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Weltgrösste Samenbank Cryos : Exportschlager Sperma: Ein Wikinger-Baby aus Aarhus

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„Nordische“ Gene sind gefragt: Vor allem in den USA und Großbritannien kaufen Frauen bevorzugt Sperma von dänischen Männern.

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2015 | 15:24 Uhr

Die globale Sperma-Industrie boomt. Das gilt vor allem für Dänemark, wo die 1987 von Ole Schou gegründete Firma Cryos die größte Samenbank der Welt betreibt. Bis zu 70.000 Wunschkinder-Päckchen will das Unternehmen mit seinen 61 festen Mitarbeitern schon von der Firmenzentrale in der Aarhuser Altstadt aus in die Welt transferiert haben. Frauen in 80 verschiedenen Ländern wurden schon beliefert.

Das Aufkeimen Dänemarks als Hotspot des globalen Samen-Handels lässt sich einfach erklären: 2005 entschlossen sich neben Deutschland zehn weitere EU-Länder, anonyme Samenspenden zu verbieten. Das liberale Dänemark garantierte den Männern außerhalb der Steuererklärung weiterhin die Deckung. Das verdarb den Spendern im Hinblick auf mögliche spätere Gefühlswirrungen, Pflichten oder Forderungen nicht die Lust an ihrer Tätigkeit.

Per Mausklick oder per Anruf lässt sich – vom Verfahren ähnlich einem Online-Versicherungsabschluss – auf der Internetseite von Cryos der Urheber des Traumnachwuchses konfigurieren und in Sekundenschnelle in den Warenkorb verpflanzen. Kliniken kaufen gewaschenes Sperma für die Gebärmutterinsemination, Privatkunden unbehandeltes in für die vaginale Befruchtung. Wenn der Bote das in Trockeneis präservierte Produkt wenige Tage später liefert, kann der Kunde immerhin sicher sein, dass der Beipackzettel Wege zur erfolgreichen Befruchtung aufzeichnet.

469 verschiedene, frei verfügbare Spender lassen den zahlungskräftigen Damen dieser Welt kaum Wünsche offen. Soll der Vater einer amerikanischen Frau ein eurasischer blonder Bond sein? Kein Problem. Oder doch lieber ein quirliger Jackie Chan? Auch erhaltlich, obwohl die Rekrutierung von Spendern aus anderen Kulturkreisen sich nach wie vor als schwierig erweist. Bei den Präferenzen „afrikanisch“ und „blauäugig“ kann allerdings nicht mal Cryos weiterhelfen. Muslime dürfen aus religiösen Gründen nicht spenden.

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Foto: Screenshot http://dk-da.cryosinternational.com/

Nach der Auswahl lässt sich denn der geeignete anonyme Spender nach Nick-Name oder Chiffre auswählen. Die Preise werden sogleich offengelegt.

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Foto: Screeshot https://dk-de.cryosinternational.com

Rohstoff-Zulieferer des Spermagroßhändlers sind zum Großteil dänische Studenten, die sich in der mit Männermagazinen bespickten Spendenkabine ein Zubrot verdienen können.  Auf minus 196 Grad wird der Mannessaft mit Stickstoff abgekühlt. Es folgt eine halbjährige Quarantäne, um Krankheiten vorzubeugen. Um die 40 Euro erhält der Rohstofflieferant für sein gespendetes Ejakulat. Bezahlt wird letztendlich nach Güteklasse und Volumen. Nach außen hin müht sich Cryos, die Spendenwilligkeit seiner Zulieferer als Akt der Hilfe für unerfüllte Kinderträume darzustellen.

Einfach ist es wahrlich nicht, die kundenorientierten Anforderungen der Firma zu erfüllen: Bis zu 95 Prozent der potentiellen Spender fallen durch, unter anderem weil die Qualität ihres Spermas unzureichend ist. Alkohol beispielsweise wirkt sich schlecht auf die Samenzellen aus. Viele Spenden-Bewerber haben keine Chance auf Annahme, weil ihr genetisches Angebot am Markt einfach nicht gefragt ist. Rothaarige Männer mit 1,70 Meter haben bei Cryos quasi überhaupt keine Chance mehr, von ihnen gibt es einfach zu viele.

Allerdings: Gerade „Wikinger-Babys“ sind der große Verkaufsschlager der Dänen. Bis zu 1.400 Euro lassen sich die Wunsch-Mütter die „edelste“ Qualität des nordischen Fortplanzungs-Sekretes kosten. Blond, groß, gut gebildet und blauäugig sollen die Model-Väter der Cryos-Gebärenden sein. Auf diese stetig wachsende Nachfrage reagiert das Unternehmen. Vor fünf Jahren wurden Samenhandels-Außenposten in New York und Indien eröffnet.

Der soziale Wandel eröffnet den Sperma-Exporteuren stetig neue Märkte. So sind neben Paaren, die auf herkömmlichem Wege keine Kinder bekommen können, lesbische Paare, Karrierefrauen, oder Alleinstehende Abnehmer für das Dänen-Ejakulat. In Großbritannien – wo ein Drittel alles Samenspenden aus Dänemark importiert werden – sind inzwischen die Hälfte der Cryos-Kundinnen alleinstehend.

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