singen nicht verbieten“ einen Hit landete und – mittlerweile im 63. Lebensjahr – recht pragmatische Gründe geltend macht, um in den Dschungel zu ziehen – nämlich: „Weil ich nie wieder in so kurzer Zeit so viel Geld verdienen kann.“

Nippelpiercing statt großem Glied

Fast drei Stunden Sendezeit lässt sich RTL die Einführung ins Dschungelcamp 2018 kosten. Weniger wäre vielleicht mehr gewesen, denn aller Anfang vollzieht sich ziemlich schleppend. Zwar verrät Tatjana Gsell, was Psychoanalytiker schon länger wussten, dass nämlich Ursache ihrer fortgesetzten Präsenz in Klatschpresse der Wunsch ist, ein bisschen lieb gehabt zu werden. Und Sydney Youngblood, dem die Welt den gemeinen Ohrwurm „If only I could“ verdankt, teilt mit, dass er zwar kein übermäßig großes Glied hat, dafür aber ein neues Nippelpiercing, mit dem er besser nicht im Gestrüpp hängen bleiben sollte.

All das zündet nicht so richtig und auch sonst hat die Einführung der Kandidaten über weite Strecken den Unterhaltungswert einer Warteschleife. Ein Teil des Casts rekrutiert sich aus Veteranen anderer RTL-Formate, sodass Bachelorette-Gewinner David Friedrich mit seiner Feststellung, „hätte ich da nicht mitgespielt, würde ich mich selbst nicht kennen“ beleuchtet, woran es in den ersten gut zwei Stunden des Auftaktes mangelt: an einer guten Story, einem wirklich starken Charakter.

Das Klo verfehlt

Immerhin: Das Dschungelcamp 2018 steht gerade am Anfang, die Teilnehmer haben noch viel Zeit, Profil zu entfalten, Koalitionen zu schmieden, Konflikte auszutragen und alle bekannten und unbekannten Scham- und Schmerzgrenzen zu überschreiten. Eine geschickt inszenierte Trias von Ekel, Schmutz und Vulgarismus hat das Dschungelcamp groß gemacht und die Erwartung einer Trash-Offenbarung trägt über die langatmige Einführung, über Anreise und Ankunft hinweg.

Womit wieder das Klo ins Spiel käme: Giuliana Farfalla eröffnet den Reigen der Widerlichkeiten, indem sie im Dunkeln das Loch nur so halb trifft. Eine Kamera dokumentiert, wie Harn vor aus dem Toilettenhäuschen sickert und dort zu einer Pfütze gerinnt. Das Moderatorenduo Sonja Zietlow und Daniel Hartwich bescheinigt ihr dafür später – haha – durch´s Latrinum gefallen zu sein und lädt anschließend zur ersten Dschungelprüfung.

Dauerfeuer aus Kakerlaken und Rattenpisse

Weil im Dschungelcamp 2018 alles anders sein soll, müssen direkt mal alle Kandidaten antreten, um in den Kulissen eines Klassenzimmers ihr Ekel-Examen abzulegen. David Friedrich futtert also ein Kamelgehirn, Daniele Negroni würgt einen Straußenzeh herunter und Natascha Ochsenknecht labt sich an einem Krokodilpenis („Schmeckt gar nicht so schlecht – hab´ schon schlimmere gehabt“). Das ist widerlich und wenig überraschend, all das gab es so oder so ähnlich schon mal.

Ex-Kicker Ansgar Brinkmann (li.) und Matthias Mangiapane sollen beim Rattenzählen mathematische Fähigkeiten unter Beweis stellen.
MG RTL/Stefan Menne
Ex-Kicker Ansgar Brinkmann (li.) und Matthias Mangiapane sollen beim Rattenzählen mathematische Fähigkeiten unter Beweis stellen.

Als sich der erste Tag nach einem Dauerfeuer aus Kakerlaken, Rattenpisse und einigen tiefen Einblicken in Bikini-Oberteile und dem, was sich so dahinter verbirgt, dem Ende zuneigt, verlässt Ansgar Brinkmann vorzeitig das Spielfeld, wickelt sich in seinen Schlafsack und ignoriert schlaftrunken seine Interviewpflicht. Damit liefert er unfreiwillig die Schlüsselszene zur Bewertung der ersten Folge des Dschungelcamps 2018: Ein bisschen lahm war er schon, der Saisonauftakt.

2011 war das Dschungelcamp für den Deutschen Fernsehpreis nominiert, 2013 sogar für den Grimme-Preis. RTL fährt mit der Event-Programmierung in täglicher Ausstrahlung regelmäßig gute Quoten ein: Mit bis zu 9,04 Millionen Zuschauern (Finalsendung des Jahres 2011) erreicht „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus“ Zahlen in der Größenordnung des „Tatort“ – und das, obwohl die Show in der Regel erst gegen 22.15 Uhr beginnt. Sechs Staffeln lang hat Sonja Zietlow das Dschungelcamp mit Dirk Bach moderiert; nach dessen Tod übernahm Daniel Hartwich im Jahr 2013 den Posten.

Die Kandidaten der zwölften Staffel Schlagersängerin Tina York, „Bachelorette“-Kandidat David Friedrich, GNTM-Kandidatin Giuliana Farfalla, Reality-Sternchen Matthias Mangiapane, DSDS-Finalist Daniele Negroni, Schauspielerin Sandra Steffl, Sänger Sydney Youngblood, Katzenberger-Schwester Jenny Frankhauser, „Bachelor“-Kandidatin Kattia Vides, Model Tatjana Gsell, Society-Promi Natascha Ochsenknecht und der einstige VfL-Osnabrück-Kicker Ansgar Brinkmann.

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