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Sondersendung am 15. November : 50 Jahre „Aktenzeichen XY“: Gelöste und ungeklärte Fälle aus SH

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„Aktenzeichen XY“ zieht nach über 500 Sendungen Bilanz. Nach ZDF-Angaben sind 1853 der 4586 gezeigten Fälle gelöst worden.

shz.de von
erstellt am 19.Okt.2017 | 11:51 Uhr

Mainz | Am 20. Oktober 1967 flimmerte die erste Folge von „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ über die Bildschirme. Deutschlands erste interaktive Sendung wird dieses Jahr 50 Jahre alt. In der Jubiläumssendung werden am 15. November erfolgreich gelöste Kriminalfälle der vergangenen 50 Jahre gezeigt. Die Sendung habe dafür einen an das veränderte Konzept angepassten Titel, teilte eine Sprecherin des Senders mit. In „Aktenzeichen XY – gelöste Fälle“ sollen statt rätselhafter Verbrechen dann erfolgreich gelöste Kriminalfälle der vergangenen 50 Jahre im Mittelpunkt stehen.

Die Idee der Fahndung per Fernseher war eine Weltneuheit und hat unzählige andere TV-Formate überlebt. Erfinder Eduard Zimmermann (80) blies 30 Jahre lang zur Jagd auf Ganoven und Schwerkriminelle. Eine Überraschung war es daher, als der Moderator 2005 in seiner Biografie gestand: „Ich war selbst ein Gauner.“ Zimmermann hatte sich in der Nachkriegszeit als Schwarzmarkthändler und Dieb durchgeschlagen, saß deswegen in der Hamburger Strafanstalt „Santa Fu“. Danach reiste er mit gefälschtem Diplom und Ausweis nach Schweden, um erst als Straßenbauingenieur, später als Journalist bei einer Stockholmer Zeitung zu arbeiten. So fand er den Weg zum Fernsehen und schuf „Aktenzeichen XY...ungelöst“.

2319 Täter konnten festgenommen werden

Genau 4586 Fälle sind in den vergangenen 50 Jahren ausgestrahlt worden, die Aufklärungsquote beträgt laut ZDF 40,4 Prozent. Auch die Einschaltquote ist bemerkenswert: Sie liegt bei regelmäßig mehr als fünf Millionen Zuschauern. Nach ZDF-Angaben sind seit der ersten Ausstrahlung über 500 Folgen gesendet und 1853 der 4586 gezeigten Fälle gelöst worden. Dadurch seien 2319 Täter festgenommen worden.

Der Publizist Arno Frank nennt „Aktenzeichen XY...ungelöst“ ein „Lagerfeuer der Nation“, allerdings eines, an dem man sich Gruselgeschichten erzählen lässt. Und er fragt, ob diese Real-Life-Doku-Soap-Version des „Tatorts“ nicht mittlerweile weniger der Wahrheitsfindung dient als der Erzeugung einer Erregung, „Strafverfolgungspornografie“ sozusagen.

Tatsächlich erlaubt das ZDF seit geraumer Zeit mehr Emotionalität, zeichnet die Opfer schärfer als eigenständige Charaktere, zeigt die erlittene Gewalt expliziter. Getreu dem Motto: Mehr Emotion gleich mehr Zuschauer gleich höhere Aufklärungsquote. Scharfe Kritik gab es an dem XY–Vermisstenspezial „Wo ist mein Kind?“, in der Moderator Rudi Cerne die teilweise traumatisierten Eltern der Opfer interviewte.

Polizei in Schleswig-Holstein schätzt Seriösität und Sachlichkeit

Die Polizei greift trotz des offensichtlichen Wandels gerne auf „XY...ungelöst“ zurück“, wenn alle anderen Wege, den Täter zu ermitteln, ausgeschöpft sind. Auch in Schleswig-Holstein. „Wir machen das wegen der hohen Reichweite  des Formats und weil ein langjähriges Vertrauen entstanden ist, was die Seriösität und Sachlichkeit bei der Darstellung der Fälle angeht“, sagt Torge Stelck, Sprecher des Landespolizeiamts. Die örtlichen Kripodienststellen könnten sich mit ihrem Anliegen direkt an die XY-Redaktion wenden. „Landespolizeiamt und Landeskriminalamt beraten dann in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft.“ Nach Möglichkeit sollten in der filmischen Rekonstruktion alle Erkenntnisse dargestellt werden – es sei denn, „ermittlungstaktische Gründe sprechen dagegen.“

