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Deutschland & Welt

23. Oktober 2017 | 01:11 Uhr

Straßenschäden : Es wird immer schlimmer

vom

Eine Landesregierung nach der anderen scheitert am Erhalt der Infrastruktur. Fast jeden Tag werden größere Defizite in der Beschaffenheit des Straßennetzes bekannt. Ein Kommentar von Jürgen Muhl.

shz.de von
erstellt am 14.Aug.2013 | 07:24 Uhr

Ja, ist denn unser Schleswig-Holstein noch zu retten? Ein Flächenland, das auf einen funktionierenden Verkehr angewiesen ist. Ein Land, das von Touristen lebt, das Skandinavien mit dem übrigen Europa verbinden soll und händeringend um die Ansiedlung von Unternehmen kämpft. Ein Durchfahrtsland für alle Möglichkeiten des Vorankommens: Auto, Lkw, Bahn und Schiffe. Den Flugverkehr hat man bereits weitgehend aufgegeben. Ausgerechnet dieses Bundesland hat über Jahrzehnte seine Hausaufgaben nicht gemacht.
Der Rader Hochbrücke sei Dank. Erst der marode Zustand der gerade einmal 40 Jahre alten Kanalquerung hat zu einer Bestandsaufnahme des Verkehrsnetzes und zu einem derart Besorgnis erregenden Ergebnis geführt, dass den Menschen im sonst so klaren Norden Angst und Bange werden muss. Jeden Tag gibt es neue Schreckensmeldungen. Von den 3600 Kilometer Landesstraßen müssten rund 3000 Kilometer erneuert werden. Weil das Geld fehlt oder anderweitig ausgegeben wird, ist die Schließung eines Großteils dieser Strecken mittelfristig nicht auszuschließen. Sollte es beim jetzigen Finanzierungsansatz bleiben, sind diese Straßen in zehn Jahren schrott. Durchfahrt verboten, heißt es dann. Schilder sollen schon in Auftrag gegeben worden sein. Da verstehen die Behörden ihr Geschäft.
Im lauenburgischen Büchen ist eine Brücke über den Elbe-Lübeck-Kanal seit 23 Jahren nur halbseitig befahrbar. In dieser Zeit haben sich acht Landesregierungen mit vier Ministerpräsidenten in der Verkehrspolitik versucht. Und versagt. Welch ein Trauerspiel. Wie auch gegenwärtig: Die derzeitige Kieler Regierung favorisiert den Ausbau des Radwegenetzes. Schleswig-Holstein fährt hier voran, aber eben nur auf dem Fahrrad. Bei seiner Sommertour hätte sich Ministerpräsident Albig lieber ins Auto setzen sollen. Um zu sehen, in welch erbärmlichen Zustand sich sein "Lieblingsland" befindet.
Es passt beileibe nicht in die schöne Landschaft, dass die Gewerkschaft Verdi zudem den Kanal bestreikt und den Schiffsverkehr stoppt. Schleswig-Holstein ist dabei, sich aufzugeben.

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