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Deutschland & Welt

24. Oktober 2017 | 01:27 Uhr

Mediengrummel : Duftmarken

vom

Wer erfolgreich verkaufen will, muss Duftmarken setzen. Über eine bemerkenswerte neue Idee im Mediengeschäft schreibt unser Kolumnist Gerhard Hildenbrand.

shz.de von
erstellt am 06.Aug.2012 | 07:06 Uhr

Wer schon immer mal wie ein Buch riechen wollte, kann sich den Wunsch ab nächster Woche erfüllen. Dann kommt für nicht einmal 100 Euro ein Parfüm in den Buchhandel, das angeblich eine Geruchsmischung aus Papier und Tinte verströmt. Der Verleger Steidl hat seine Druckerei von einem Parfümeur beschnüffeln lassen, anschließend wurden 13 Rohstoffe zu einem Duft gemixt. Herausgekommen ist das Hautwässerchen "Paper Passion Perfume", das dem bibliophilen Menschen schmeicheln soll. Die ausgefallene Verpackung dazu hat Karl Lagerfeld entworfen. Der 50ml-Parfümflakon ist in einer ausgestanzten Buch-Attrappe versteckt, ganz so, als solle das Fläschchen an allen Geruchskontrolleuren vorbei in die vermiefte Welt geschmuggelt werden. Zur Tarnung enthält das präparierte Druckwerk vornan ein paar beschriebene Seiten, für die Günther Grass noch ein bisschen Tinte gefunden und ein Kurzgedicht namens "Duftmarken" beigesteuert haben soll. Ob er dafür ausgehandelt hat, dass die Neuauflagen seiner Werke demnächst nach Zwiebeln, Fisch oder nassem Hundefell duften, ist nicht bekannt.
Gut möglich, dass wir in Buchhandlungen künftig Schnupperecken finden. Klassisch, modern, poetisch, abenteuerlich, sachlich, erotisch … das Duft-Set zum Buch schafft neue Einnahmequellen und Emotionen: "Schatz, ich mags, wenn Du Vom Winde verweht liest", könnte es bald beim gemeinsamen abendlichen Lesen in deutschen Schlafzimmern klingen. Dem Siegeszug der neuen Marketing-Idee wird sich am Ende auch das Fernsehen anschließen. Wenns dann irgendwo so richtig penetrant riecht, hat sich bestimmt jemand das neue Eau de Lanz aus dem ZDF-Duft-Shop unter die Achseln gesprüht.

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