Windjammer : Die teure Zukunft der "Gorch Fock"

Das Steuerrad der 'Gorch Fock' - ihr derzeitiger Kurs ist vor allem teuer. Foto: dpa
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Das Steuerrad der "Gorch Fock" - ihr derzeitiger Kurs ist vor allem teuer. Foto: dpa

Der Dreimaster war der Stolz der deutschen Marine. Derzeit ist die "Gorch Fock" vor allem eines: teuer. Ihre Sanierung kostet bereits 7,3 Millionen Euro - und ist noch nicht beendet.

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23. April 2012, 10:32 Uhr

Kiel | Als die "Gorch Fock" in ihrem Heimathafen Kiel einlief, flossen Tränen. Fast ein Jahr ist es her, dass die weiße Bark von ihrer schwersten Reise zurückkehrte, eine Fahrt, die vom tödlichen Unfall einer jungen Kadettin und Schikanevorwürfen überschattet wurde. Die Marine zieht nun aus der Affäre die erste sichtbare Konsequenz: Vergangene Woche setzte sie in der traditionsreichen Marineschule Mürwik bei Flensburg erstmals einen Übungsmast. Damit und mit anderen Maßnahmen soll die Ausbildung auf dem Segelschulschiff sicherer gemacht werden.
Doch nicht nur der Ruf der "Gorch Fock" hat gelitten: Sie muss in Niedersachsen für mehr als 7,3 Millionen Euro repariert werden. Erst im September kehrt sie dann nach Kiel zurück.
Kadetten sollen Erfahrungen mit der Höhe bekommen
28 Meter hoch ist der ockergelbe Übungsmast, ein kleiner Bruder des 45 Meter hohen Mastes auf dem Schiff. "Wichtig ist, dass die Kadetten erste Erfahrungen mit der Höhe bekommen", sagt der Presseoffizier der Marineschule, Tim Gabrys, selbst Ausbildungsleiter. Denn später auf dem Schiff wird es nach einer Vorbereitungszeit ernst: "Jeder Handgriff muss sitzen."
Wie gefährlich der Aufstieg in die Takelage sein kann, hatte der tödliche Sturz der 25-jährigen Sarah Lena Seele Ende 2010 gezeigt. Die junge Frau war nach mehrmaligem Aufentern abgestürzt. Es war erst der zweite Tag ihrer Segelvorausbildung. Kurz nach Sarahs Tod wurden Vorwürfe von Offiziersanwärtern bekannt, die sich drangsaliert und schikaniert fühlten.
Kritik an Ausbildungsregeln
Der Unfall rief die Staatsanwaltschaft auf den Plan, die zum Schluss kam: Es war ein Unfall. Doch sie ließ Kritik an den Ausbildungsregeln erkennen. Auch ein Ministeriumsbericht stellte schwerwiegende Mängel im Dienstalltag an Bord fest.
Das soll nun besser werden. Nach Angaben der Marine werden zum Beispiel auf dem Schiff Überstiegshilfen an die Masten montiert, um Abstürze zu verhindern. Außerdem gehen die Kadetten künftig erst nach sechs und nicht schon nach drei Monaten an Bord. Dort bleiben sie dann länger als bislang und mit mehr Vorbereitungszeit. Ein Kadettenoffizier soll als Vermittler zwischen Offiziersanwärtern und Stammbesatzung mit auf die Bark kommen, weil es immer wieder zu Spannungen kam.
Seit Herbst von Werft zu Werft
Aber erstmal muss die "Gorch Fock" wieder startklar sein. Im Herbst ging sie zu Routinearbeiten auf die Lindenau Werft in Kiel. Doch was bei der Generalüberholung 2010 noch nicht aufgefallen war, zeigte sich nun: Rost. Der Rumpf soll zwölf Millimeter dick sein, an einigen Stellen seien es aber nur noch sechs bis acht, sagte der Sprecher des Marineamts in Rostock, Gunnar Wolff. Die Schäden seien angeblich vorher nicht erkannt worden. Nun wird das Schiff in Bremerhaven repariert. Die Kosten belaufen sich nach Angaben Wolffs bereits auf 7,3 Millionen Euro, die Instandsetzung sei aber noch nicht abgeschlossen. Das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, das für die Auftragsvergabe zuständig ist, wollte keine Zahlen nennen.
Höchst merkwürdig findet den gesamten Vorgang der Bund der Steuerzahler. Denn schon während der Südamerika-Reise hatten sich Matrosen bei der Betrachtung des stark verrosteten Fußes des Besanmasts gefragt, ob dieser bei der Generalüberholung in Elsfleth vergessen worden war. Als Hauptursache für den massiven Rostschaden wurde zunächst die unsachgemäße Isolierung der 160 Tonnen schweren Bleibarren genannt, die 2010 in Elsfleth als Ballast in den Rumpf eingebaut worden waren. Doch bis heute hat die Marine keine Regressansprüche gestellt. Für Rainer Kersten vom Bund der Steuerzahler in Kiel ist das ungewöhnlich: "Wir beobachten die Aktion mit großem Argwohn. Uns gegenüber wird gemauert. Wir wollen wissen, was zwischen 2010 und 2011 geschehen ist und ob sich der Schiffszustand in so kurzer Zeit derart verschlechtern kann." Für ihn ist nicht ausgeschlossen, dass die damaligen Mängel, wie in der Ausschreibung festgelegt, aus Geld- und Zeitnot nicht behoben wurden.
Anfang 2013 sollen wieder Offiziersanwärter an Bord gehen
Die "Gorch Fock" steht künftigt unter dem Kommando von Helge Risch. Sein Vorgänger Norbert Schatz war im Zuge der Affäre abgesetzt worden und kehrte auf eigenen Wunsch nicht zurück. Die ersten Offiziersanwärter sollen Anfang 2013 wieder an Bord kommen. Wohin die Fahrt dann geht, ist offen. Die neue, aber immer noch harte Ausbildung soll den Charakter formen, den Teamgeist und das Verantwortungsgefühl stärken und ein Gefühl für die Seefahrt vermitteln. Das geht nach Ansicht der Marineleute so nur auf dem Segler. Gabrys: "Nur dort können wir zeigen, welche Kräfte Wind und Wellen haben."

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