Soziales Netzwerk : Facebook-"Chronik" wird Pflicht

Die neue Darstellung der einzelnen Benutzerprofile soll alle Daten eines Nutzers als Lebensgeschichte an einem Ort zusammenführen. Foto: Julian Stratenschulte, dpa
Die neue Darstellung der einzelnen Benutzerprofile soll alle Daten eines Nutzers als Lebensgeschichte an einem Ort zusammenführen. Foto: Julian Stratenschulte, dpa

Die gut 20 Millionen deutschen Nutzer von Facebook haben keine Wahl mehr: Das soziale Netzwerk macht seine interaktiven Lebensläufe "Chronik" zur Pflicht.

shz.de von
27. Januar 2012, 07:45 Uhr

Am Mittwoch bestätigte eine Sprecherin von Facebook in Hamburg, dass in den nächsten Wochen alle klassischen Profile mit der neuen Darstellung ersetzt werden. Als die "Chronik" im Dezember eingeführt wurde, war ihre Nutzung noch freiwillig. Doch schon damals hagelte es Bedenken und Kritik.
In der "Chronik" können Nutzer die Einträge ihrer Freunde auch über Jahre zurück abrufen - und dabei gezielt in Jahren oder auch Monaten nachschlagen. Stellt ein Nutzer die Möglichkeit nicht ab, so wird unter anderem auch sichtbar, wann er sich mit anderen Nutzern via Facebook "befreundet" hat. Außerdem versucht Facebook, über die interaktiven Lebensläufe an historisches Material seiner weltweit gut 800 Millionen Nutzer zu gelangen: Sie haben nun die Möglichkeit, Fotos aus ihrer eigenen Vergangenheit nachzutragen - bis zur Geburt.
Übergangszeit von sieben Tagen
Die deutsche Facebook-Sprecherin Tina Kulow betonte, "jede und jeder hat sieben Tage, um sich mit der Chronik hoffentlich anzufreunden". Dahinter steht, dass die Plattform die klassischen Profile nicht von einer Sekunde auf die andere umstellt, sondern jedem Nutzer per Vorwarnung eine Woche Zeit gibt, seine persönliche "Chronik" zu bearbeiten. Nutzer können Einträge dabei bewusst verbergen und haben auch nachträglich die Option, Elemente in der "Chronik" auszublenden.
Daten- und Verbraucherschützer hatten bereits vor der "Chronik" gewarnt, als Nutzer diese noch freiwillig aktivieren konnten. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar hatte damals im Dezember 2011 bemängelt, Facebook-Mitglieder stünden nun "noch stärker in die Pflicht, alle veröffentlichten Daten, vor allem auch längst vergessene Einträge aus der Vergangenheit, aktiv zu kontrollieren und das eigene Profil regelmäßig aufzuräumen".

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen