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Medien : 40 Jahre «auslandsjournal»

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Wenn ZDF-Redaktionsleiterin Diana Zimmermann alte «auslandsjournal»-Sendungen anschaut, kann sie sich manchmal ein Lächeln nicht verkneifen.

«Unvergesslich, Peter Scholl-Latour, der einen ellenlangen Aufsager mitten in den Bergen Südostasiens formuliert und dabei sein Reittier an der Leine hält», berichtet sie über die Anfänge. «Die Sehgewohnheiten haben sich doch sehr geändert.» Das ZDF-Auslandsmagazin ist immer noch im Programm - und feiert diese Woche sein 40. Gründungsjahr.

Zur Jubiläumssendung am 30. Oktober soll zum ersten Mal aus dem digitalen Studio gesendet werden - mit neuem Vorspann und Design. In der Nacht zum Donnerstag wird in «auslandsjournal - die doku» eine Geschichte aus einer der ersten Ausgaben weitererzählt: 1973 war über das Schicksal der türkischen Familie Turan berichtet worden, die für einige Jahre in Berlin wohnte. 40 Jahre danach hat Autor Gert Anhalt die Familie in der Türkei aufgespürt.

Auch wenn sich in den vergangenen Jahrzehnten die Welt, die Erzählformen und Sehgewohnheiten sehr gewandelt haben, sei die Idee des «auslandsjournals» dieselbe geblieben, erklärt Zimmermann. «Den Zuschauern die Welt nahezubringen, sie ihnen zu erzählen und ein bisschen besser verständlich zu machen.»

Zu ihren «persönlichen Highlights» in der Geschichte des Magazins zählt die Redaktionsleiterin einen Beitrag über die ersten Frauen im schwedischen Bergbau. «Da hat der Kollege zwar sehr gestaunt, wie die Damen schwere Trucks lenken können, zu Wort aber kam nicht eine einzige von ihnen», erzählt sie. «Überhaupt durften neben den Korrespondenten in den Siebzigern fast nur Regierungschefs und Generäle reden.»

ZDF-Chefredakteur Peter Frey moderierte von 1998 bis 2001 das Auslandsmagazin: «Am liebsten waren mir die Übergaben von Dieter Thomas Heck, der damals vorher eine Show moderierte, und das "auslandsjournal" genauso emphatisch ankündigte wie einst die "Hitparade" aus Berlin», erinnert er sich. Zu den Anfängen sei «eine ganze Garde junger, wilder Reporter» mit an Bord gewesen, darunter Gerd Helbig oder Uwe Kröger.

«In den 70ern wurde nicht nur die damals noch Ost-West-geteilte Welt analysiert, sondern es wurden vor allem Sehnsuchtsbilder für die Deutschen geliefert, denen das Wirtschaftswunder Geld und Selbstbewusstsein verschafft hatte», berichtet Frey. Das «auslandsjournal» sei inzwischen eine der bekanntesten und beliebtesten Marken des ZDF, mit stabilen, zuletzt sogar wachsenden Quoten.

Aber der Gründer des ZDF-«auslandsjournals», Rudolf Radke, findet trotz der Feierlaune im Jubiläumsjahr auch kritische Worte. Vieles sei zu sehr auf Unterhaltung getrimmt, sagt der 88-Jährige. «Man hat sich doch sehr angepasst an die Art, wie RTL berichtet.» Seiner Meinung nach sei diese Entwicklung ein Fehler. «Aber so ist es eben geworden, weil man glaubte, man würde so eine höhere Quote bekommen.» Den Themen werde diese Machart nicht immer gerecht, sagt Radke, der das «auslandsjournal» von 1973 bis 1988 moderierte.

«Es begann in einer Zeit, als im Nahen Osten Krieg herrschte. Das war etwas, was uns sehr umtrieb damals», erzählt er im dpa-Interview in Königstein im Taunus. Entscheidendes Merkmal der Sendung sei es gewesen, Hintergründe des Weltgeschehens aufzuarbeiten. «Das war damals relativ neu.» Anfangs wurden die Bänder mit den Beiträgen noch per Flugzeug nach Mainz gebracht - erst später dann über Leitungen. Etwa in Asien seien die Recherchebedingungen zunächst schwer gewesen. «Nach China konnten wir gar nicht rein», erinnert sich Radke. «Wenn der Korrespondent nach Afghanistan fuhr, da hatten wir schon auch Sorgen.»

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erstellt am 29.Okt.2013 | 10:57 Uhr

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