Der Erfolg der Sendung als Fahndungshilfe ist allerdings nicht wirklich messbar, weil nicht erfasst wird, wie oft Zuschauerhinweise tatsächlich zum Täter geführt haben. „Darüber gibt es leider keine Statistik“, sagt ZDF-Sprecherin Elisa Schultz. „Weil die Polizei uns nicht zu jedem Fall berichtet, was am Ende dazu beigetragen hat, ihn zu lösen.“ Die Aufklärungsquote insgesamt meine somit alle Film- und Studiofälle, die im Nachgang der Sendung gelöst werden konnten – unabhängig davon, ob Zuschauer daran beteiligt waren. 

Auch einige Fälle aus Schleswig-Holstein waren Thema bei „Aktenzeichen XY“. Eine Auswahl.

Diese XY-Fälle aus Schleswig-Holstein sind noch ungeklärt

 

Mord an Herbert K.: Filialleiter kommt nicht an seinem Arbeitsplatz an

Am 10. September 1983 verschwindet der 34-jährige Herbert K. aus der Nähe von Stade. Am 29. November wird seine Leiche im Kreis Pinneberg gefunden. Das Motiv der Tat ist der zuständigen Kripo Itzehoe völlig unklar. Der Familienvater, leidenschaftlicher Angler und Filialleiter eines Supermarkts, verschläft am Samstagmorgen und verlässt um 6.15 Uhr eilig das Haus, um nach Hamburg-Stellingen zur Arbeit zu fahren. Er kommt dort nicht an. Gegen 8.30 Uhr tankt er in Hollern, er zahlt mit einem Tankscheck und trägt ein falsches Datum ein. Er ist in Eile und wirkt nervös. Sein Wagen fällt im Laufe des Tages noch öfter durch Falschparken und gefährliche Fahrmanöver auf.

Im November findet ein Landwirt Herbert K.s Leiche kopfüber in einem Abflussschacht. Er wurde mit einem gezielten Kopfschuss getötet. Sein Toyota wird weitere zwei Monate später im Hafenbecken entdeckt. Auffällig ist außerdem, dass der Ermordete in den letzten 20 Monaten seines Lebens 30.000 Mark von seinen Ersparnissen ausgab, wofür? Der Fall bleibt ungeklärt.

Erstochen: Die Witwe vom Behler See

Einsam am Seeufer gelegen: Spurensicherer suchen das Reetdach-Anwesen ab, in dem die 78-Jährige getötet wurde.
Einsam am Seeufer gelegen: Spurensicherer suchen im Mai 2013 das Reetdach-Anwesen ab, in dem die 78-Jährige getötet wurde. Foto: Michael Kuhr
 

Am Morgen des 10. Mai 2013 wird Gisela L. (78)  tot in ihrer Reetdachvilla am Behler See (Kreis Plön) gefunden. Die Witwe des langjährigen Direktors der Hamburgischen Landesbank wurde erstochen. Die Mordkommission ermittelte, dass Gisela B. ihre Einkäufe meist bar bezahlte – oft mit 500-Euro-Scheinen. Und sie hortete viel Geld im Haus. Das könnte ihr Mörder gewusst haben, die Polizei vermutet, dass er aus der Gegend stammt. Ermittler sicherten unzählige DNA-Spuren. „Davon konnten wir bisher nicht alle zuordnen sagt“, sagt Stefan Winkler, Chef der Mordkommission. Nach der Sendung gingen 20 neue Hinweise ein, gelöst worden ist der Fall bislang aber nicht.

