Sammler aus Gnutz : Ein Mann und sein Museum

Abteilung Küche: Karl von Puttkamer führt vor seiner Waschbrett-Sammlung die Handhabung eines Feuersteins vor. Foto: Grätsch
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Abteilung Küche: Karl von Puttkamer führt vor seiner Waschbrett-Sammlung die Handhabung eines Feuersteins vor. Foto: Grätsch

Egal, ob historische Mausefallen, betriebsbereite Feuerwehrkutschen oder Jauchekellen aus Stahlhelmen - Karl von Puttkamer aus Gnutz nennt es sein Eigen.

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08. Mai 2012, 09:30 Uhr

Gnutz | Karl von Puttkamer ist zum Sammler geboren. Schon als Junge hortete der heute 68-Jährige Heftchen mit Erzählungen aus dem Kindergottesdienst nebst Bierdeckeln aus verqualmten Eiderstedter Kneipen. Mit den Jahren wuchsen seine Ambitionen - inzwischen füllen von Puttkamers Schätze ein ganzes Museum.
In den vergangenen elf Jahren hat er mehrere zehntausend Euro in eine volkskundliche Privatsammlung investiert. Im Schuppen vor seinem historischen Hof in Gnutz (Kreis Rendsburg-Eckernförde) parken alte Feuerwehrkutschen - voll funktionsfähig inklusive Schlauch und Pumpen. Auf seinem 300 Quadratmeter großen Dachboden sind historische Lehrerpulte von altem landwirtschaftlichem Gerät umstellt - darunter auch sonderbare Unikate wie Jauchekellen aus Stahlhelmen oder Kartoffelstampfer aus Übungsgranaten der HJ. Einige Meter weiter lagern historische Mausefallen, eine Vitrine beherbergt steinzeitliche Beile.
"Davon gibt es nur drei im ganzen Land"
Zwischen den dicht gefüllten Regalen und Häufchen aus Kostbarkeiten hat der Hausherr schmale Pfade ausgetreten. Hier ein paar Melkschemel, dort ein uralter Stein mit Sonnenrad - "davon gibt es nur drei im ganzen Land" - oder eine blecherne Schaukel-Badewanne. Karl von Puttkamer ist das Zentrum eines volkskundlichen Kleinst-Universums. Nur er selbst bewahrt hier die Orientierung, kennt die Geschichten hinter den Dingen; ausschweifend und detailreich, wie die Ausstellung selbst.
Aufhebens macht der Sammler oft um Objekte, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken. Einem funktionstüchtigen "Widder" habe er über drei Jahre nachgestellt. Die historische Pumpe befördert Wasser über eine Rohrleitung aus einer Quelle nach oben - "rein mechanisch, ohne Kosteneinsatz", erläutert der 1,70 große Besitzer und reckt seinen Kopf auf maximale Höhe.
"Vieles hier musste ich einfach haben"
Karl von Puttkamer ist ein Jäger. Sobald er ein neues Stück erbeutet hat, studiert er es, gibt sich ihm hin. Anschließend möchte er sein Wissen weitergeben. Wer die Gnutzer Ausstellungsräume betritt, muss sich auf eine Flut intimer Begegnungen mit Dingen gefasst machen. Das kostet Zeit.
"Vieles hier musste ich einfach haben, weil ich es mir nun mal in den Kopf gesetzt hatte", sagt von Puttkamer. Jahrelang trieb ihn beispielsweise die Suche nach einem "Göpel" um. Dabei handelt es sich um eine mechanische Vorrichtung zur Erzeugung von Antriebskraft; vier Pferde laufen zu diesem Zweck an einem Gestänge im Kreis. Glück hatte von Puttkamer schließlich beim jährlichen Lanz-Bulldog-Treffen in Bostedt - dort war er mit einem riesigen Pappschild - "Göpel gesucht" - behängt stundenlang durch Scharen von Treckerfreunden gestiefelt.
"Schulklassen mit Kindern über 11 Jahren haben bei mir keinen Zutritt"
Als Alleinherrscher im Gnutzer Museum stellt der Hausherr selbst die Regeln für seine Sammlung auf. "Die meisten meiner Gerätschaften sind älter als 80 Jahre und heute nicht mehr im Einsatz", versucht er, einen gemeinsamen Nenner für das Sammelsurium zu finden. Und gesteht nach kurzem Zögern: "Naja, eigentlich nehme ich einfach alles mit, was mich fasziniert."
Darum ist der 68-Jährige froh, dass sein Museum eine rein private Angelegenheit ist. Kein e.V., keine öffentliche Stelle funken ihm ins Konzept - von Puttkamer darf horten, was und soviel er will. Zwischen alten Bierflaschen, steinzeitlichen Beilen und Frisierhauben aus den 1950ern fühlt er sich wohl. Das einzige was ihn nicht interessiert: die Erziehung pubertärer Jugendlicher. "Schulklassen mit Kindern über 11 Jahren haben bei mir keinen Zutritt", erklärt von Puttkamer "einen Erziehungsauftrag hatte ich als Realschulrektor lange genug." Er lässt den Blick über seine volkskundlichen Schätze schweifen, Jugendliche mit von MP3-Playern verpfropften Ohren haben hier nichts zu suchen. "Der einzige Kommentar, den man von solchen Kindern erwarten kann: ’Das habe ich Fähhhrnsehen gesehen’", ätzt von Puttkamer, das Gesicht zur Grimasse verzogen. Auch Tagestouristen, "die bloß ihre Zeit totschlagen wollen", lässt er nicht mehr herein.
Das Museum ist für den 68-Jährigen eine höchstpersönliche Angelegenheit. Man muss ihm mit Respekt begegnen.
Kontakt: Museum Gnutz, De Ohle Weg 18, 24622 Gnutz, Tel. 04392/922997.

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