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Abgasaffäre und Autokartell : Diesel-Manipulationen: Audi fürchtete schon 2013, überführt zu werden

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Aus der Onlineredaktion

Mahnungen der Audi-Techniker blieben unerhört. Und in den Kartell-Skandal ist nun offenbar auch Bosch verwickelt.

Ingolstadt/Wolfsburg | Beim Autobauer Audi soll bereits im Jahre 2013 die Furcht vor dem Auffliegen der Abgasmanipulationen in der Luft gelegen haben. Insbesondere bangte man vor einer Aufdeckung durch US-Behörden. Die „Aufdeckung“ der betreffenden Software wurde laut einem internen Dokument vom 11. Oktober 2013 als „Kernrisiko“ bezeichnet. Das geht aus Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR hervor.

Die Skandale der deutschen Autobauer weiten sich aus. Inbesondere VW befindet sich in Erklärungsnöten. Neben dem Abgasskandal muss man sich in der Kartell-Affäre verantworten. Überdies machen dem Konzern die Kooperation mit dem früheren brasilianischen Militärregime zu schaffen.

Es dreht sich um eine Software, die die Abgasreinigung auf der Straße abschaltet, was in den USA unzulässig ist. Ingenieure sollen in der Befürchtung hoher Geldstrafen geraten haben, die Betrugssoftware bei den auch in VW verbauten Motor V6 TDI so schnell wie möglich umzustellen. Insbesondere fürchtete sie die US-Umweltbehörde EPA. Denn „im Extremfall“ würden deren „Emissionsanforderungen“ nicht erfüllt. Dieser Rat wurde allerdings nicht erhört. Die Bewertung der Fachleute: „Eine direkte Auffälligkeit vor Kunden ist eher gering“.

Zwei Jahre später flog der Skandal in den USA auf und VW wurde zu einer Schadensersatzzahlung von mehr als 20 Milliarden Dollar verdonnert. Ob die Vorstände von Audi und VW das Schriftstück erreichte, steht nicht fest. Allerdings soll das insgesamt elfseitige Papier mit dem Titel „Risikoeinschätzung“ auch an VW weitergeleitet worden sein, berichtet die „SZ“. Die US-Regierung arbeitet in diesen Tagen an einer strafrechtlichen Aufarbeitung der Abgasaffäre. Ein früherer VW-Manager steht aufgrund mutmaßlicher Mittäterschaft beim Abgas-Skandal des Volkswagen-Konzerns in den USA vor Gericht. Er will sich bei der Anhörung am 4. August für schuldig bekennen. Ihm wird vorgeworfen Teil einer Verschwörung zum Betrug gewesen zu sein und gegen US-Umweltgesetze verstoßen zu haben.

Auch der Kartell-Skandal weitet sich offenbar aus. Der Zulieferer Bosch soll sich Medienberichten zufolge an mutmaßlich illegalen Absprachen deutscher Autokonzerne beteiligt haben. Laut „Spiegel“ taucht der Name des Konzerns in einem Schriftsatz an das Bundeskartellamt auf, in dem Volkswagen Fälle von möglichen Wettbewerbsverstößen dokumentiert. Er soll den Autobauern geholfen haben, eine „Dosierstrategie“ für die Abgasreinigung bei Diesel-Fahrzeugen zu entwickeln.

Wie die „Bild am Sonntag“ unter Berufung auf interne Unterlagen berichtet, sollen die Autobauer in einer gemeinsamen Sitzung von Schwierigkeiten mit Ablagerungen der Harnstofflösung AdBlue und möglichen Lösungen berichtet haben. Sie seien zwar effektiv gewesen, aber mit hohem Aufwand verbunden. Bosch habe dann eine „kleinere Maßnahme zum Anlauf“ vorgeschlagen, von der aber noch unklar sei, ob sie womöglich die Reinigungswirkung verringere.

Bosch betonte, dass dazu keine Anfragen von deutschen oder europäischen Wettbewerbsbehörden vorlägen. „Da uns keine Details zu den untersuchten Sachverhalten bekannt sind, können wir uns auch nicht dazu äußern“, hieß es. Auch das Bundeskartellamt und die EU-Wettbewerbshüter in Brüssel äußerten sich nicht, ebenso BMW, VW und Daimler.

Die EU-Kommission prüft derzeit Informationen, wonach sich VW, BMW, Daimler, Audi und Porsche unter anderem in technischen Fragen und teilweise beim Einkauf abgesprochen haben sollen. Die Kartellwächter müssen jetzt entscheiden, ob diese Absprachen illegal waren.

Laut „Spiegel“ hielt ein VW-Manager nach einem Treffen mit Vertretern von Daimler, BMW, Audi und Bosch im Oktober 2006 unter Bezug auf die AdBlue-Einspritzung fest: „Alle wollen eine Limitierung [...] wegen der begrenzten Größe der Harnstofftanks. Keiner will die wahre Motivation dieser Limitierung den Behörden (CARB, EPA) berichten.“ CARB und EPA sind US-Umweltbehörden. Die „BamS“ zitiert aus einer E-Mail aus dem Jahr 2008 an damalige Audi-Manager. Darin heiße es, dass die Teilnehmer der Sitzung bestätigt hätten, „diese Thematik in keiner Form gegenüber den US-Behörden EPA und CARB zu erwähnen, um den Anlauf in den USA nicht zu gefährden“.

Die Entdeckung einer Abschalt-Software, die die Abgasreinigung im Normalbetrieb der Fahrzeuge stark reduziert, hatte in den USA den Diesel-Skandal bei Volkswagen ausgelöst. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt wegen des Verdachts der Beihilfe zum Betrug bei einer möglichen Manipulation der Abgasnachbehandlung an VW-Fahrzeugen gegen Bosch-Beschäftigte.

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erstellt am 28.Jul.2017 | 14:43 Uhr

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