zur Navigation springen
Deutschland & Welt

23. Oktober 2017 | 19:02 Uhr

Weltlinkshändertag : Erfolg mit links

vom

Obama, Bush, Clinton - sie alle sind Linkshänder. Ebenso die Mehrheit der Zweikampfsportler im deutschen Spitzensport. Ein Flensburger Neurologe erklärt das Phänomen.

shz.de von
erstellt am 12.Aug.2012 | 02:56 Uhr

Seit 1976 ist der 13. August der Tag der Linkshänder. Dass mit links zu schreiben und zu arbeiten kein Phänomen der Neuzeit ist, sondern so alt wie die Menschheit selbst, belegen Funde von Werkzeugen und Höhlenmalerei vergangener Zeit. Wie viele Linkshänder es tatsächlich in der Bundesrepublik Deutschland gibt, lässt sich nur sehr schwer feststellen. Das liegt auch daran, dass lange Zeit versucht wurde, Linkshänder umzupolen, ihnen also das Nutzen der rechten Hand aufzuzwingen. Die Schätzungen der Wissenschaftler gehen weit auseinander: zwischen 5 und 25 Prozent soll der Linkshänder-Anteil liegen. Besonders bemerkenswert ist dieser Wert, wenn man ihn in direkten Vergleich mit dem Anteil an Linkshändern im Spitzensport stellt. In der Leistungselite von Zweikampfsportarten wie z.B. Boxen, Fechten oder Tennis sind bis zu 55 Prozent Linkshänder vertreten - ein astronomischer Wert.
Gerüchte um Bevor- oder Benachteiligung der Menschen, die die linke Seite präferieren, halten sich die Waage. Aber sind Linkshänder vielleicht sogar in vielen Bereichen im Vorteil? Tatsache ist, dass die Aufgabenteilung im Gehirn bei vielen Linkshändern anders verläuft als bei Rechtshändern. "Dass der Linkshänder-Anteil in diesen Sportarten höher ist, hat aber keine neurologischen Ursachen im eigentlichen Sinne", sagt Prof. Dr. Henning Stolze. Er ist Chefarzt in der Klinik für Neurologie in Flensburg. Woran liegt es dann, dass Linkshänder stärker im Sport vertreten sind als Rechtshänder? "Es ist eine Art Überraschungseffekt - nämlich das Problem eines Rechtshänders, sich auf einen spiegelverkehrt arbeitenden Gegenspieler einzustellen."
"Vergewaltigung des Gehirns"
Auch hält sich hartnäckig das Gerücht, dass umgepolte Linkshänder später besonders häufig unter Konzentrationsstörungen und motorischen Defiziten leiden. Einige Wissenschaftler sprechen sogar von einer "Vergewaltigung des Gehirns". "Das würde ich so nicht unterschreiben.", erklärt Prof. Stolze. "Das menschliche Gehirn ist durchaus in der Lage, so eine Umschulung zu bewerkstelligen. Schaden nehmen die Kinder meistens eher durch den Druck, der durch die Eltern ausgeübt wird. Man kann hier also eher von einem seelischen als von einem neurologischen Schaden sprechen".
Ein bisher nicht geklärtes wissenschaftliches Phänomen ist die Lage des Sprachzentrums bei Linkshändern. Denn während bei Rechtshändern das Sprachzentrum fast ausschließlich in der linken Gehirnhälfte angesiedelt ist, gibt es etwa 30 Prozent Linkshänder, bei denen sich das Sprachzentrum über beide Gehirnhälften gleichermaßen verteilt. Das kann zum Beispiel im Alter den Vorteil haben, dass bei einem Schlaganfall nie das komplette Sprachzentrum zerstört wird und der Weg zurück in ein normales Leben sehr viel leichter bestritten werden kann. Wo sich die aktiven Zonen im Gehirn befinden, kann man unter anderem mit Hilfe einer funktionellen Magnetresonanztomographie (MRT) messen. Die Gehirnhälfte, in die das Sprachzentrum fällt, wird mit mehr Sauerstoff beliefert als die gegenüberliegende -anatomisch völlig gleiche - Gehirnhälfte.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen