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Fernsehen

16. Dezember 2017 | 07:05 Uhr

Medien : Alles Schwindel

vom

Lügen und flunkern, bis sich die Balken biegen: Dem Nachtwächter im Museum ist chronisch langweilig, seine Tochter scheitert mit ihrem Traum von einer Karriere als Pariser Modedesignerin und ein Adelsspross steht mit leeren Händen und einem maroden Schloss da. Also was tun?

shz.de von
erstellt am 18.Sep.2013 | 00:07 Uhr

Der Wächter wird heimlich Kunstfälscher, das Jobdesaster wird in der Heimat zur kosmopolitischen Karriere aufgebauscht und der Adlige adoptiert einen älteren usbekischen Geschäftsmann mit viel Knete. Ein bisschen Schönfärberei wird ja noch erlaubt sein. Im «Ersten» wird der kurzweilige Lügenmarathon «Alles Schwindel» mit Benno Fürmann in der Reihe FilmMittwoch um 20.15 Uhr gezeigt.

Die Fäden des Lügennetzes in dieser Gaunerkomödie treffen an einem Punkt zusammen - an einer leeren Wand in einem Wiener Museum. Dort sollte eigentlich das Meisterwerk «Der Kuss» von Gustav Klimt hängen. Tut es aber nicht mehr - gestohlen. Während sich das Museumspersonal die Haare rauft, sieht der Eigentümer des Gemäldes, Adelsspross Leopold von Hohensinn (Benno Fürmann, 41, «Nordwand», «Die wilden Hühner», «Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken»), endlich eine Chance, die Familienkasse über den Versicherungswert aufzufüllen und sich gleich wieder von seinem usbekischen Adoptivsohn zu verabschieden.

Für Nachtwächter Albert Wolf (Udo Samel) wird es zugleich Zeit, sein lang gehegtes Doppelleben als Kunstfälscher zumindest vor seiner Tochter Isabella (Ursula Strauss) zu offenbaren. Als sie aus Paris anreist, um ihren Vater zu pflegen - nachdem das Gemälde gestohlen worden war, erlitt er im Museum einen Herzinfarkt - fallen ihr fast die Augen aus. Der echte «Kuss» hängt im Schlafzimmer ihres Vaters. Aus dem Museum wurde also eine Fälschung geklaut, die der Nachtwächter vor vielen Jahren angefertigt hatte, gesteht er kleinlaut. Isabella bekommt eine ihrer Niesattacken - eine Allergie, die immer auftritt, wenn sie sich aufregt.

Und mit dem Adligen Leopold, der dem Ganzen auf die Schliche kommt, hat sie auch alle Hände voll zu tun - denn zu allem Überfluss hat er sich in sie verliebt. Das Niesen geht weiter.

Der Fernsehfilm, der in Deutschland zum ersten Mal ausgestrahlt wird, entfaltet sein Potenzial vor allem zur Mitte hin, nachdem die Schwindelbiografien einiger Charaktere eingeführt sind und sich überschneiden. Dann potenzieren sich die Lügen - ein Lacher folgt auf den nächsten. Der Film lebt von der Situationskomik - je stärker sich das Lügenkarussell dreht, umso besser wird das Ganze.

Der Film des österreichischen Regisseurs Wolfgang Murnberger («Der Knochenmann») profitiert auch von den skurrilen Nebenrollen. Die der Mutter von Leopold etwa: Gloria von Hohensinns (Bibiana Zeller) liebstes Hobby sind Teleshows. Im Schloss, das sie mit Leopold bewohnt, stapelt sie Heimtrainer auf Heimtrainer. Weil ihr Gedächtnis auch nicht mehr so mitspielt, spricht sie ihren Sohn immer mit «Junger Mann» an. Der kann nur noch mit den Augen rollen. Der Film schwächelt nur an wenigen Stellen - das Ende wirkt etwas überdreht und der Anfang zunächst etwas schleppend.

Murnberger hat sich für den Filmstoff laut Bayerischem Rundfunk auch mit Blick auf den Geburtstag des österreichischen Jugendstilmalers Gustav Klimt (1862-1918), der sich 2012 zum 150. Mal jährte, entschieden. «Der Kuss» ist im Wiener Oberen Belvedere ausgestellt.

Fazit: Murnberger bringt mit seiner romantischen Komödie nicht nur die Kunst zu lügen auf den Fernsehbildschirm, sondern vielmehr gut kombiniert: Kunst und Lügen.

ARD-Infos zum Film

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