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Film : «DDR-Bürger» gesucht - Casting für einen Mauerfall-Film

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Fernsehbilder von der Grenzöffnung 1989 sorgen noch immer für tiefe Emotionen. Nun wird ein Fernsehfilm gedreht über die Nacht des Mauerfalls. Wie kommt man dafür an Hunderte «DDR-Bürger»?

shz.de von
erstellt am 31.Aug.2013 | 14:47 Uhr

Die Jeansjacken sind mit Stickern von Modern Talking und Alphaville aufgepeppt, sie trägt ihre langen blonden Haare gewellt, auf dem Hinterkopf sitzt ein Zopfgummi in neonrosa. Über den schwarzen Leggins umhüllen grüne Stulpen mit Silberfäden die Waden. Für Annett Necke und Michael Spinnen ist das Lebensgefühl der 80er-Jahre wieder voll da. «Ich fühle mich in meine Jugend zurückversetzt», sagt die 41 Jahre alte Buchhalterin aus Weißenfels. Genau so soll das auch sein, denn heute sind «DDR-Bürger» gefragt - oder solche, die danach aussehen.

1500 Komparsen werden in Magdeburg gesucht für einen Fernsehfilm über den Abend und die Nacht der Maueröffnung am 9. November 1989. Regisseur wird Christian Schwochow («Der Turm») sein. Gedreht werden soll im September und Oktober in Magdeburg und Umgebung.

In das große Hotel im Zentrum Magdeburgs - zu DDR-Zeiten Stadt des Schwermaschinenbaus - kommen an diesem Samstag Hunderte Menschen. Frauen, Männer, Kinder, Alte - jeder füllt einen Zettel mit den persönlichen Angaben samt Kleidergrößen aus und lässt sich fotografieren. Annett Necke und Michael Spinnen gehören zu den wenigen, die herausstechen. Viele erfüllen einfach die Ausschlusskriterien der Castingfirma: keine heute modernen Frisuren, keine bunt oder gesträhnt gefärbten Haare, keine Solariumbräune. Auch sichtbare Tattoos oder Piercings sind Tabu. Und: Frauen dürfen keine künstlichen Fingernägel haben.

«Gesucht werden Hunderte VoKuHiLas, Schnauzbärte, Frauen mit Dauerwellen oder Kurzhaarfrisuren», hieß es vorher in Aufrufen. Angesprochen fühlte sich auch der 52 Jahre alte Eisenbahner Lutz Ratzeburg. Mit Wolfgang-Petry-Frisur samt dickem Schnauzer sieht sich der Magdeburger als geeigneter DDR-Bürger im Film. «Meine Haare passen von Woodstock bis zum Mauerfall.» Die Matte trage er schon immer. Der 52-Jährige wirft einen kritischen Blick auf die anderen Bewerber im Raum. «Viele passen hier gar nicht rein, aber wir brauchen ja auch Stasi-Generäle», sagt Ratzeburg forsch.

Ein Mitarbeiter des Castingteams ist froh, dass heute nicht viele Damen mit roten oder grünen Haaren aufgelaufen sind. Aber gehen die anderen als «DDR-Bürger» durch? «Wenn sie vor dem Dreh in unserer Abteilung Kostüme und Maske waren, werden sie so aussehen», sagt er. «Nach 24 Jahren - wer sieht da noch so aus? Früher hat auch viel die Kleidung gemacht.» Michael Spinnen mit Alphaville auf der Jeansjacke wird unterdessen von seiner blonden Partnerin geoutet. «Der ist ein Westbürger», flüstert sie, während er befragt wird zu seinen DDR- und Wende-Erfahrungen. Erst 1993 kam er das erste Mal in den Osten. Das hält ihn aber nicht davon ab, einen DDR-Bürger darstellen zu wollen.

Infos zum Casting

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