Eröffnung des Festivals : Erstmals startet die Berlinale 2018 mit einem Animationsfilm

Mit dem Film „Isle of Dogs“ wird die Berlinale 2018 eröffnet.
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Mit dem Film „Isle of Dogs“ wird die Berlinale 2018 eröffnet.

Die #MeToo-Debatte wird auch in Berlin ein Thema sein. Zahlreiche deutsche Filmgrößen werden erwartet.

shz.de von
15. Februar 2018, 10:22 Uhr

Berlin | Die Berlinale kommt auf den Hund. Am Donnerstag werden die 68. Internationalen Filmfestspiele Berlin mit der Weltpremiere von Wes Andersons Animationsfilm „Isle of Dogs“ eröffnet. Zur Gala im Festivalpalast am Potsdamer Platz sind mehr als 1600 Gäste angesagt.

Der 48-jährige Anderson („The Royal Tenenbaums“) will zusammen mit den prominenten Stimmen seines Hundefilms kommen, darunter Tilda Swinton, Greta Gerwig, Bill Murray, Jeff Goldblum und Bryan Cranston.

Auch zahlreiche deutsche Filmgrößen wie Mario Adorf, Senta Berger, Fatih Akin, Daniel Brühl, Iris Berben und Wim Wenders werden erwartet.

Die Berlinale gilt mit jährlich mehr als 300.000 verkauften Tickets als das größte Publikumsfestival der Welt. Sie wird aus dem Etat von Grütters mit 7,7 Millionen Euro unterstützt. Diesmal sind in den verschiedenen Reihen insgesamt 385 Filme zu sehen. Ein Schwerpunkt sind erneut Serien.

Auch der britische Sänger Ed Sheeran (26, „Perfect“) hat sich angekündigt. Am 23. Februar wird die Doku „Songwriter“ von Murray Cummings über ihn vorgestellt. Die deutschen Fans seien wahrscheinlich die treuesten der Welt, sagte er vorab. „Sie sind echte Musikliebhaber: Sie hören zu an den Stellen, an denen sie zuhören sollen, und sie kreischen dann, wenn sie es sollen.“

Der Eröffnungsfilm: „Isle of Dogs“

Mit dem neuen Werk von US-Regisseur Wes Anderson eröffnet erstmals in der Geschichte ein Animationsfilm das Festival. Der Texaner mit weltweiter Fangemeinde erzählt von dem 12-jährigen japanischen Jungen Atari. Als durch einen Regierungserlass alle Hunde der Stadt auf eine riesige Mülldeponie verbannt werden, versucht er mit ihrer Hilfe, die Zukunft der ganzen Präfektur zu retten.

Der Trailer zum Animationsfilm:

„Ein Anderson-Film, wie ihn die Leute lieben“, sagt Festivalchef Dieter Kosslick, der eine besondere Vielfalt an Themen verspricht. „Wenn es gut geht, verlassen wir das Kino mit anderen Bildern im Kopf als jenen, mit denen wir hineingegangen sind.“

Für Berlinale-Stammgast Anderson ist es das vierte Mal, dass er im internationalen Wettbewerb um den Goldenen Bären nominiert ist. 2014 hatte er mit dem Eröffnungsfilm „Grand Budapest Hotel“ den Großen Preis der Jury gewonnen.

Die MeToo-Debatte bei der Berlinale

Festivaldirektor Dieter Kosslick empfängt Stars und Sternchen auf dem angestammten roten Teppich. Die Online-Petition, den Teppich aus Protest gegen den Missbrauch in der Filmbranche schwarz einzufärben, konnte sich nicht durchsetzen. Sie hatte bis Mittwoch mehr als 20.000 Unterstützer.

Die Schauspielerin Claudia Eisinger (33) hatte  Berlinale-Direktor Dieter Kosslick aufgefordert, angesichts der #MeToo-Debatte den roten Festivalteppich schwarz einzufärben. „In Hollywood trugen die Schauspielerinnen schwarz. In Berlin wollen wir einen schwarzen Teppich“, schreibt Eisinger in ihrer Petition auf der Kampagnenplattform change.org. „Es ist unsere Verantwortung, der Welt zu signalisieren, dass sexueller Missbrauch, Übergriffe und Diskriminierung von Frauen nicht länger ungesehen bleiben“. Deshalb müsse auch die Berlinale eindeutig Position beziehen.

Schauspielerin Claudia Eisinger wollte einen schwarzen Teppich zur Eröffnung der Berlinale.
Foto: Britta Pedersen/dpa-Zentralbild/dpa

Schauspielerin Claudia Eisinger wollte einen schwarzen Teppich zur Eröffnung der Berlinale.

Trotz rotem Teppich dürfte die #MeToo-Debatte die elf Festivaltage entscheidend prägen – angefangen von der Eröffnungsgala mit der politisch versierten Moderatorin Anke Engelke bis hin zum Besuch des südkoreanischen Kultfilmers Kim Ki-duk, der sich in seiner Heimat selbst Gewaltvorwürfen ausgesetzt sieht.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) forderte eine offene Auseinandersetzung mit Machtmissbrauch hinter den Kulissen. „Angst und Schweigen waren viel zu lange seine stillen Komplizen. Es ist gut, dass damit Schluss gemacht wird und dass sich nun vermehrt Frauen und auch Männer zur Wehr setzen“, erklärte sie. „Wir brauchen hier einen Kulturwandel, an dem alle mitwirken!“

Diese Filme erwartet die Besucher der Berlinale

Diesmal gehen insgesamt 19 Filme ins Bären-Rennen, darunter vier deutsche. So zeichnet Emily Atef mit „3 Tage in Quiberon“ ein berührendes Porträt der späten Romy Schneider – mit Marie Bäumer in der Hauptrolle.

Christian Petzold („Barbara“) verwebt in „Transit“ die Geschichte von Exilsuchenden in der NS-Zeit mit dem Flüchtlingsschicksal heute. Nach einem autobiografischen Roman von Anna Seghers spielen der diesjährige Shooting Star Franz Rogowski und Paul Beer.

Von Thomas Stubner kommt das Außenseiterdrama „In den Gängen“ – diesmal Sandra Hüller neben Rogowski. Philip Gröning schickt das dreistündige Zwillingsdrama „Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot“ mit Josef Mattes und Julia Zange. Weitere Wettbewerbsfilme kommen etwa aus den USA, Russland, Frankreich, Rumänien und dem Iran.

Die Berlinale-Jury 2018

Die renommierten Bären-Preise werden vor dem abschließenden Publikumstag am 24. Februar verliehen. Über die Vergabe entscheidet eine sechsköpfige Jury unter Vorsitz von „Lola rennt“-Regisseur Tom Tykwer.

Mitglieder der Jury: Regisseur Tom Tykwer und die belgische Schauspielerin Cecile de France bewerten die Filme.
Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Mitglieder der Jury: Regisseur Tom Tykwer und die belgische Schauspielerin Cecile de France bewerten die Filme.

Mit dabei: die belgische Schauspielerin Cécile de France und die amerikanische Independant-Produzentin Adele Romanski.

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