Verschwunden: Türsteher Tekin Bicer

Tekin Bicer aus Kiel-Gaarden wird seit dem 30. April 2010 vermisst. Ein Rocker-Aussteiger wollte durch Hörensagen erfahren haben, dass Hells Angels den damals 47-jährigen Vater zweier Kinder wegen Streits um Drogengeschäfte ermordet und die Leiche in einer Lagerhalle in Altenholz bei Kiel einbetoniert hätten. „Dafür, dass sein Verschwinden im Zusammenhang mit Streitigkeiten unter Mitgliedern des ehemaligen Kieler Charters des ‚Hells Angels Motorrad Clubs‘ steht, konnten keine Beweise gefunden werden“, teilte die Staatsanwaltschaft mit.
Tekin Bicer aus Kiel-Gaarden wird seit dem 30. April 2010 vermisst.
 

Ermittler trugen auf der Suche nach seiner Leiche eine Lagerhalle samt Fundament ab. Ein Informant hatte der Polizei berichtet, Tekin Bicer (47) sei von Rockern der „Hells Angels“ erst gefoltert, dann ermordet und schließlich im Fundament der Halle einbetoniert worden. Es soll um Drogen gegangen sein. In der Rekonstruktion seines Verschwindens, bei „Aktenzeichen XY“ ausgestrahlt im Mai 2011, findet sich von seiner möglichen Verstrickung in die Rockerszene allerdings kein Wort. Die Polizei, die von einem Mord ausging, sprach lediglich von Verbindungen ins kriminelle Milieu. Die Leiche wurde nicht gefunden, der Fall ist weiter ungelöst. Die Staatsanwaltschaft hat ihre Mordermittlungen gegen die „Hells Angels“ eingestellt.

Mysteriöser Vermisstenfall: Lars Mittank aus Marne

So könnte der vermisste Lars Mittank mit Bart aussehen.
So könnte der vermisste Lars Mittank mit Bart aussehen. Foto: Screenshot www.findet-lars-mittank.de

 

Ein weiterer mysteriöser Fall ereignete sich 2014. Der 28-jährige Lars aus Marne verschwindet im Bulgarienurlaub. Am 2. Juni 2015 berichtet „Aktenzeichen XY“ über den Fall, 75 Hinweise gehen ein, doch der Fall konnte nicht geklärt werden.

Der junge Mann macht im Juni 2014 mit Freunden Urlaub im bulgarischen Varna am Schwarzen Meer. Während des Urlaubs fällt seinen Freunden auf, dass Lars Mittank sehr wenig isst. Als seine Freunde eines Nachts nach dem gemeinsamen Fußballschauen etwas essen, wartet der junge Marner draußen. Die beiden anderen finden ihn in dieser Nacht nicht mehr. Am nächsten Morgen erzählt er, Fußballfans, mit denen er angeeckt sei, hätten jemanden bezahlt, um ihn zu schlagen. Er hat einen Schlag aufs Ohr bekommen, sein Trommelfell ist angerissen. Seine Freunde treten am 7. Juli den Rückweg an, ein Arzt hat Lars Mittank das Fliegen verboten, er bleibt zurück. Das Angebot seiner Freunde, bei ihm zu bleiben, lehnt er ab.

Weil Lars Mittank nicht operiert werden möchte, verschreibt der Arzt ihm ein Medikament. Der junge Mann nimmt sich ein günstiges Hotelzimmer, aber offensichtlich fühlt er sich dort nicht wohl. Er ruft nachts seine Mutter an und äußert, dass er sich nicht sicher fühlt und Angst um sein Leben hat. Er verlässt das Hotel mitten in der Nacht. Er ruft seine Mutter erneut an und sagt, er werde verfolgt und habe sich versteckt. Am nächsten Morgen fährt er zum Flughafen und will sich dort vom Flughafenarzt nochmals untersuchen lassen. Der Arzt beschreibt ihn später als unruhig. Als ein Flughafenmitarbeiter zur Tür hereinkommt, gerät Lars Mittank in Panik, er lässt alle seine Sachen dort und rennt davon. Erst vor dem Flughafen wird er langsamer. Zeugen beobachten, wie er über einen 2,5 Meter hohen Zaun klettert und das Flughafengelände verlässt. Seitdem fehlt jede Spur von dem Marner.

