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Start von „Neo Magazin Royale“ : Dieser Spongebob-Fan machte mit Witzen für Jan Böhmermann Karriere

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Am Donnerstag kehrt „Neo Magazin Royale“ aus der Pause zurück. Hinter den Kulissen hat ein 19-Jähriger Karriere gemacht.

shz.de von
erstellt am 01.Feb.2017 | 11:18 Uhr

Köln | Es gibt wohl so einige Menschen in Deutschland, die sich ein wenig vor Jan Böhmermann fürchten. Der Satiriker trifft mit seinen Witzen bisweilen ins Mark, wenn er nicht gar eine Staatskrise auslöst. Vor diesem Hintergrund könnte man es fast mutig nennen, wie Stefan Titze seine Karriere in der „Bildundtonfabrik“ (btf), der Kölner Produktionsfirma, die hinter Böhmermanns „Neo Magazin Royale“ (ZDF/ZDFneo) steckt, begann. Mit einer sanften Nötigung des Satirikers.

Titze hatte als Praktikant in der Firma angefangen - wollte aber Gags beisteuern. Das Ergebnis: Böhmermann war angetan. Der Praktikant Titze wurde zum Autor befördert - mit 19 Jahren. Ein rasanter Aufstieg.

Wenn man ihn nach seiner Comedy-Sozialisation fragt, nennt er etwa den Zeichentrick-Schwamm Spongebob. Und YouTube. „Ich glaube, wir sind eine der ersten Generationen, die vor allem mit ausländischen Formaten groß geworden ist“, sagt er. Mit der deutschen Comedy-Szene kann er nicht so viel anfangen. „Wenn man gute Comedy haben will, dann schaut man in die USA. Ich finde es besser, wenn keine großen Bühnenbilder die Lücken eines Programms kaschieren müssen.“ Mittlerweile arbeitet Titze nicht mehr für das „Neo Magazin“, sondern für „Gute Arbeit Originals“, einen YouTube-Comedy-Kanal, den die btf für das Jugendangebot „funk“ von ARD und ZDF produziert.

Selbst in der Show-Branche, in der es viele seltsame Berufswege gibt, ist Titze - mittlerweile 22 - damit kein ganz alltäglicher Fall. Im Land von Loriot und Heinz Erhardt gilt ein Teenager, der sich an Komik versucht, meist maximal als „frech“. Titze ist zwar noch kein klassischer Stand-up-Comedian, sondern vor allem Autor, der im Hintergrund werkelt. Damit ist er aber in die Herzkammer einer Grimme-Preis-gekrönten Show eingezogen.

Geographisch betrachtet war der Weg dorthin gar nicht so weit. Von Kamen bei Dortmund - Titzes Heimat - kommt man schnell nach Köln. „Kreativmäßig ist es aber ganz weit weg. Ich wusste damals schnell, dass ich nach Köln will“, sagt er. In der Schulzeit fing er an, Glossen für eine Zeitung zu schreiben. Seinen heutigen Arbeitsplatz kann man als unkonventionell bezeichnen, zumindest gemessen an gewöhnlicher deutscher Bürokomplex-Tristesse.

Ein Gebäude in einem Hinterhof in Köln-Ehrenfeld, das von innen aussieht wie eine Mischung aus Kunstgalerie und Hobbykeller. Auf dem Flur liegen Folien herum, ein Staubsauger ist noch eingesteckt, jemand hat ein Fahrrad abgestellt. Titze trägt Kapuzenpullover. „An Jan Böhmermann fand ich schon früher gut, dass er nicht nur mit einem Prompter witzig sein konnte. Er hat kontinuierlich improvisiert und abgeliefert“, sagt er. „Mit ihm im Raum gibt es eigentlich keine Denkblockaden. Er haut ständig Ideen raus.“ Titze schrieb sich zwar für ein Journalismus-Studium ein, allzu viel Herzblut steckte aber nicht darin. Vor allem wollte er arbeiten und am liebsten hier.

Er war daher auch mittendrin, als Böhmermann im vergangenen Jahr mit einem Gedicht den türkischen Präsidenten Erdogan gegen sich aufbrachte. Die Sendung wurde zeitweise ausgesetzt. Titze betont, dass er da im Rückblick nur für sich selbst sprechen könne. „Es war schon interessant, an dem Ort zu sein, an dem Eilmeldungen entstanden.“ Dass nach der Pause plötzlich sehr viele auf die kleine Sendung blickten, empfand er als Autor nicht als Bürde.

„,Neo Magazin' ist zuerst, das man macht, worauf man Bock hat.“ Seinen Humor als Imitat von Böhmermann zu beschreiben, wäre falsch. „Wenn niemand mehr eine Idee hat, dann kann man sich immer noch auf Stefan verlassen“, sagt sein Kollege Florentin Will. „Der hat dann eine.“ Sein Alter sei für ihn selbst ja nie so das Riesending gewesen, sagt Titze. „Das eigentliche Problem ist, dass ich manchmal denke: In ein paar Jahren habe ich nichts mehr zu erzählen.“ Alles, was er in seinem Leben erlebt habe, habe er ja schon in Varianten verarbeitet. „Vielleicht sollte ich noch mal ein Jahr als Kellner arbeiten.“

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