Nach Rizin-Fund in Köln : Ermittler: Tunesier wollte biologische Waffen herstellen

Im Kölner Stadtteil Chorweiler stürmte die Polizei wegen des Verdachtes auf Umgang mit giftigen Stoffen die Wohnung eines Mannes. Foto: dpa/David Young
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Im Kölner Stadtteil Chorweiler stürmte die Polizei wegen des Verdachtes auf Umgang mit giftigen Stoffen die Wohnung eines Mannes. Foto: dpa/David Young

Neue Details im Kölner Chemikalien-Fall. Verdächtiger war bislang nicht auf dem Radar der Sicherheitsbehörden.

shz.de von
14. Juni 2018, 11:34 Uhr

Köln | Der inhaftierte Tunesier, in dessen Kölner Wohnung hochgiftige Rizin-Substanzen gefunden wurden, ist laut Bundesanwaltschaft "dringend verdächtig, vorsätzlich biologische Waffen hergestellt zu haben". Wie die Justizbehörde am Donnerstag in Karlsruhe weiter mitteilte, gibt es jedoch keine Anhaltspunkte für eine "konkretisierte Anschlagplanung" oder eine Mitgliedschaft des Beschuldigten in einer terroristischen Vereinigung.

Der Tipp an die deutschen Sicherheitsbehörden sei vom US-Geheimdienst CIA gekommen, der den Interneteinkauf von Rizinussamen bemerkt habe, berichtete die "Bild" am Donnerstag. Als der 29-Jährige auch noch Chemikalien gekauft habe, die zur Gewinnung des Giftes notwendig seien, sei am Dienstagabend der Zugriff in der Kölner Wohnung des Mannes erfolgt. 

Rizin stammt aus dem Samen des Wunderbaums 

"Er war den Sicherheitsbehörden bisher nicht aufgefallen. Sie hatten ihn nicht auf dem Radar", sagte auch ARD-Terrorismus-Experte Michael Götschenberg am Donnerstag im Morgenmagazin von ARD und ZDF. Das habe sich geändert, als er online versucht habe, in großer Menge Rizinussamen zu bestellen. "Und das hat das Bundesamt für Verfassungsschutz auf ihn aufmerksam gemacht", schilderte er.

Das angesehene Robert Koch-Institut (RKI) stuft das leicht erhältliche Rizin aus dem Samen des Wunderbaums als "potenziellen biologischen Kampfstoff" ein. Handel und Umgang mit der Reinsubstanz seien nach dem Chemiewaffen-Übereinkommen von 1997 beschränkt. Schon in geringer Konzentration kann Rizin tödlich sein. Sollte das Gift gespritzt werden, wirkt es nach RKI-Angaben binnen 36 bis 48 Stunden tödlich.

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