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Eurovision Song Contest 2015 : „Coitus interruptus“: Kümmert geht, Schöneberger glänzt

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Als ESC-Gewinner Andreas Kümmert verkündet, seinen Sieg an Ann Sophie abzugeben sind alle Zuschauer fassungslos. Moderatorin Barbara Schöneberger bewahrt bei dem ganzen Trubel die Ruhe.

Mit seinem Hit „Heart of Stone“ zog der Rocksänger Andreas Kümmert beim ESC-Vorentscheid am Donnerstagabend die Zuschauer auf seine Seite. Am 23. Mai sollte er somit beim Eurovision-Song-Contest in Wien Deutschland vertreten. Doch Andreas Kümmert lehnte seine Teilnahme ab: „Ich bin nicht in der Verfassung diese Wahl anzunehmen und ich geb' meinen Titel deswegen an Ann Sophie.“ Jubel folgte, aber auch Buh-Rufe. Niemand wusste so recht, was sich da gerade im Fernsehen abspielte. Auch Ann Sophie war unsicher und reagierte zunächst zurückhaltend.

Nur Moderatorin Barbara Schöneberger wusste sich schnell zu helfen und beeindruckte mit Souveränität: „Also du sagst uns jetzt, du möchtest nicht nach Wien fahren weil du das Gefühl hast, dass das nicht deine Welt sein könnte?“ fragte sie ihn. Der ESC-Sieger antwortete daraufhin: „Ich denke einfach, dass sie dafür viel geeigneter ist, ich bin ein kleiner Sänger.. ich geb'...“. Andreas Kümmerts Worte und Rechtfertigungen versanken zwischen Buh-Rufen und Applaus. Doch das TV-Talent Schöneberger wusste die Situation zu retten und lockerte die düstere Kulisse mit einem humorvollen Einwurf auf: „Andreas das können wir auf keinen Fall... - ein Coitus interruptus der schlimmsten Sorte! Also, gibt es irgendetwas was dich umstimmen kann? Liebes Publikum hier im Saal!“ - großer Jubel folgte - „Sie wollen dich sehen!".

Doch Kümmert ließ sich von dem Applaus nicht umstimmen. Mit einem kurzen „Tut mir leid“ war seine Entscheidung gefallen und seine Nachricht auch bei den Zuschauern angekommen. Und jetzt? Schöneberger klärte die Situation auf: „Lieber Andreas, ich merke dir an, dass du da eine Entscheidung getroffen hast, die wir jetzt auch nicht unnötig abstimmen wollen. Insofern akzeptieren wir das jetzt, verabschieden uns an dieser Stelle von dir und deinen Musikern mit einem riesigen Applaus. Du bist eigentlich unsere Nummer eins!“

Die Moderatorin stellte Andreas Kümmert nicht bloß, respektierte seine Entscheidung und bewahrte die Ruhe zwischen all der Fassungslosigkeit und den lauten Buh-Stimmen im Hintergrund. Auch der NDR lobt das Verhalten der Moderatorin: „Barbara Schöneberger hat in der Situation das einzig Richtige getan, denn Ann Sophie hat die Stimmen vieler Anrufer erhalten, sonst wäre sie nicht bis ins Finale durchmarschiert.“ Vielleicht hat der Applaus eher ihrer Souveränität gegolten, als dem bitteren Abgang von Kümmert. Dieser trat sogar auf, obwohl er krank war. Mit Fieber soll er sich trotzdem ans Mikro gestellt haben. Doch wenn man den jüngsten Gerüchten Glauben schenkt, könnte sein Abgang auch einen anderen Hintergrund gehabt haben. Einen Tag vor der Sendung, berichtete Bild.de, dass Kümmert am vergangenen Wochenende Frauen in einem Lokal schwer beleidigt haben soll. Er habe ein Konzert gegeben und die Frauen sollen gequatscht, statt zugehört haben. Das habe ihn so sehr aufgeregt, dass er die Frauen beschimpft habe. Diese sollen daraufhin Anzeige gegen den Sänger erstattet haben. Solche Äußerungen passen eigentlich gar nicht zu dem so ruhig erscheinenden Sänger. Ob ihn diese Negativ-Schlagzeilen bei seiner Entscheidung beeinflusst haben? Sinn würde es ergeben, denn sein Fieber wäre bis Mai bestimmt auskuriert.

Auf Twitter gelten die positiven Stimmen zum gestrigen Abend vor allem einer: Nicht Kümmert oder Ann Sophie, sondern der souveränen Moderatorin.

Die Gründe, warum Kümmert seinen Sieg weitergab sind bisher nicht geklärt. War es die angebliche Strafanzeige gegen den Künstler oder der zunehmende Druck? Sänger Max Mutzke stärkt ihm den Rücken: „Das ist eine krasse Entscheidung - Ich kann sie nachvollziehen, weil der Druck hinter den Kulissen enorm groß ist.“, sagte er. Auch seine eigentliche Rivalin Ann Sophie zeigte Verständnis: „Er sollte sich keine Vorwürfe machen, nur weil er sich selbst treugeblieben ist“, sagte die Musikerin aus Hamburg. „Ich finde, man sollte es ihm nicht übelnehmen.“ Die Elaiza-Sängerin Ela rät der nachgerückten Gewinnerin Ann Sophie jetzt das Beste draus zu machen: „Klar ist das alles ein bisschen schwierig für sie, aber sie wird es auf jeden Fall machen“, sagte sie. Dass Gewinner Andreas Kümmert das Ticket nach Wien nicht annehmen wollte, müsse man akzeptieren: „Ich finde es sehr mutig von ihm.“

Bei Twitter erntet der Sänger einerseits Lob für seine Entscheidung:

Andere können seinen Entschluss alles andere als nachvollziehen:

Unter dem neuen Hashtag #kümmertgate wird wie wild im Internet diskutiert:

(mit dpa)

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erstellt am 06.Mär.2015 | 16:36 Uhr

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