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Fernsehen

23. Oktober 2017 | 19:35 Uhr

Medien : Blutgeld

vom

«Ab heute», verspricht der Doktor, «ab heute beginnt für Euch ein neues Leben.» Faktor VIII heißt das kleine Wunderwerk der Pharmazie, das den Brüdern Ralf, Thomas und Stefan die Zukunft retten soll.

shz.de von
erstellt am 28.Okt.2013 | 00:07 Uhr

Die Jungs sind Bluter. Bei jeder kleinen Schramme können sie sterben. Das neue Gerinnungsmittel verspricht eine sichere Zukunft, eine bisher nicht gekannte Normalität und keine auf 30 Jahre begrenzte Lebenserwartung.

Doch es kommt alles anders, noch viel schrecklicher. Ralf (Max Riemelt), Thomas (David Rott) und Stefan (Fabian Busch) sind inzwischen acht Jahre älter, als das ZDF-Drama «Blutgeld», an diesem Montag (20.15 Uhr) zu sehen, erst so richtig in die Gänge kommt. Die Ärzte diagnostizieren beim Brüder-Trio aus der Gegend von Köln Aids. Wie konnte das passieren? Hängt die Erkrankung mit dem Bluter-Präparat Faktor VIII zusammen?

Ja. Das Medikament ist mit HIV-Viren verseucht. Rund 1500 Bluter infizierten sich zu Beginn der 80er Jahre, 400 leben noch. In der Folge flossen noch zu D-Mark-Zeiten nach etlichen juristischen Auseinandersetzungen Entschädigungsleistungen in dreistelliger Millionenhöhe. Das ZDF hat den Medizin-Skandal zum Anlass genommen, um ihn etwa 30 Jahre später zu einem Drama zu verarbeiten, das eine fiktive Geschichte mit erfundenen Personen und deren Kampf um Gesundheit und Gerechtigkeit darstellt.

Engagiert hat der Mainzer Sender dafür den Produzenten Michael Souvignier. Der in Köln lebende Chef der Firma Zeitsprung wurde bekannt durch den Sat.1-Mehrteiler «Das Wunder von Lengede» und besonders auch durch den ARD-Film «Contergan», der als ein schönes Stück Qualitätsfernsehen gelobt wurde und folgerichtig mit dem Deutschen Fernsehpreis, dem Bayerischen Fernsehpreis und auch einem Bambi belohnt wurde.

Ob «Blutgeld» ähnliche Meriten ernten wird, ist jedoch zumindest fraglich. Denn die Geschichte lebt hauptsächlich von ihrer hölzernen, groben Unterscheidung zwischen Gut und Böse, vom Konflikt des angepassten verheirateten Bruders Thomas («Ich bin verheiratet, ich brauche keine Kondome») und seinem kämpferisch eingestellten Bruder Ralf, der auch öffentlich zu seiner Aids-Infizierung steht, seiner Freundin den Aids-Test nahe legt und den demütigenden Gang zum Bundesgesundheitsamt unternimmt.

Die Dialoge sind zum Teil reichlich simpel aufgetragen, um dem Zuschauer von heute Kommunikation von gestern näher zu bringen. Da fallen die erwarteten, klischeenahen Sätze wie: «Papa, was ist schwul?» oder «Aids kriegen nur schwule Männer.» Sprachgeschichtliche Aufklärung leistet das Brüder-Trio bei dieser Unterhaltung: «Geil», sagt der eine. «Was soll das heißen?», fragt der andere. «Das sagt man neuerdings, wenn man was gut findet.»

Dennoch: Der Film hat trotz seiner Schwächen schon im Vorfeld positive Reaktionen erzeugt. Regisseur René Heisig lasse «den Zuschauer mit den Brüdern leiden und die menschenverachtende Art der Verursacher spüren», sagt Andreas Bemeleit, Jahrgang 1962, der selbst Bluter ist und durch das Präparat Faktor VIII mit HIV und Hepatitis C infiziert wurde. «Heisig hat die Betroffenen früh in die Arbeit an dem Film eingebunden. Dadurch sind die Reaktionen der Schauspieler authentisch und nachvollziehbar.»

Der Bluter-Skandal aus den 80er Jahren spielt im ZDF auch nach dem Film noch eine Rolle: Eine Dokumentation soll ab 21.45 Uhr die Hintergründe von damals noch einmal beleuchten.

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