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Weltmännertag 2015 : Ein Geschlecht, zwei Feiertage, drei Meinungen

vom
Aus der Onlineredaktion

Zwei Männer und eine Frau haben ihre Gedanken zum Weltmännertag am 3. November aufgeschrieben – das Ergebnis? Mannomann!

shz.de von
erstellt am 02.Nov.2015 | 20:59 Uhr

Mann über Mann

 

Es gibt den „Festtag der fabelhaften wilden Männer“, den „Internationalen Männertag“, den „Tag der männlichen Körperpflege“, den „Ohne-Bart-Tag“, den „Movember“ und den „Weltmännertag“. Der ist am Dienstag. In der Wochenkonferenz der Onlineredaktion saß am vergangenen Donnerstag bei der Besprechung der Themen mal wieder nur ein Mann. Insgesamt sind es nur drei in der shz.de-Onlineredaktion. Die Nachrichten hier sind also zu großen Teilen „made by women“. „Schreib doch mal was über den unterdrückten Mann in der Onlineredaktion“ war dann schnell die Quintessenz der Unterredung mit den weiblichen Kollegen. Nun ja, jetzt sitze ich hier.

 

Foto:imago/Westend61

Fest steht: Der „Weltmännertag“ reiht sich in die Riege der zahllosen Welttage ein, die meist so sinnlos sind wie Prostatakrebs, und ist letztlich doch nur ein trüber Novembertag, den bestimmt viele Männer nicht kennen oder ihn zum Anlass nehmen, mit einem Bollerwagen durch den Herbstwald zu ziehen. Vielleicht auch nicht. Eigentlich soll dieser Tag laut des Schirmherrn Michail Gorbatschow dazu da sein, dass wir Männer uns intensiv mit unserer Gesundheit auseinandersetzen. Klar, wir leben im Schnitt ja auch sieben Jahre kürzer als Frauen. Vielleicht trinken wir das ein oder andere Bier zu viel oder essen zu viel Fleisch, ist ja schließlich krebserregend. Vielleicht raffen uns auch die Sexualhormone dahin oder unser Ego auf der linken Spur der Autobahn. Vielleicht ist das auch die ausgleichende Gerechtigkeit dafür, dass wir keine Kinder bekommen müssen.

Über die Gesundheit denkt Mann hingegen nicht an einem bestimmten Tag nach, sondern immer dann, wenn der Rücken nach einem langen Bürotag schmerzt oder wenn die Erkältung auch nach drei Wochen noch nicht ganz weg ist. Generell gelten Männer ja ohnehin als wehleidig und dürfen an diesem besonderen Tag einmal so richtig den Hypochonder raushängen lassen.

Kommen wir zum Punkt der Unterdrückung in der Onlineredaktion. Kurzum: Sie findet nicht statt. Abgesehen von einer niedlichen Eisbärfigur auf einem Computermonitor, dem Vorhandensein von viel Schokolade und süßen Teesorten hält sich der weibliche Einfluss in Grenzen. Um auch einmal die Stereotypenkeule zu schwingen lässt sich festhalten, dass auch die Boulevardthemen nicht überproportional häufiger im Gespräch sind, als zum Beispiel Fußball.

Vielleicht ist es die maßlose Toleranz der Kolleginnen, die uns Männer in der Onlineredaktion ohne Unterdrückung diese Zeilen verfassen lässt, vielleicht ist es auch nur der Fakt, dass Männer und Frauen hier gleichberechtigt sind. Ein Fakt, der sich am 19. November passend zum Internationalen Männertag gleich nochmal feiern lässt. Dann geht es nämlich um die Gleichberechtigung von Mann und Frau.

Damit wir hier also noch lange zusammenarbeiten können, ist es essenziell, dass sich die Männerquote nicht durch das Ignorieren der eigenen Gesundheit verringert. Heute stoßen wir mit unseren Kolleginnen mit Orangensaft auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit an und denken dabei auch ein bisschen an die Männergesundheit.

