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Fernsehen : Das Internet greift die Fernsehpreise an

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Als vor fünf Jahren die Emmy-Organisatoren auch Internet-Serien zuließen, interessierte das niemanden so recht. Das Netz schien nur ein Begleitmedium mit Filmschnipseln zu sein, kein Vergleich zum echten Fernsehen.

In diesem Jahr hielt die ganze Branche den Atem an, weil mit «House of Cards» zum ersten Mal eine nur für einen Streamingdienst produzierte Serie der große Abräumer beim weltweit wichtigsten TV-Auszeichnung hätte werden können. Das wurde er nun doch nicht, aber der Damm ist mit «House of Cards» gebrochen: Nie wieder werden die Fernsehpreise nur Fernsehpreise sein.

«Willkommen zur großen Nacht des Fernsehens. Für die Jüngeren: Fernsehen ist das, was Ihr auf Euren Telefonen guckt», sagte Emmy-Gastgeber Neil Patrick Harris, bekannt als Barney in der Sitcom «How I Met Your Mother». Und die Jüngeren gucken zum Beispiel gern «House of Cards». In der Politikserie spielt der zweifache Oscar-Gewinner Kevin Spacey einen intriganten Politiker, der eine Beziehung zu seiner Frau (Robin Wright) hat, die gleichzeitig nüchtern und leidenschaftlich ist («Ich liebe diese Frau wie Haie das Blut.»)

Produziert wurde die Serie - die zweite Staffel ist gerade in Arbeit - für den Internetdienst Netflix. Den kann man, wenn auch nicht in Deutschland, abonnieren und dann ganz ohne Kabel oder Antenne auf dem Fernseher sehen. Oder was immer sonst an das Internet angeschlossen ist. In den USA gehört es fast zum guten Ton, Netflix zu haben. Derartige Dienste sind noch nicht alt, aber schon so stark, dass Videotheken eine Seltenheit werden und DVD-Verkäufe kräftig leiden. Warum vor die Tür gehen, wenn es auch mit ein paar Klicks geht?

Aber dennoch reichte es für «House of Cards» nur zum Emmy für die beste Regie und zwei in Nebenkategorien. Einen so deutlichen Gewinner wie in den Vorjahren gab es 2013 nicht. Vier Jahre in Folge war das «Mad Men» gewesen, die Serie um eine New Yorker Werbeagentur in den 60ern. 2013 erhielt sie nicht einen Preis. Im vorigen Jahr hatte die Thriller-Serie «Homeland» triumphal «Mad Men» abgelöst. 2013: Nur zwei Emmys für «Homeland». Beste Dramaserie wurde «Breaking Bad», die faszinierende wie brutale Serie über Chemielehrer Walter White (Bryan Cranston, bekannt aus «Malcolm mittendrin»), deren letzte Folgen gerade in den USA ausgestrahlt werden. Viele Emmy-Experten hatten den Preis des besten Hauptdarstellers schon in Cranstons Händen gesehen, doch es wurde Jeff Daniels für seine Rolle in «The Newsroom».

Den meisten Glamour verbreitete «Behind the Candelabra». Ist das noch Fernsehen? Ein Budget von 23 Millionen Dollar, Steven Soderbergh («Ocean's Eleven») als Regisseur, in den Hauptrollen die Hollywoodstars Michael Douglas und Matt Damon. Ja, das ist noch Fernsehen, denn der zweistündige Film wurde mit großem Aufwand für den Bezahlsender HBO produziert. Die Produktion war ein rauschender Erfolg, bei Kritikern wie beim Publikum. Douglas spielt darin den prunksüchtigen Starpianisten Liberace, der 1987 an Aids starb. Insgesamt bekam der Film elf Emmys, wenn auch acht davon in Nebenkategorien. In Deutschland kommt der Film am 3. Oktober unter dem Titel «Liberace - Zuviel des Guten ist wundervoll» in die Kinos.

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erstellt am 23.Sep.2013 | 14:57 Uhr

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