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Medien : Devid Striesow: Kinder sind ein tolles Publikum

vom

Am 24. Oktober startet der Film «Sputnik» für Kinder in den deutschen Kinos. In dem Streifen, der in Sachsen-Anhalt gedreht wurde, spielt Devid Striesow (40) einen Polizisten in der DDR des Jahres 1989.

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2013 | 13:17 Uhr

Striesow ist einem Millionenpublikum im Fernsehen auch als «Tatort»-Kommissar Jens Stellbrink aus dem Saarland bekannt. In mehr als 100 Filmen wie «Der Untergang», «Die Fälscher», «Yella» oder «Blaubeerblau» hat er unterschiedlichste Charaktere dargestellt. Das Schicksal von Kindern bewegt ihn besonderes, wie Striesow in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa berichtet.

Frage: In dem neuen Film «Sputnik» spielen Sie den linientreuen Volkspolizisten Mauder. Was hat Sie an der Rolle besonders gereizt?

Antwort: Mauder ist in der Dramaturgie des Films die böse Gegenfigur zur Heldin, der zehnjährigen Rike (Flora Li Thiemann). Wie ich bei der Vorpremiere erleben konnte, sind Kinder fasziniert von dieser zwielichtigen Gestalt. Einerseits fasziniert sie das Böse daran, auf der anderen Seite sind sie auch fasziniert von der Figur Mauder. Das war für mich auch der ausschlaggebende Punkt, für die Rolle zuzusagen. Es ist wunderbar, mit Kindern zu spielen, und es ist ganz toll, für Kinder zu spielen, das ist ein ganz tolles Publikum.

Frage: Liegt Ihnen das, Anti-Helden, Böse zu spielen?

Antwort: Das Schöne ist ja: Man hat ein großes Spektrum, wenn man solche Figuren spielt. Man verkörpert nicht nur jemanden, der augenscheinlich der böse Widerpart ist, sondern man spielt eine tragische Figur, im Prinzip einsame Menschen. Der Böse hat ein viel größeres Spektrum als der Held. Der Held ist immer lieb und funktioniert gut und ist sympathisch. Der andere ist unsympathisch, aber er hat diese verdammte Faszination für das Publikum - wie beim Rollenspiel zwischen Faust und Mephisto.

Frage: Sie spielen in dem neuen Film mit und für Kinder. Geht aus Ihrer Sicht das deutsche Fernsehen genügend auf die Bedürfnisse der Kinder ein?

Antwort: Ich guck' nicht so viel Fernsehen. Ich sehe mir DVDs von Filmen an, die mich interessieren. Wenn ich Zeit hab', dann gehe ich mit meinen Kindern ins Kino und gucke Animationsfilme, weil ich da Fan bin und unheimlichen Spaß daran habe - und die Kinder sich dann automatisch mitfreuen. Ich möchte auch grundsätzlich bei meinen Kindern unterbinden, dass da so eine Fernsehkultur bei uns aufkommt. Deshalb ist der Fernseher bei uns im Prinzip immer aus.

Frage: Und wie kommt das beim Nachwuchs an?

Antwort: Es ist ja ein Trend. Was ich von meinem großen Sohn weiß: Niemand von denen in seinem Alter guckt mehr Fernsehen. Da geht es nur noch über das Internet, da werden Filme runtergeladen und angeschaut auf mittlerweile legitimen Plattformen. Man kann sich Filme zu jeder Tages- und Nachtzeit anschauen. Es wird sich niemand mehr mit dem Fernsehprogramm beschäftigen, er ist jetzt 15.

Frage: Kinder spielen in Ihrem Leben eine große Rolle. Sie sind mehrfacher Vater, Sie engagieren sich im Kinderhospizdienst Saarland. Können Sie sich dabei auch als Künstler einbringen?

Antwort: Ausgangspunkt für das Thema Hospiz waren für mich die Dreharbeiten für den Film «Blaubeerblau», die mich sensibilisiert haben für dieses Thema. Wir werden diesen Film am 18. November in Saarbrücken vorführen - vor einer hoffentlich größeren Anzahl von Menschen - und im Anschluss darüber sprechen. Das ist die Art und Weise, wie ich unmittelbar einwirken kann.

Frage: Haben Sie gemerkt, seitdem Sie sich für mehr Engagement der Gesellschaft für die Hospiz-Bewegung engagieren, dass das Thema auch mehr Menschen erreicht?

Antwort: Der Tod wird in dieser Gesellschaft nicht als Notwendigkeit wahrgenommen, sich damit zu beschäftigen, weil der Tod immer etwas weit weg von der eigenen Haustür entfernt erscheint. Kinderhospiz ist die verschärfte Version, weil man mit Kindern nun mal überhaupt nicht das Sterben in Verbindung bringt. Es gibt dort im Saarland, wo ich mich engagiere, 120 Fälle von Kindern, die teilweise zu Hause betreut werden. Das heißt, sie leiden unter lebensverkürzenden Krankheiten. Im Gegensatz zu Erwachsenen, die wenige Wochen bis zu ihrem Tod in einem Hospiz sein können, bedeutet es für Kinder manchmal Jahre, die sie betreut werden müssen. Auch darauf will ich aufmerksam machen, was das für die Kinder und Eltern alles bedeutet.

Der Film Sputnik

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