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Bis zu 100.000 E-Lkw pro Jahr : Elektro-Laster: Deutsche Post will mit dem Streetscooter Marktführer werden

vom
Aus der Onlineredaktion

Die Post hat der Autoindustrie den Kampf angesagt. Der Streetscooter wird nun auch an Dritte verkauft.

shz.de von
erstellt am 12.Apr.2017 | 12:15 Uhr

Bonn | Die Deutsche Post will die Produktionskapazität ihres Elektrolieferwagens Streetscooter noch in diesem Jahr verdoppeln. „Wir werden in Nordrhein-Westfalen eine zweite Fabrik für den Streetscooter aufbauen, die noch dieses Jahr starten soll“, sagte der für das Paketgeschäft zuständige Vorstand, Jürgen Gerdes, der „Rheinischen Post“. Er ist auch zuständig für das Start-up, das die E-Lieferwagen entwickelt hat und das seit 2014 der Post gehört.

Innenstädte ohne Diesel sind ein großes Thema im Verkehr, das den elektrischen Wandel in der Logistik voranschreiten lässt. Mercedes will mit elektrisch betriebenen Lieferwagen für Hermes ab 2020 in Konkurrenz zur Post treten, Volkswagen plant noch in diesem Jahr mit einem e-Crafter den Markteintritt.

Neue Jobs würden entstehen, vermutlich im niedrigen dreistelligen Bereich. Bislang arbeiten etwa 200 Menschen in Produktion und Entwicklung des Streetscooters. „Es ist sinnvoll, dass die Techniker und Führungskräfte des Mutterwerkes in Aachen kurze Wege haben“, sagte Gerdes zum Bau der Fabrik in NRW. Ihm zufolge könnte die Produktion in Zukunft an zehn Standorten stattfinden – mit einem Volumen von 100.000 Stück pro Jahr.

Die Post hatte bereits angekündigt, ihre Elektrolieferwagen auch an Dritte verkaufen zu wollen. Die Verträge seien unterschriftsreif, sagte ein Sprecher. Der Verkauf starte quasi jetzt. Der Konzern selbst hat bislang 2500 Fahrzeuge in Deutschland und 100 in den Niederlanden im Einsatz. Das Ziel ist es, 20.000 Einheiten herzustellen. In diesem Jahr baut die Post voraussichtlich die Hälfte, davon wiederum mindestens die Hälfte - also 5000 Fahrzeuge - soll an Dritte gehen. Der Preis für den Streetscooter soll bei 32.000 Euro beginnen.

Der Verkauf an Dritte ist eine Kampfansage an die großen Autohersteller, die sich immer noch in Tests versuchen. „Wir bleiben Motor der Elektromobilität und wollen Marktführer in der grünen Logistik werden“, sagte Gerdes. Handwerker und Lieferdienste warten angesichts drohender Fahrverbote in Städten wie Stuttgart händeringend auf Elektroalternativen. Die Post selbst hat in Deutschland bislang 2500 Streetscooter im Einsatz. In diesem Jahr will das Unternehmen seine Flotte „mindestens verdoppeln“.

Volkswagen will im Herbst die ersten Elektro-Crafter - etwa so groß wie Mercedes-Sprinter - zur Erprobung an Kunden übergeben. Daimler will bis 2020 dem Paketdienst Hermes 1500 Elektrotransporter der Reihen Vito und Sprinter liefern. Anfang 2018 soll es mit Pilot-Einsätzen in Stuttgart und Hamburg losgehen. Daimler hatte schon 2012 einen Transporter mit E-Antrieb auf den Markt gebracht, das Angebot aber mangels Nachfrage eingestellt.

Die Post will ihren Kunden über ihre Tochter Post Service ähnliche Dienstleistungen und Garantien anbieten wie Volkswagen oder Mercedes.„Es wird eine Werkstattgarantie wie bei klassischen Autoherstellern geben“, so Gerdes. „Wir haben bereits einige Hundert Werkstätten in Deutschland zertifiziert, die den Streetscooter warten können - bisher für uns, künftig auch für Fremdkunden.“ Offenbar ist die Nachfrage so hoch, dass Post und Streetscooter bereits über ein drittes Werk nachdenken. Das werde aber näher bei möglichen Fremdkunden liegen, sagte Gerdes der „Rheinischen Post“.

Die Verkaufsstrategie der Post ist laute einem Bericht von wired.de vor allem international ausgerichtet. Das Unternehmen will den Streetscooter in Großbritannien und Osteuropa verkaufen, aber auch in in New York und Peking.

Der Autoexperte Axel Schmidt von der Unternehmensberatung Accenture rechnet mit einem wachsenden Wettbewerbsdruck für die etablierten Hersteller. „Batterieelektrische Fahrzeuge sind weniger komplex und somit einfacher herzustellen als Verbrenner. Das senkt die Markteintrittsbarrieren für neue Hersteller“, sagte er. Doch sei es das eine, Elektroautos zu entwickeln und in Kleinserien herzustellen. Viel schwieriger sei es, große Märkte effizient zu bedienen.

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