Flensburg : "Es war auf jeden Fall absehbar"

Anna-Lena Korban Foto: Kahlen
Anna-Lena Korban Foto: Kahlen

Die Anerkennung des Studienganges "Vermittlungswissenschaften" an der Universität Flensburg ist ausgesetzt. Eine Studentin berichtet, wie sie sich in der derzeitigen Uni-Krise fühlt.

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18. August 2008, 06:09 Uhr

Anna-Lena Korban ist 23 Jahre alt und wohnt in Flensburg. Vor drei Jahren hat sie angefangen, an der Universität Flensburg Vermittlungswissenschaften mit den Fächern Kunst und Evangelische Theologie zu studieren. Sie ist zurzeit im 6. Semester und schreibt ihre Bachelor-Arbeit.
Warum hast du vor drei Jahren angefangen, an der Universität Flensburg Vermittlungswissenschaften zu studieren?
Ich wollte damals Lehrerin werden und außerdem nicht zu weit von zu Hause weg. Weil ich damals noch in Schleswig gewohnt habe, war Flensburg meine erste Wahl.
Wann und wie hast du davon erfahren, dass die Akkreditierung, also die Anerkennung deines Studienganges, ausgesetzt wurde?
Vor etwa einer Woche. Ich war im Zeltlager und als ich wieder nach Hause gekommen bin, hat meine Mutter es mir erzählt, weil sie es in der Zeitung gelesen hat. Ich habe mir den Zeitungsbericht dann gleich im Internet durchgelesen und an mehrere Kommilitoninnen geschickt, denn die wussten bis dahin auch gar nichts oder nur wenig davon. Von der Uni wurde ich nicht informiert, dabei gibt es einen Email-Verteiler, in dem alle Vermittlungswissenschaften-Studenten sind, aber bisher ist keine Information angekommen.
Was hast du im ersten Moment gedacht, als du von den Problemen mit deinem Studiengang erfahren hast? Wie haben deine Kommilitonen reagiert?
Ich habe im ersten Moment gedacht: Naja, ist ja irgendwie nichts Neues, denn eigentlich war die ganzen drei Jahre lang klar, dass es darauf hinaus läuft, denn es hat in der Zeit keine großen Veränderungen gegeben. Ich finde es alles sehr ärgerlich, weil wir jetzt mit einem Abschluss dastehen, der nicht richtig anerkannt ist, aber irgendwie wundert es mich nicht, es ist typisch Uni Flensburg. Ganz viele meiner Kommilitonen waren frustriert und haben sich geärgert, weil immer getan wurde, als ob wir mit einem anerkannten Abschluss die Uni verlassen können. Die Aufregung war deshalb groß.
Wenn du dir jetzt die aufgedeckten Mängel anschaust: Hoher Lehrkräfte-Mangel, zu hohe Prüfungsbelastungen, zu ungenau definierte Modulziele. Hast du diese Mängel selbst bemerkt?
Ja, es war auf jeden Fall absehbar. In einem meiner Seminare sollten eigentlich 30 bis 40 Studenten teilnehmen, aber am Ende war es eine Riesen-Seminargruppe mit 120 Leuten. Die Dozentin hatte sich das ganz anders vorgestellt und musste sehen, wie sie es geregelt kriegt. Es fehlten mindestens zwei weitere Dozenten, um die große Gruppe durch drei zu teilen. Auch die Prüfungsbelastungen waren hoch. Wenn ich alles so gelernt hätte, wie ich sollte, wäre ich längst nicht so entspannt. Viele die ich kenne sitzen nur zu Hause mit den Köpfen in ihren Büchern. Dass einige Dozenten Prüfungsformen plötzlich ändern und andere Ansprüche stellen, kann ich nur bestätigen. Am Anfang haben wir alle gedacht, „okay, dann müssen wir uns eben mit den vielen Prüfungen arrangieren“, und jetzt kommt plötzlich raus, dass es zu viel war.
Du willst nach deinem Bachelor in Vermittlungswissenschaften nicht den darauf folgenden Master of Education studieren, sondern hast dich an der Uni für den Master „Kultur, Sprache, Medien“ entschieden. Hat das etwas mit den Problemen zu tun?
Nein, das stand für mich schon vorher fest, weil ich doch nicht mehr Lehrerin werden möchte. Aber natürlich bin ich froh darüber, mich entschieden zu haben, die Vermittlungswissenschaften-Schiene zu verlassen, bei dem, was man jetzt so hört. Mir kommt es vor, als wollte die Uni am Anfang mit dem Kopf durch die Wand. Warum hat die Uni nicht einfach gewartet, bis die Anerkennung durch ist, so wie die Uni Kiel es gemacht hat. Viele Studenten haben sich gefühlt wie Versuchskaninchen: Wir sollen vernünftig arbeiten, aber warum macht es die Uni nicht? Die meisten, die ich kenne, wollen aber den Master machen, um Lehrer zu werden, ich kenne nur einige, die schon inmitten des Chaos’ zum Beispiel nach Lüneburg gegangen sind, um dort Lehramt zu studieren. Die, die hier bleiben, hoffen, dass der Studiengang irgendwann anerkannt wird.

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