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ARD-Sonntagskrimi : Die übelsten Bösewichte der Tatort-Geschichte

vom
Aus der Onlineredaktion

Verstörte Psychopathen, ziellose Triebtäter und kranke Rachefeldzüge: Der Tatort-Krimi wird immer häufiger zum Psycho-Thriller – nicht nur in Kiel. Diese acht Mörder haben besonders für Angst und Schrecken gesorgt.

Tatort Kiel: Borowski und die Frau am Fenster (Sibylle Canonica, 2011)

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Foto: NDR/Marion von der Mehden

Die Tierärztin Charlotte Delius ist eine exzentrische Frau, die in ihrer Einsamkeit eine große Leidenschaft für Zarah Leander entwickelt hat. Sie ist aufgesetzt freundlich, hilfsbereit - und psychisch gestört. Aus Eifersucht tötet sie die Freundin ihres Nachbarn und erschleicht sich dann sein Vertrauen, außerdem sprengt sie Zecken in der Mikrowelle in die Luft. Sibylle Canonica zeigt eine schauspielerische Glanzleistung.

Eine zweite Leiche wird in einem Güllebasin gefunden. Die Unbekannte, die nur etwa siebzehn Jahre alt wurde, ist schätzungsweise bereits seit zwanzig Jahren tot. Genausolange lebt Delius' Tochter angeblich in Afrika. Kein Zufall. Die Briefe der Tochter wurden allesamt von Delius selbst verfasst. Nun weiß Borowski, wen der verwirrte Nachbar mit „de olde Hex“ meinte. Beinahe tötet sie ihn mit einer Giftspritze, doch seine neue Kollegin Sarah Brand befördert das auf die Spritze fallende Biest ins Jenseits.

 

Tatort Dortmund: „Auf ewig Dein“ (Florian Bartholomäi , 2014)

Foto: WDR/Thomas Kost

„Ein gefühlskalter, pedantischer Mörder mit dem zarten Gesicht einer Putte“ (Die Welt), gespielt von Florian Bartholomäi (r.) treibt sich in Dortmund herum. Er tötet Kinder und wirft sie weg wie er es einst mit der Tochter des seelisch seither völlig vermurksten Kommissars Peter Faber getan hatte.

In der vierten Folge des Dortmunder Tatorts wird endlich die Frage aufgelöst, was oder wer genau Faber selbst in die Rolle des Psychopathen getrieben hat. Es ist ein düsterer Rache-Thriller, in dem der sadistische, wie geniale Täter ein viel größeres Spiel mit tödlichem Plan treibt. Dem Mann, der Fabers Familie ausgelöscht hat, geht es nur darum, den gequälten Faber so fertig zu machen, dass dieser sich selbst in den Tod stürzt. Es kommt zum Showdown.

 

Tatort Köln: Franszika (Hinnerk Schönemann, 2014)

Foto: Martin Valentin Menke/WDR

Franziska Lüttgenjohans (Tessa Mittelstaedt) letzter Auftritt als ewige Assistentin der Kölner Kommissare Ballauf und Schenk hat nichts mit Dienst nach Vorschrift zu tun. Es beginnt damit, dass sie als ehrenamtliche Bewährungshelferin guter Dinge in ein Gefängnis kommt, um den kurz vor der Entlassung stehenden Mörder und Vergewaltiger Daniel Kehl (Hinnerk Schönemann) noch einmal zu besuchen. Doch Kehl dreht mit einem Mal durch und bedroht sie mit einem Messer.

Der Grund: Kurz vorher ist ein anderer Häftling erstochen worden - Kehl ist dringend tatverdächtig Aus der Entlassung wird also nichts, sein Leben ist ihm nichts mehr wert. Lüttgenjohan sucht gekonnt den Dialog mit dem Psychopathen, doch es gibt keinen Ausweg. Es wird ein Kammerspiel der grausamsten Art. Er will nicht überleben und nicht überleben lassen.

Kehl legt ihr einen Kabelbinder um den Hals und der Zuschauer wartet eine gefühlte Stunde in mitempfundener Angst auf den Moment, in dem er die Schlinge zuzieht. Dann: Fassungslosigkeit. Aus Jugendschutzgründen wurde die Ausstrahlung dieses zerknirschenden Thrillers in den späteren Abend geschoben.

 

Tatort Kiel: Borowski und der stille Gast (Lars Eidinger, 2012)

Foto: NDR

Als stiller Gast schleicht sich der schüchtern wirkende Paketzusteller Kai Korthals (Lars Eidinger) in die Wohnungen junger Frauen ein und wird ihr heimlicher Mitbewohner. Großes Vergnügen bereitet dem unsichtbaren Psychopathen die Mitbenutzung der Zahnbürste seiner Opfer. Seine krankhafte Zuneigung gilt auch Borowskis Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli), an deren Bretzel er lutscht. Wenn die Frauen ihm auf die Schliche kommen und seine Liebe nicht erwidern, wird er sie töten. Lars Eidinger bedient sich einer minimalistischen Gestik und brilliert so schauderhaft, dass der Zuschauer sich nicht sicher sein kann, ob der Mörder nicht gerade neben ihm steht.

