TV-Kritik "Die (T)Raumretterin" : Etwas Deko gegen den Ruin gefällig?

Rettet die Räume und Träume deutscher Auswanderer: Eva Brenner. Foto: RTL2
Rettet die Räume und Träume deutscher Auswanderer: Eva Brenner. Foto: RTL2

"Einsatz in vier Wänden" für gescheiterte Auswanderer: Dank Deko-Fee Eva Brenner ist das Café der Familie Techt heute hübsch bunt. An den Schulden der Neu-Mallorquiner ändert das freilich nichts.

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29. Dezember 2011, 09:38 Uhr

Das hat dem deutschen Realitätsfernsehen noch gefehlt: Innenarchitektin Eva Brenner ("Zuhause im Glück") dekoriert die Geschäftsräume gescheiterter Auswanderer um. Wenn sich die Anreise für TV-Schuldnerberater Peter Zwegat nicht mehr lohnt, soll es wenigstens hübsch aussehen. Die Doku-Soap kennt keine Grenzen.
In Palma de Mallorca bringt die "(T)Raumretterin" am Dienstagabend ihre erste Mission hinter sich. Die Taktik: Eva Brenner lenkt die Eheleute Techt mit frechen Einrichtungsideen vom geschäftlichen Elend ab. Meister Techts Backwaren gelten zwar als erlesen, trotzdem belaufen sich die Schulden der Familie auf 250.000 Euro - Tendenz steigend. Seit Jahren decken die Einnahmen aus Café und Backstube nicht einmal die geschäftlichen Ausgaben.
Ein Engel, der Zuversicht sät
Höchste Zeit, die Schotten dicht zu machen? Aber nein! Mit Dauerlächeln und schicken Kleidchen transportiert TV-Deko-Fee Brenner wieder Hoffnung ins Haus der Konditoren. Eine neue Fassade, etwas Farbe und zwei Kerzenhalter - dann wird das schon. Ganz klar.
Binnen fünf Tagen gestaltet die 35-Jährige das bis dato unauffällige Café der Techts um. Im Tagebuch-Stil moderiert sie sich durch die Arbeitsschritte, ganz intim, saust zwischendurch im kleinen Frauen-Flitzer über die Insel, das Marken-Embelm funkelt in der Sonne. Brenner wirkt unabhängig, stark - und doch einfühlsam; die blonden Locken fliegen im Wind. Ein Engel, der Zuversicht sät.
Tränchen gehören zum Sendeformat
Während die Handwerker im Café der Techts harte Arbeit leisten, bastelt Eva-Brenner mit den beiden Söhnen der Familie Deko-Gebäck aus Salzteig. Bunt bemalt sollen die Törtchen und Kekse später am Kronleuchter über der erträumten Gäste-Flut baumeln. Tags darauf lädt die Innenarchitektin die Jungs zur Bootstour ein - und haut emotional auf die Pauke: "Ich bin mir sicher, dass es ihre kleinen Kinderherzen zerreißen würde, wenn sie mit ihren Eltern die Insel verlassen müssten." Tränchen gehören zum Sendeformat.
Auch Strandspaziergänge, ein Flohmarkt-Bummel und ein ausgedehnter Besuch im Garten des Schweizer Künstlers Rolf Knie helfen, die einstündige Sendezeit zu füllen - die eigentliche Renovierungsarbeit gerät phasenweise in den Hintergrund. Schließlich soll ein Auftritt beim deutschsprachigen Insel-Radio die Gäste zum obligatorischen Happy End der Sendung locken. Doch die PR-Aktion zeigt nur mäßigen Erfolg - das Gedränge jedenfalls bleibt aus.
Immerhin versteht Eva Brenner etwas von ihrem Fach. Nach einer knappen Woche unter ihrer innenarchitektonischen Regie ist die hässliche Granit-Fassade des Cafés unter grün gestrichenem Putz verschwunden, dunkler Holzboden trifft helle Sitzkissen, Bilder und Deko-Accessoires beweisen Stil. Die (T)Raumretterin klopft sich auf die Schulter: Jetzt glaubt sie fest daran, dass der Familie der Weg aus dem Desaster gelingt. Sagt sie. Herr und Frau Techt küssen einander für die Kamera. Die 250.000 Euro Schulden bleiben ihnen.

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