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Fernsehen

17. August 2017 | 05:57 Uhr

Medien : Dreiviertelmond

vom

Elmar Wepper gehört zu den bekanntesten Fernsehgesichtern Deutschlands, doch zum Kino kam er erst spät. Vor fünf Jahren spielte er in Doris Dörries Drama «Kirschblüten - Hanami» einen Krebskranken, der seine Frau verliert.

Die Kritik war schwer begeistert von dem Schauspieler, den viele Zuschauer eher mit seichten Stoffen wie der Serie «Zwei Münchner in Hamburg» verbinden. «Natürlich freut es mich, dass in meinen späten Jahren das Rollenangebot interessanter geworden ist», meinte Elmar Wepper mal in einem Interview. «Vielleicht traut man mir nach "Hanami" mehr zu.» Arte zeigt an diesem Freitag um 20.15 Uhr einen weiteren Ausflug des Bayern ins Kinofach: Die Tragikomödie «Dreiviertelmond» von 2011.

Wepper ist Hartmut, 65 Jahre alt, ein Nörgler vor dem Herrn. Sein Leben ist aus den Fugen geraten. Seine Frau hat ihn verlassen. Nach 35 Jahren Ehe. Und das auch noch für einen anderen Mann - in der Welt des Nürnberger Taxifahrers ist das schlichtweg gegen alle Regeln. Auf einmal muss er sich noch einmal vollkommen neu orientieren. Der unglückliche, von Selbstgerechtigkeit und Vorurteilen zerfressene Taxifahrer wird von dem kleinen türkischen Mädchen Hayat aus der Isolation gerissen. Und zwar völlig gegen seinen Willen.

Die Sechsjährige Hayat hat sich ihr Schicksal auch nicht ausgesucht. Sie wurde von ihrer in Deutschland geborenen Mutter Gülen für einige Wochen bei ihrer Großmutter in Nürnberg untergebracht. Während Gülen in der Türkei ihr Leben ordnet, erleidet die Großmutter aber plötzlich einen Schlaganfall. Hayat spricht kein Deutsch und ist in der fremden Stadt vollkommen auf sich allein gestellt. Ihr einziger Bezugspunkt ist dieser schlecht gelaunte Taxifahrer, den ihre Mutter auf der Fahrt zum Flughafen als «Nazi» beschimpft hat und den sie durch Zufall wieder trifft. Sie setzt sich einfach in sein Taxi und will nicht mehr weg.

So schnell wie möglich will Hartmut das Kind wieder loswerden. Immerhin hat er genug eigene Probleme. «Er spricht immer davon, dass das nur eine Phase ist und dass sie schon wieder kommt», erläuterte Wepper zum Kinostart von «Dreiviertelmond» den Charakter von Hartmut. «Er versteht nicht, warum sie ihn verlassen will. Sie hat doch alles: Das Haus und den Garten und die neue Küche mit den Soft-Close-Schubladen, da kann sie sich doch verwirklichen, meint er. Hartmut begreift aber nicht, dass es darum gar nicht geht.»

Am Ende hat Hartmut gelernt, sein Herz ein wenig zu öffnen und seinen Horizont zu erweitern. Regisseur Christian Zübert («Die rote Zora», «Lammbock») schafft es, die Geschichte so witzig und anrührend zu erzählen, dass jede Rührseligkeit auf der Strecke bleibt. Ein klassisches Happy End bietet er aber nicht - und das ist gut.

Arte-Seite zum Film

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erstellt am 18.Okt.2013 | 00:07 Uhr

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