Linde Perrey: Ein Mord mitten in Kiel

Die letzten Aufnahmen von Linde Perrey. Ermittlungen der Kieler Mordkommission brachten bislang keine Hinweise auf den oder die Täter.
Die letzten Aufnahmen von Linde Perrey. Foto: Polizei
 

In ihrer kleinen Wohnung im Kieler Stadtteil Schreventeich wird die Rentnerin Linde Perrey am 18. Juni 2016 erstochen aufgefunden. Die 72-jährige schwerhörige, nahezu taube Frau war auf ihren Rollator angewiesen und machte hiermit ihre täglichen Besorgungen in umliegenden Supermärkten. Die Tat wird als Raubmord eingestuft, da persönliche Gegenstände wie beispielsweise die Geldbörse und die Jacke der Frau seit der Tat nicht auffindbar sind. Umfangreiche Ermittlungen der Kieler Mordkommission erbrachten keine Hinweise auf den oder die Täter. Die Staatsanwaltschaft Kiel hatte seinerzeit eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro für Hinweise, die zur Ermittlung des Täters führen, ausgelobt. Der Fall wurde am 1. März 2017 in der ZDF-Sendung gezeigt. Ein Jahr nach der Tat ist der Täter noch auf freiem Fuß.

Diese XY-Fälle aus SH wurden geklärt

 

27 Messerstiche: Der grausame Tod von Merle S.

Die Arzttochter Merle S. (13) aus Preetz (Kreis Plön) wird im August 1982 nach einem Besuch der Oma auf dem Heimweg ins Gebüsch gezerrt und stirbt durch 27 Messerstiche. Ihre Freundin und deren Bruder entdecken die Leiche. Die XY-Sendung, damals noch mit Eduard Zimmermann, zeichnet die letzten Stunden im Leben der Schülerin nach und zeigt ein Phantombild des Mörders, den etliche Passanten nach der Tat gesehen hatten. Die Kripo arbeitete in zwei Jahren 1200 Spuren ab, ermittelte schließlich 1984 durch Zeugenaussagen einen jungen Mann aus dem Obdachlosenmilieu. Andreas L. (22) schwärmte für Merle, die ihn jedoch schroff abwies. Weil er sich erniedrigt fühlte, lauerte er ihr danach auf und erstach sie. Die Jugendkammer des Kieler Landgerichts verurteilte Andreas L. zunächst wegen Mordes, nach einer Revision wegen Totschlags zu neun Jahren Jugendstrafe. Andreas L. starb 2002.

Verstoßen: Zwei tote Babys im Schließfach

In diesem Schließfach lagen die Babys in einem Koffer.
In diesem Schließfach lagen die Babys in einem Koffer. Foto: dpa
 

Am Hamburger Hauptbahnhof entdeckten Polizisten 2014 in einem Schließfach einen Trolley mit zwei Babyleichen. Eine Zuschauerin von „Aktenzeichen XY“ hatte bei der Klärung des Falles geholfen. Sie meldete sich, nachdem in der ZDF-Sendung über eine Babyleiche aus Niedersachsen berichtet worden war und sagte: „Meine Freundin war auch schwanger, hat aber nun kein Baby.“ Der Hinweis wurde ernst genommen und verfolgt. Die Kripo bat die Freundin (39) aus Bad Schwartau (Kreis Ostholstein), sich gynäkologisch untersuchen zu lassen. Sie flüchtete, wurde über eine Handy-Ortung ausfindig gemacht. Unfassbar: Bereits 2011 hatte die dreifache Mutter die Leiche eines neugeborenen Mädchens auf dem Friedhof von Bad Schwartau verscharrt.

Raubmord in Rendsburg: Täter lässt eine weiße Rose beim Opfer zurück

Agnes M. ist 79 Jahre alt, krank und gehbehindert, sie braucht Hilfe im Alltag. Am 8. Juni 1986 kommt eine Ersatz-Haushälterin zu ihr, die eigentliche Haushaltshilfe ist im Urlaub. Die Haushälterin weiß, dass der Schlüssel für Arzt, Pfleger und Haushälterin unter der Fußmatte versteckt ist. Sie macht der alten Dame Frühstück, kümmert sich um den Haushalt und bereitet das Mittagessen vor. Sie geht gegen 11.45 Uhr wieder.

