Verbraucherschutz : Etikettenschwindel mit dem alkoholfreien Bier

Obwohl ein Großteil der Bevölkerung vom Gegenteil überzeugt ist, sind nur die wenigsten alkoholfreien Biere auch tatsächlich alkoholfrei. Neue Kennzeichnungen sollen für den Verbraucher mehr Klarheit bringen.

shz.de von
05. Juni 2014, 16:40 Uhr

Berlin | Die Deutschen trinken zwar immer weniger Bier – aber mehr alkoholfrei. Davon verkauften die deutschen Brauer im vergangenen Jahr 480 Millionen Liter, was etwa jeder zwanzigsten Flasche entspricht. Im Vorjahr waren es noch 430 Millionen Liter, wie der Deutsche Bauer-Bund am Donnerstag in Berlin mitteilte.

Als alkoholfrei deklariertes Bier ist aber nicht unbedingt alkoholfrei. Fast alle Biere, die als alkoholfrei angepriesen werden, enthalten etwas Alkohol – obwohl laut Umfragen 70 bis 80 Prozent der Bundesbürger vom Gegenteil überzeugt sind. Diese „Spuren von Restalkohol“ wirkten sich auf den Körper nicht aus, machten auch nicht betrunken, heißt es beim Deutschen Brauerbund. Es gebe auch keine Kennzeichnungspflicht, und auch in Obst und Säften fänden sich Alkoholspuren.

Foodwatch sieht es andres. Die Verbraucherschützer meinen: „Die Brauer haben ihre Kunden jahrelang bewusst getäuscht.“ Die meisten Hersteller wollen laut Brauerbund eine freiwillige Restalkohol-Kennzeichnung einführen. Auf den Flaschen steht dann „Alk. < 0,5 % vol.“ oder eine vergleichbare Formulierung.

„Der Hinweis ist ein Kompromiss, der mehr Klarheit schafft“, sagte Klaus Müller, der Vorstand des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, der mit den Brauern verhandelt hatte. Nicht durchsetzen konnten er die Forderung, die Bezeichnung alkoholfrei wirklich nur bei 0,00 Volumenprozent zu vergeben. Dabei gehen 70 Prozent der Verbraucher nach einer Verbandsumfrage davon aus, dass alkoholfreies Bier wirklich alkoholfrei ist.

Die Brauer verweisen darauf, dass Alkoholbildung sich bei der Gärung nicht verhindern lässt. Sie brechen den Prozess entweder bei 0,5 Prozent ab oder sie entziehen dem Bier nachträglich Alkohol. Heute kaufen die Bundesbürger demnach mehr als doppelt so viel „Alkoholfreies“ wie in den Jahren bis 2007, der Branchenverband spricht von einem Boom. Der Bierabsatz insgesamt sinkt dagegen seit Jahren. 2013 waren es knapp 9,5 Milliarden Liter, gut zehn Prozent weniger als zehn Jahre zuvor.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen