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Social Freezing: Familie auf Eis : Facebook und Apple bezahlen das Einfrieren von Eizellen

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Facebook und Apple drehen an der biologischen Uhr und übernehmen bei ihren Mitarbeiterinnen die Kosten für das Einfrieren der Eizellen. „Social Freezing“ steigert die Karrierechancen.

Facebook und Apple wollen das weibliche Humankapital besser nutzen und mehr weibliche Arbeitnehmer in ihre Unternehmen lotsen. Weil der Frauenanteil in den Belegschaften von Silicon Valley konstant niedrig ist, haben sich das soziale Netzwerk und der Technologiekonzern einem Medienbericht zufolge entschlossen, ihren Mitarbeiterinnen das Einfrieren ihrer Eizellen zu finanzieren. Mit diesem futuristisch anmutenden, kontroversen Akt zur Selbstbestimmung könnten Frauen das Kinderkriegen hinausschieben und so ungehindert in jungen Jahren Karriere machen.

Facebook würde die Kosten für die Entnahme der Eier und die laufenden Kosten für die Aufbewahrung bereits seit einigen Monaten übernehmen, hieß es am Dienstag in Berichten des US-Senders NBC, der sich auf Aussagen der Mitarbeiter des Internet-Giganten beruft.

Apple bestätigte dem Sender ABC den internen Plan, im Januar nachzuziehen. Der iPhone-Konzern betonte zugleich, die Maßnahme sei lediglich ein Teil ihrer Sozialleistungen für Frauen und Familien. „Wie werden die Zusatzleistungen für Frauen in unserem Unternehmen weiter ausbauen. Dazu gehört neben einer erweiterten Mutterzeit, auch die Kältekonservierung und die Eier-Einlagerung als Teil unserer Unterstützung von Behandlungen gegen Unfruchtbarkeit.“

Hintergrund: Was ist Social Freezing?

Beim sogenannten Social Freezing lassen Frauen unbefruchtete Eizellen aus nicht-medizinischen Gründen einfrieren. Anlässe sind etwa ein fehlender Partner oder Karrierepläne. Bei Kinderwunsch werden die Zellen nach Jahren bis Jahrzehnten wieder aufgetaut, befruchtet und in die Gebärmutter eingesetzt. Mögliche gesundheitliche Folgen für die so entstehenden Kinder sind bisher kaum zu beurteilen, weil langfristige Datenreihen noch fehlen.

Ursprünglich war die Eizell-Konservierung für junge Krebspatientinnen gedacht: Sie können sich vor Chemotherapie und Bestrahlung Eizellen entnehmen lassen, um später genetische Schäden beim Kind durch die Behandlung auszuschließen. Laut Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) ist das Alter der Eizellen der wesentliche Erfolgsfaktor für eine Geburt.

Eizellen von 25-jährigen Frauen seien nach dem Auftauen fast zu 100 Prozent intakt. Ist die Frau bei der Entnahme schon 38 Jahre alt, überstehe nur jede dritte Eizelle das Auftauen unbeschadet. (dpa)

Entnahme und Einlagerung bei der „Social Freezing“ genannten Technik kosten im typischen Fall etwa 20.000 Dollar (15.800 Euro) für die üblichen zwei Durchgänge. Je nach Einlagerungsdauer können die Kosten weiter steigen. Bei dieser neuen Methode sei eine erfolgreiche Befruchtung aber nicht garantiert, mahnen Kritiker.

Bei Facebook machte sich Spitzenmanagerin Sheryl Sandberg einen Namen mit dem Aufruf, Frauen sollten Karriere und Kinder mutiger miteinander verbinden. In ihrem vielbeachteten Buch „Lean In“ schrieb sie, Firmen und die Gesellschaft sollten Frauen dies leichtermachen. Sie zählte dort flexible Arbeitszeiten, bezahlte Urlaube und erschwingliche Kinderbetreuung auf - aber kein Einfrieren von Eizellen. Letzteres wurde früher nur als medizinische Behandlung etwa bei Unfruchtbarkeit eingesetzt. Mit gesunkenen Preisen greifen allerdings in den USA immer mehr Frauen dazu als Mittel der Familienplanung.

Eine amerikanische Expertin für Bioethik und Gesundheitsrecht, Seema Mohapatra, schrieb in der Zeitschrift „Harvard Law & Policy Review“, der Trend wirke wie ein Wundpflaster für das Problem, Beruf und Familie zu vereinen. Die Angebote der Firmen, die Behandlung zu bezahlen, könnten einen sozialen Druck auf die Frauen schaffen, im Namen der Karriere davon Gebrauch zu machen.

Die unkonventionelle Mitarbeiterhilfe von Apple und Samsung, über die als erster der Sender CNBC berichtet hatte, fällt in eine große Debatte über die Lage von Frauen im Silicon Valley. Sie machen oft weniger als ein Drittel der Belegschaft in IT-Unternehmen aus, verdienen weniger und sind auch in den Führungsetagen unterrepräsentiert. Erst vor wenigen Tagen sorgte Microsoft-Chef Satya Nadella für ein Aufflammen der Diskussion als er in einem öffentlichen Auftritt meinte, Frauen sollten nicht unbedingt nach Gehaltserhöhungen fragen. Sie würden dann durch „gutes Karma“ belohnt. Nadella nahm wenig später seine Bemerkungen zurück und entschuldigte sich. Aber dass die Worte überhaupt so fielen, sahen viele Beobachter als Beleg für das Ausmaß des Problems.

Die finanzielle Unterstützung für das Einfrieren von Eizellen löste im Netz negative Reaktionen aus. So titelte das Blog „Gawker“, Apple und Facebook zahlten die Behandlung, „damit Frauen nie aufhören, zu arbeiten“. Die streitbare Mitarbeiterhilfe, die als erster der Sender CNBC enthüllte, fällt in eine große Debatte über die Lage von Frauen im Silicon Valley. Sie machen oft weniger als ein Drittel der Belegschaft in IT-Unternehmen aus und sind auch in den Führungsetagen unterrepräsentiert.

 

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erstellt am 15.Okt.2014 | 12:34 Uhr

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