Alpaka-Schwein wird Twitter-Trend : Dschungelcamp 2018: Alkohol statt Kotzfrüchte – und schon wird es lustig

<p>Jubel: Daniele Negroni (r.) hat in der Dschungelprüfung, die Matthias Mangiapane nicht antrat, fünf Sterne geholt.</p>
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Jubel: Daniele Negroni (r.) hat in der Dschungelprüfung, die Matthias Mangiapane nicht antrat, fünf Sterne geholt.

RTL wechselt das Konzept: Spirituosen und Partyspiele wirken Wunder. Das war Tag 14 im Dschungelcamp.

shz.de von
02. Februar 2018, 07:55 Uhr

Der 14. Tag im Dschungelcamp beginnt mit derselben Wurschtigkeit wie alle anderen davor: Jenny und Tina vergessen beim Bohnen-Kochen das Wasser; am Ende ist im Topf mehr Ruß als im Lagerfeuer darunter. „Mal sehen was die anderen sagen“, sinniert Jenny. „Vielleicht wollen sie es ja so.“ Die profunde Scheißegal-Haltung ist der Grundton der zwölften Staffel. Kein Tag vergeht ohne Regelbrüche; dann gibt es halt Strafen, na und? Zwei Kandidaten verlassen das Camp vorzeitig; wen kümmert’s, wenn dann die Gage schrumpft? Selbst ein Vorzeige-Hysteriker wie Matthias sagt zu seinen verbrannten Bohnen jetzt nur: „Egal, ist egal.“ Liebe Kandidaten, so macht das keinen Spaß. Wozu richtet RTL einen Ekel-Knast ein, wenn die Insassen nicht leiden? Ist doch nur Dschungelcamp? Mit dieser Einstellung geht man nicht ins Trash-TV!

<p>Teamchefin Tina York wurde zur Glücksbotin: Sie durte Daniele und David endlich ihre Zigaretten bringen.</p>
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Teamchefin Tina York wurde zur Glücksbotin: Sie durte Daniele und David endlich ihre Zigaretten bringen.

Daniele Negroni: ein neuer Mensch dank Nikotin

Seit Tagen foltert RTL Daniele Negroni mit Kippen-Entzug. Das Ziel ist Krieg im Camp, das Resultat fades Genörgel. An Tag 14 gibt es endlich Zigaretten und schlagartig wird‘s lustig. Auf Nikotin ist Daniele ein neuer Mensch. Die Augen leuchten, er tanzt, er giggelt. Selbst aus dem ältesten aller Dschungel-Gags macht er eine große Nummer: Als er in der Dschungelprüfung fünf von fünf Sternen aus einem Tauchbecken holt, gaukelt auch er den Kollegen eine Null-Punkte-Pleite vor. Er lügt aber nicht nur viel virtuoser als alle Kandidaten, die vor ihm denselben Witz gemacht haben. („Ich wäre um ein Haar ertrunken, sie mussten die Scheibe vom Becken einschlagen.“) Vor allem lügt er über exakt dieselbe Prüfung, die Matthias gar nicht erst angetreten hatte. Eine wunderbar lange Anekdote fühlt der sich von Danieles Schwindel in seiner Feigheit bestätigt – um umso erbärmlicher dazustehen, als Daniele auflöst: Er hat nicht nur fünf von fünf Sternen geholt, sondern am Ende auch noch drei Minuten Zeit übrig gehabt, weil er so schnell war. Schön, dass RTL die Nummer auch im Dschungeltelefon zum Thema macht. Was sagt Matthias? „Ganz so prickelnd fand ich die Verarsche nicht.“ Haha! Natürlich nicht, aber dafür finden alle anderen es super! Schade, dass Matthias am Ende rausgewählt wird. Man hätte ihn gern noch öfter so blamiert gesehen.

RTL ändert die Strategie: Verwöhnen statt foltern

13 Tage Dschungel-Qual haben die Camper mit passiven Widerstand ausgesessen. Jetzt verwirrt RTL sie mit Leckereien. Zum Frühstück gibt es Pulverkaffee, zum Abendbrot Rippchen und Rotwein zum Runterspülen. Kleine Freuden, aus denen die Kandidaten große Unterhaltung zaubern: Als sie ihr Fleischmahl dem „Alpaka-Schwein“ zuordnen, hat das Dschungelcamp seinen Twittertrend. Sogar die Schatzsuche ist heute lustig: Statt sich mit Urin zu übergießen, machen Tina und Matthias – Scharaden. Vielleicht sind die Kandidaten der zwölften Staffel gar nicht so schlecht. Beim Kotzfrucht-Futtern haben sie dem Genre zwar nichts mehr hinzuzufügen. Bei Partyspielen und Alkohol aber blühen sie auf. Zwei oder drei der Batida-de-Coco-Fässer, mit denen RTL gerade seine „Bachelor“-Kandidatinnen betankt, sollte der Sender schnellstens nach Australien verschiffen. Dann wird‘s noch ein gutes Finale.

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