In der Nähe von Agnes M.s Wohnung liegt die Christkirche. Hier wird an diesem Tag ein Unbekannter beobachtet, der am Nachmittag eine weiße Rose am Kirchenportal abschneidet. Er steuert ohne Umwege auf Agnes M.s Haus zu. Die Frau wird mit einem Drosselwerkzeug und einem gezielten Messerstich getötet, die Haushälterin findet sie am nächsten Tag. Auch die Rose wird am Tatort gefunden. Aus Agnes M.s Wohnung fehlt Geld und ein Schrankschlüssel.
Der Fall wird später aufgeklärt, die Spuren werden mit neuen Methoden ausgewertet und ein 30-jähriger Mann wird festgenommen. Er wollte sich Geld beschaffen, um seine Drogensucht zu finanzieren. Die Bedeutung der weißen Rose ist weiterhin nicht bekannt.

Einbruch, Diebstahl, Vergewaltigung und Mordversuch: Einbrecher nistet sich in Wohnung ein

Am 1. Juli 1994 steigt ein Einbrecher in die Wohnung eines Wochenendpendlers ein. Er verbringt einen Großteil des Wochenendes dort, bedient sich an Lebensmitteln, benutzt das Bad, lässt schmutzige Wäsche zurück und nimmt saubere des Bewohners mit. Außerdem findet er „pikante“ Fotos der Ex-Freundin des Opfers und deren Adresse. Der Wohnungsinhaber bemerkt den Einbruch am Sonntagabend und zeigt ihn an. Als er allerdings am Montag zur Arbeit geht, kehrt der Einbrecher zurück. Er hatte beim ersten Besuch die Ersatzschlüssel gestohlen. Als der Eigentümer in der Mittagspause zurückkehrt, flieht der Täter durchs Fenster.

Der Einbrecher beobachtet das Haus, in dem die Ex-Freundin wohnt, eine andere Frau fällt ihm auf. Am Dienstag klingelt er bei ihr, als sie öffnet, überwältigt und fesselt er sie. Er vergewaltigt die Frau, stranguliert sie und sticht ihr mit einem Küchenmesser in den Hals. Das Opfer überlebt die Tat nur knapp.
Das Verbrechen wird zwei Jahre später durch Zufall aufgeklärt: Die Frau begegnet dem Täter auf einer Feier und verständigt die Polizei.

Täterpärchen verübt brutalen Raubüberfall auf Bollingstedter Rentner

In der Sendung vom 10. März 2010 wird ein Raubüberfall auf drei Bollingstedter Rentner besprochen. Das Ehepaar und der Bruder des Mannes leben in einem abgeschiedenen Haus. Dass ihre finanzielle Lage nicht schlecht ist, ist im Ort bekannt. Zur Tat führte das Gerücht, es sei viel Bargeld im Haus. Die Täter, ein Pärchen, stammen ebenfalls aus der Region, sie planten die Tat längerfristig. Am Abend des 12. Oktober klingeln sie am Haus der Opfer. Die Frau öffnet und die Täter fesseln ihre Opfer mit Kabelbindern. Sie bedrohen die Rentner mit Schusswaffen, schlagen und demütigen sie und verlangen Bargeld. Sie durchsuchen das Haus, finden aber kaum Geld und nehmen andere Gegenstände mit – unter anderem Jagdwaffen. Nach etwa einer Stunde fliehen sie.

Ein Jahr später wird das Pärchen in Hamburg gefasst, der Mann war in eine Polizeikontrolle geraten und in seinem Wagen fand die Polizei Diebesgut. Als die Wohnung des Paares durchsucht wird, findet die Polizei Fotos der in Bollingstedt gestohlenen Waffen. Die beiden Täter hatten ihre Drogensucht durch eine Einbruchsserie in Hamburg und Schleswig finanziert.