Das offene Ende wirkt dann improvisiert und öffnet die Tür für eine Fortsetzung: Der geschnappte Korthals entkommt und das Unbehagen bleibt bestehen. Teil zwei folgt 2016 – Frau Brandt sollte ihre Zahnbürste gut verstecken.

 

Tatort Frankfurt: Es ist böse (Marc Bischoff, 2012)

„Es ist böse“, ist das erste, was Kriminalhauptkommissar Frank Steier zu seiner Kollegin Kriminalhauptkommissarin Conny Mey sagt, als sie zu einem Tatort gerufen werden, der ihnen einiges abverlangt. Eine Prostituierte ist tot, postmortal hat der Mörder ihr auch noch die Kehle durchschnitten. Nach diesem Verhaltensmuster geschehen mit steigender Brutalität weitere Morde, doch Spuren hinterlässt der Täter keine.

Der Schauspieler Marc Bischoff.
Der Schauspieler Marc Bischoff. Foto: dpa

Der Täter Ritter (Marc Bischoff) ist der vollendete Psychopath, er wickelt sich bei der Tat in Frischhaltefolie ein. Obwohl er den Zuschauern bereits seit fast 1,5 Stunden in kaum zu ertragendem Maße das Fürchten lehrt, bekommt der Zuschauer das Gesicht des Mörders erst ganz am Schluss zu sehen. Die Ermittler finden den geistig schwer kranken Mann in der Psychiatrie. Warum er den Opfern die Kehle durchschnitt? „Da sitzt doch die Sprache!“.

 

Tatort Bodensee: Herz aus Eis (Nora von Waldstätten, 2008)

Foto: SWR

Der Sohn eines Topmanagers liegt tot im Schwimmbad des Eliteinternats Schloss Hamberg. Die Täter (kaltblütige Internats-Schnösel) haben alles nach Selbstmord aussehen lassen - fast alles. Viele Klischees werden bedient, ein bisschen Hannie und Nannie ist auch mit dabei. Aber Nora von Waldstätten glänzt als Täterin und Intrigantin, die ihren Mitschüler um jeden Preis loswerden wollte. Die FAZ bezeichnete sie als „wunderschöne, klirrend kalte Eiskönigin“.

Von Waldstätten und Florian Bartholomäi gewannen für Herz aus Eis den New Faces Award 2009 der Zeitschrift Bunte als beste Nachwuchsschauspieler.

 

Tatort München: Schwarzer Advent (Christian Berkel, 1998)

Foto: BR

Christian Berkel spielt in diesem dunklen Krimi einen psychisch labilen, schaurigen Versicherungsvertreter, der seinem Vater in der Vorweihnachtszeit eine intakte Familie vorspielen will. Die Familie existiert jedoch seit Jahren nicht mehr. Nachdem er nicht mal mit Geldangeboten seine Ex-Frau zu einer vorrübergehenden Scheinehe bewegen kann, tötet er sie im Affekt. Seine Kinder holt er zu sich und erzählt ihnen, ihre Mutter sei im Urlaub. Ihre Rolle nimmt in der Fassade nun eine Prostituierte ein. Ein gruseliger Wahn nähert sich in dunklen Bildern einem katastrophalen Ende.

 

Tatort Wiesbaden: Im Schmerz geboren (Ulrich Matthes, 2014)

Foto: HR

Gespenstisch: Richard Harloff (Ulrich Matthes), Supergangster und Kommissar Murots ehemals bester Freund aus der Polizeischule, ist nach Jahren im Exil zurück in Wiesbaden: Mit einem teuflischen Plan im Gepäck. Die beiden waren einmal in dieselbe Frau verliebt, bevor Harloff wegen einer Drogensache mit ihr nach Südamerika floh.

Es beginnt ein Rachefeldzug gegen Murot im Tarantino-Stil mit vielen Morden, die den hilflosen Ermittler in die Enge treiben. Harloff hat immer ein Alibi, was daran liegt, das sein aufs Töten getrimmter Sohn auf sein Handzeichen die präzisen Mordarbeiten aus dem Hinterhalt übernimmt. In Wirklichkeit ist Harloffs Sohn nämlich Murots Filius. Bei so viel Rachelust kann man schon mal die übelste Ballerei in der Tatort-Geschichte anzetteln. Am Ende zählt der Streifen 51 Leichen, Supergangster inbegriffen.

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erstellt am 12.Mär.2015 | 20:20 Uhr

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