Gerrit Hencke

Frau über Mann

 

Über 100 Jahre schon feiern die Frauen am 8. März die Emanzipation. Gerechtigkeit folgte viele Jahrzehnte später. Vor 16 Jahren bekamen auch die Männer endlich einen eigenen Feiertag, den Internationalen Männertag am 19. November. Und ein Jahr später gleich noch einen. Den Weltmännertag, der am 3. November gefeiert wird. Zwei Feiertage, in nur einem Monat. Als Frau schüttelt man den Kopf. Um das starke Geschlecht ist es offensichtlich nicht gut bestellt.

 

Foto:dpa

Deswegen sei direkt drauf hingewiesen, liebe Männer: Die novemberlichen Feiertage sind alles, aber kein weiterer Grund zu trinken. Das könnte ja der ein oder andere so verstanden haben, schließlich gibt’s im Mai ja auch so einen Männertag, oder wie war das noch? Ausgestattet mit viel Musik und noch mehr Alkohol geht es im Wonnemonat auf die Piste. Aber, sorry Jungs, im tristen November wird es ernst.

Denn an zwei Tagen soll gerettet werden, was zu retten ist: die Gesundheit des vermeintlich starken Geschlechts. Aber halt, soweit sind wir noch nicht. An diesen Tagen soll der Mann überhaupt erstmal darauf aufmerksam gemacht werden, dass es sich lohnen kann, auch mal zum Arzt zu gehen. Das „Bewusstsein der Männer im gesundheitlichen Bereich“ solle erweitert werden, formuliert es der Schirmherr des Weltmännertags, Michail Gorbatschow.

Zwei Tage also, die sich nur der Gesundheit des Mannes widmen. Als Frau fragt man sich, ob die überhaupt ausreichen. Zumal der Internationale Männertag am 19. November in Deutschland noch nicht einmal fest etabliert ist – im Gegensatz zu Ländern wie Kanada, den USA, Dänemark oder Liechtenstein. Und die Lebenserwartung der Männer immer noch unter der der Frauen liegt.

Und noch etwas lässt Frau stutzig werden. Auch der Welttoilettentag wird am 19. November begangen. Wie kommt das? Klar. Da haben die Männer den Sinn des Feiertags wohl doch wieder in den falschen Hals bekommen.

Anna Gellner

Mann unter Frau

Manns genug: Vom Arschloch zur Witzfigur

 

Foto:imago/imagebroker

 

Wir sind mutmaßliche Gewalttäter, sagt die Statistik, könnte passen.
Emanze(r) wird geheißen, wer seinen Kindern freiwillig den prallen Wickel tauscht.
Jahrhunderte haben wir sie alle unterdrückt, nun müssen wir zuhören.
Memmen sind wir, ohne Duft.

Schimpfen, brüllen, die Tür zertreten – dürfen wir nicht.
Nicht mal beim Fußball dürfen wir es. Für wen eigentlich nicht?
Egal, etwas Restwilde sollte dennoch sein. Gern ein Bärtchen, nicht zu lang, so als Relikt.

Den Tonfall etwas weniger brummig, etwas höher, so ist besser.
Und immer ruhig bleiben, souverän und fühlen, fühlen, fühlen.
Das macht uns wehleidig, gefügig und wir fühlen immer mehr.

Funktionskleidung, damit wir nicht schwitzen.
Grünes Gemüse im Glas. Auflauf. Milchschaum. Sigur Rós lau im Hintergrund.
Mit Bier ist man ja nicht mehr allein. Früher sterben wir trotzdem.
Wir sind 86 Prozent der Selbstmordopfer. So will es die Natur.

Wer heute Manns genug ist, wickelt und ist witzig, freudig ist er freundlich, pünktlich ist er patzig.
Da ist er, der Platzfüller. Besser gesagt: Ein funktionelles Arschloch mit sozialer Kompetenz.
Für wen eigentlich?


Götz Bonsen

 
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