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Rettungsdienste in Süddänemark : „Es kann so nicht weitergehen“ mit Bios Dänemark

vom
Aus der Onlineredaktion

Der Bios-Konzern erlebt ein teures Abenteuer in Dänemark. Nun erhöht Rotterdam den Druck. Die Region Süddänemark berät derweil über die Höhe der Konventionalstrafe gegen das unterbesetzte Ambulanz-Unternehmen.

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2016 | 16:24 Uhr

Rotterdam/Sonderburg | In der Cheftage des Rettungsunternehmens Bios in Rotterdam herrscht große Unzufriedenheit. Das Geschäft in der Region Süddänemark, wo der Konzern am 1. September 2015 den Ambulanz-Dienst von Falck übernommen hat, läuft alles andere als zufriedenstellend für den Dienstleister, der seit Monaten für Schlagzeilen sorgt. Laut dem Sender „DR Fyn“ ist die Chef-Etage nun der Meinung, dass es das so nicht weitergehen kann. Den Reißaus aus Dänemark will Bios allerdings nicht machen.

Knapp 100 Sanitäter aus Deutschland sind im September von hohen Salären angelockt nach Süddänemark gewechselt, um dort beim Rettungsdienstanbieter Bios ihren Dienst anzutreten. Doch ausstehende Löhne, Personalmangel und verspätete Dienstpläne haben vor allem viele Dänen abgeschreckt.

Bis heute kann der Dienstleister seine vertraglich vereinbarten Verpflichtungen nicht erfüllen. Selbst hohe Geldprämien konnten nicht die erforderliche Anzahl an Mitarbeitern anlocken.

Gegenüber der niederländischen Tageszeitung „De Volkskrant“ bezeichnete der niederländische Exekutivsekretär Martijn van Leeuwen die Situation als „unverantwortlich verlustreich“. Die Situation sei allerdings nicht so schlecht, dass Bios den dänischen Markt verlassen müsse, heißt es zu Gerüchten, die dänische Tochter sei bereits finanziell am Ende. Man müsse die Umstände allerdings schnellstens bessern, sagte die Leitung gegenüber „DR Fyn“. Dem pflichtet der dänische Bios-Chef Morten Hansen zu: „Sie sind bei weitem nicht zufrieden mit der Situation. Das bin ich auch nicht.“

Bios steht aufgrund seiner nicht erbrachten vertraglich vereinbarten Leistungen vor einer Millionenstrafe, wehrt sich aber dagegen. Politiker der Region Syd diskutieren am Mittwochnachmittag, was ob der Unzufriedenheit aller Parteien passieren soll – und wie hoch die Geldbuße angelegt wird.

Warum hatte der Großteil der Region Süddänemark den Rettungs-Dienstleister gewechselt?

Der Sektor Krankentransport ist privatisiert. Der bisherige Anbieter Falck hat eine Ausschreibung gegen den billigeren Anbieter Bios 2014 verloren.  Das Angebot der dänischen Firma Falck wurde angeblich um knapp zehn Prozent unterboten. Der Vertrag begann am 1. September 2015 und läuft über zehn Jahre.

Warum schaffte Bios es nicht, an genügend Personal zu kommen?

Dänemark gilt als Land der Monopole. Die Wechselwilligkeit des im Süden beschäftigten Falck-Personals war von Anfang an gering, der Argwohn ob möglicher Arbeitsplatzverluste groß. Der Vorwurf machte jüngst die Runde, Falck hätte seine Marktdominanz in Dänemark (85 Prozent) genutzt, um Bios zu schwächen. Es sollen demnach Gerüchte über schlechte Arbeitsbedingungen bei Konkurrenten bewusst gestreut worden sein, heißt es in einem Bedenklichkeitsbericht der Konkurrenz- und Verbraucherbehörde. Das streiten Falck und seine Mitarbeiter jedoch ab.  Die Hinterfragung der Arbeitsbedingungen stehe jedem offen, oft habe die empfundene Arbeitsplatzsicherheit oder einfach das Bauchgefühl entschieden, heißt es in einem Brief der Belegschaft.

Begünstigt durch die über mehr als ein halbes Jahr viel zu enge Personaldecke bewahrheiteten sich die Vorurteile über schlechtere Arbeitsbedingungen quasi automatisch. Das rief die Gewerkschaft auf den Plan. Dienstpläne wurden z.B. zu spät erstellt und Mitarbeiter mit panischen SMS zu noch mehr Überstunden überredet. Das machte schnell die Runde.

Bios hatte unter anderem im deutschen Grenzland versucht, an Rettungs-Personal zu kommen und später hohe Handgelder ausgeschrieben. Dass die Besetzung der Krankenwagen teilweise ohne dänische Sprachkompetenz auskommen musste, sorgte zum Teil für heftige Kritik.

Macht sich die Unterbesetzung bei den Noteinsätzen bemerkbar?

Zu gewissen Zeitpunkten hat es in der jüngeren Vergangenheit nur acht bis neun einsatzfähige Krankenwagen in der von Zentralkrankenhäusern geprägten, weitläufigen Dreiecksregion Süddänemark gegeben. Auf Fünen hatten sich deshalb die Reaktionszeiten verlängert. Allein für das erste Quartal müsste Bios aufgrund der Versäumnisse zehn Millionen Kronen Konventionalstrafe zahlen.

Nachdem der Dienstleister die Schuld für sein Rekrutierungs-Dilemma jüngst der Region in die Schuhe schieben wollte, ruderte letztere etwas zurück. „Die Bürger bekommen den Service, den sie haben sollen. Die uns soeben für die Ambulanzen vorgelegten Reaktionsszeiten im April waren die niedrigsten seit einem Jahr,“, sagte die Vorsitzende des Regionsrates für Süddänemark, Stephanie Lose, Ende April auf Anfrage des „Nordschleswigers“.

Welche Vorwürfe macht Bios der Region?

Das Problem der Unterversorgung liege am Mangel an Rettungssanitätern und Rettungsassistenten, die die Region nicht geliefert habe, sagt der Konzern – und plädiert angesichts eines anstehenden Millionen-Bußgeldes auf höhere Gewalt.

 

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