34 Jahre nach dem Tod gelöst: Mordfall Erna Ganz

Erna Ganz wurde vor bald 35 Jahren in ihrer Friedrichsberger Wohnung getötet.
Erna Ganz wurde in ihrer Friedrichsberger Wohnung getötet. Foto: Polizei
 

Die damals 73-jährige Erna Ganz wird in den Abendstunden des 30. Juni 1982 in ihrer Erdgeschosswohnung überfallen, vergewaltigt und erstickt. Der Täter erbeutet mehrere Silbermünzen und drei Armbanduhren. Die Polizei geht davon aus, dass der Täter sich in der Nachbarschaft auskannte. Er verließ die Wohnung der alten Dame über ein Fenster auf der Rückseite des Hauses. Der einzige Sohn der Witwe entdeckt die Leiche seiner Mutter am nächsten Morgen. Öffentlich hatten die Ermittler zuletzt 2014 in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY . ungelöst“ nach Hinweisen gefahndet, 1500 Euro Belohnung wurden ausgelobt. Auf die Spur des Täters kam die Polizei durch ein DNA-Profil. Ein berufstätiger Familienvater, zum Tatzeitpunkt 17 Jahre alt, wird am 21. Juli 2016 festgenommen. Nach seiner Verurteilung im Januar 2017 kommt der Mann auf freien Fuß.

Weitere mysteriöse Fälle aus SH bei „Aktenzeichen XY“

 

Mord an Manuela B.: Siebenjährige verschwindet am Gömnitzer Berg

Viel Aufsehen erregte der Fall von Manuela B. aus Lübeck. Das siebenjährige Mädchen bricht am 9. September 1980 zur Schule auf und verschwindet. Manuela trägt einen auffälligen gelben Regenmantel. Der Schulweg dauert etwa 15 Minuten, unterwegs wird Manuela noch von Zeugen gesehen. Zwei Viertklässler vertreiben sich am Schultor die Zeit, aus Übermut verweigern sie einem kleinen Mädchen in gelbem Mantel den Zutritt zum Schulhof. Sie spricht auf der anderen Straßenseite mit einem Mann, dieser weist die Jungen zurecht und das Mädchen betritt den Schulhof. In ihrer Klasse kommt Manuela jedoch nie an.

Mittags erstatten die Eltern Vermisstenanzeige, Suchaktionen und Vermisstenplakate bleiben erfolglos. Monate später, am 11. April 1981, finden junge Leute bei einer Umwelt-Säuberungs-Aktion Manuelas Schulranzen, kurz darauf entdeckt die Polizei auch die Leiche des Kindes. Das Mädchen ist nackt und mit einem Elektrokabel erdrosselt worden. Als Täter wird im Jahr darauf ein junger Mann angeklagt, der in den 70er Jahren neben Manuelas Familie gewohnt hatte. Der anscheinend pädophil veranlagte Schiffskoch wird jedoch in einem Indizienprozess freigesprochen, da seine Schuld nicht vollständig bewiesen werden kann.

Vermisste Familie aus Drage: Mann tot aus Elbe geborgen, Frau und Tochter vermisst

Mutter und Tochter der Familie aus Drage werden noch immer vermisst.
Mutter und Tochter der Familie aus Drage werden noch immer vermisst. Foto: Polizeiinspektion Harburg
 

Wo sind Sylvia und Miriam Schulze geblieben? Diese Frage beschäftigt Anwohner aus der Gemeinde Drage und die Polizei seit fast über zwei Jahren, nachdem im Juli 2015 Familienvater Marco Schulze (41) tot aus der Elbe bei Lauenburg geborgen worden war. Die Ermittler gehen in seinem Fall von Selbstmord aus. Marco Schulze band sich den Betonklotz einer Baustellenabsicherung um den Körper und sprang von einer Brücke. Bis heute fehlt allerdings von Mutter und Tochter jede Spur. Die Eheleute hatten in Geesthacht gearbeitet, sie bei einem Discounter, er in einem Chemiewerk. Am 22. Juli 2015 wurden Miriam und Sylvia Schulze zuletzt lebend gesehen, am 23. Juli morgens gegen 7.30 Uhr sahen Zeugen Marco Schulze noch. In der Hoffnung auf Hinweise setzte die Polizei gleich zwei Mal auf „Aktenzeichen XY“ – im Spätsommer 2015 und im Juni 2016. Die Theorie der Ermittler: Marco Schulze hat Frau und Tochter wohl am 22. Juli ermordet und sich dann selbst das Leben genommen.

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