Hamburger TV-Duell : Ein hanseatisch kühler Schlagabtausch

Lieferten sich einen sachlichen, emotionslosen Schlagabtausch: Ole von Beust (CDU) und sein Herausforderer Michael Naumann (SPD). Foto: Wüst
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Lieferten sich einen sachlichen, emotionslosen Schlagabtausch: Ole von Beust (CDU) und sein Herausforderer Michael Naumann (SPD). Foto: Wüst

Sachlich, kühl, emotionslos: Das Fernseh-Duell zwischen Bürgermeister Ole von Beust (CDU) und seinem Herausforderer Michael Naumann (SPD) war eigentlich kein richtiges. Eine Analyse.

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18. Februar 2008, 10:58 Uhr

Trost, zumal, wenn er von Herzen kommt, ist etwas Wunderbares. Und Michael Naumann taten Ole von Beusts aufmunternde Worte sichtlich gut. Bangte der SPD-Spitzenkandidat doch, dass der "furchterregende Hänger" ausgerechnet in seinem Schlusswort zum Fernsehduell mit Hamburgs CDU-Bürgermeister ihn wichtige Sympathiepunkte kosten könne. In den letzten Sekunden der Live-Sendung im NDR-Fernsehen am Sonntagabend hatte er sich hoffnungslos im ohnehin schwierigen Hamburger Schulsystem verhaspelt. Beust aber - ganz der Hanseat - tröstete ihn gleich nach der Sendung: Das sei rein menschlich und ihm selbst auch schon mehrfach passiert.

Hanseatisch fair wie dieses Schlussintermezzo war auch das gesamte Duell zwischen den beiden Hauptprotagonisten des Hamburger Wahlkampfes verlaufen. In einem sachlich und weitgehend emotionslos geführten Schlagabtausch diskutierten Beust und Naumann - zwei Stilisten hansestädtischer Politik - gleichermaßen souverän und fair die Argumente ihrer unterschiedlichen Regierungskonzepte. Und so brauchte es ganze 35 Minuten, ehe der kulturvolle Bürgermeister und der Kulturmann endlich die Kontroverse verschärften.
Ende der Gelassenheit, wenn es ums Geld geht
Als es ums Geld ging - in diesem Falle die Finanzen der Stadt - war es auch bei ihnen mit der Gelassenheit vorbei. Beust hatte Naumann vorgeworfen, seine sozialen Vorhaben unter anderem zur Gebührenabschaffung für Kita- und Studienplätze und zur Gründung von Stadtwerken seien unrealistisch. "Herr Naumann verspricht vor der Wahl das Blaue vom Himmel", sagte Beust. Naumann hielt dagegen, man müsse keine neuen Schulden aufnehmen. Steuereinkünfte und Umschichtung reichten dazu aus.

Trotz des Bemühens von NDR-Fernsehchefredakteur Andreas Cichowicz ließen sich beide politischen Kontrahenten jedoch sonst kaum aus der Reserve locken, wenngleich ihnen die Anspannung vor dem lange erwarteten Duell anzumerken war. Darüber konnte auch betonte Lockerheit zum Fototermin vor der Sendung nicht hinwegtäuschen. Naumann, der als erster erschien, begrüßte die zahlreichen Medienvertreter mit den Worten: "Ihr wartet natürlich alle auf den anderen." Der tauchte denn auch kurz darauf aus der Gegenrichtung auf und steuerte wortlos ins Studio. Immerhin hatte Beust an diesen Tag schon eine Matinee bei der Wochenzeitung "Die Zeit" hinter sich. Sein Herausforderer hingegen hatte den Tag in aller Ruhe mit einem Spaziergang und lesend verbracht, wie er sagte.
"Eine hanseatische Diskussion"
Am Ende fühlten sich beide politischen Lager als Sieger. Kein Zeichen von Angriffslust, kein heißer Disput und keine Spur von Hohn zum Schluss. "Eine hanseatische Diskussion, wie sie zu Hamburg gehört", zog Alt-SPD-Bürgermeister Henning Voscherau sein Resümee, fügte aber hinzu: "Ich sehe Michael Naumann mit eins zu null vorn." Dieser dagegen hatte für CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla nur unfinanzierbare Vorschläge und kein Konzept vorgetragen. "Ole von Beust ist der klare Sieger", sagte der CDU-General.

Auch Hamburgs CDU-Landeschef Michael Freytag sah Beust klar vorn. Der Erste Bürgermeister kombiniere "besondere Sachkompetenz mit menschlichem Format". SPD-Landeschef Ingo Egloff betonte, Naumann habe sich auch im direkten Aufeinandertreffen mit seinem Kontrahenten "offensiv, sachlich, menschlich und souverän präsentiert". "Naumann hat gepunktet, weil er erklärt, was er will, anders als Herr von Beust."

Unzufrieden blieb an diesem Abend nur Michael Naumann, wenngleich er nach seinem emotionalen Tief rasch wieder optimistisch sagte: "Ich bin eben kein Berufspolitiker und habe keine Module parat. Ich wollte in 60 Schlusssekunden alles sagen, was ich auf dem Herzen hatte, und das war wohl zuviel." Zuvor hatte er noch gesagt: "Ich entspanne in Interviews wie diesen." Ganz so war es offenbar nicht.

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