zur Navigation springen

Europawahl 2014 : Die richtige Partei erklicken: Der Wahl-O-Mat startet

vom

Am Montag um 13 Uhr präsentiert die Bundeszentrale für politische Bildung den Wahl-O-Mat zur Europawahl in der Berliner Bundespressekonferenz. Die Geschichte des Wahl-O-Mat in Deutschland reicht bis ins Jahr 2002 zurück. shz.de mit einem Blick in die Vergangenheit.

von
erstellt am 28.Apr.2014 | 06:00 Uhr

Berlin | Der Wahl-O-Mat hilft Bürgern seit 2002 bei der Entscheidung, für wen sie das Kreuzchen bei einer Wahl machen sollen. Die Bundeszentrale für politische Bildung ist verantwortlich für das Angebot, dass bis heute etwa 39 Millionen Mal im Vorfeld zu Landtags-, Bundestags- und Europawahlen eingesetzt wurde.

Am Montag, 28. April 2014 um 13 Uhr präsentiert die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) den Wahl-O-Mat zur Europawahl in der Berliner Bundespressekonferenz. Im Rahmen der Konferenz testen Politiker der im Europäischen Parlament vertretenen Parteien gemeinsam mit Jugendlichen das interaktive Wahltool der bpb. Bis zum 28. Februar konnten Bürgerinnen und Bürger erstmals Vorschläge machen, welche Themen in den Wahl-O-Mat zur Europawahl aufgenommen werden sollen.

Die Europawahl findet in den 28 EU-Mitgliedsstaaten vom 22. bis 25. Mai 2014 statt. Bereits zum achten Mal wird dann das Europäische Parlament gewählt. In Deutschland stellen sich 25 Parteien zur Wahl. In Deutschland galt bis zu den Europawahlen von 2009 eine Fünfprozentklausel. Sie wurde November 2011 vom Bundesverfassungsgericht für verfassungswidrig erklärt.

Das gleiche Schicksal erlitt im Februar 2014 die Dreiprozentklausel, die der Bundestag zwischenzeitlich beschlossen hatte. Die Begründung: Der Gleichheitsgrundsatz im Wahlrecht erfordere nicht nur die Zählwertgleichheit, sondern auch die Erfolgswertgleichheit der Stimmen. Das heißt, dass jede Stimme die gleiche Chance haben müsse, die Zusammensetzung des Parlaments zu beeinflussen. Nach der Entscheidung gibt es bei der Europawahl im Mai dieses Jahres in Deutschland erstmals keine Sperrklausel mehr. Die Bundesrepublik geht damit einen Sonderweg in Europa.

Der Wahl-O-Mat zur Europawahl 2014: Er wird ab dem 28. April nutzbar sein.
Der Wahl-O-Mat zur Europawahl 2014: Er wird ab dem 28. April nutzbar sein. Foto: bpb

In mehreren Workshops entstehen die Thesen des Wahl-O-Mat. Maßgeblich beteiligt am Entwicklungsprozess ist eine Redaktion aus Jung- und Erstwählern: Für die Mitgliedschaft kann sich jeder bewerben. Wissenschaftler beraten das Team. Grundlage für die Thesen im Wahl-O-Mat sind die Partei- und Wahlprogramme sowie deren programmatische Aussagen zur Wahl. Die Thesen in jedem Wahl-O-Mat werden von einem großen Team erarbeitet.

Ein Redaktionsteam stellt die Thesen aus den Parteiprogrammen zusammen. Hier für die Bundestagswahl 2013.
Ein Redaktionsteam stellt die Thesen aus den Parteiprogrammen zusammen. Hier für die Bundestagswahl 2013. Foto: bpb

Anlässlich zur Bundestagswahl 2002 wurde der Wahlhelfer aus dem Netz erstmals eingesetzt. Damals konnten 27 Thesen von den Nutzern beantwortet werden. Am Ende wurde die eigene Übereinstimmung mit den Kernaussagen der großen Parteien verglichen. Im Wahl-O-Mat waren damals nur die Parteien vertreten, die bereits im Parlament saßen oder in Wahlumfragen mehr als drei Prozent erreichten. Der erste Wahl-O-Mat wurde 3,6 Millionen Mal aufgerufen.

Der Wahl-O-Mat aus dem Jahr 2002. Das Design ist heute moderner.
Der Wahl-O-Mat aus dem Jahr 2002. Das Design ist heute moderner. Foto: Screenshot / web.archive.org
 

2003 wurde der kleine Entscheidungshelfer erstmals auch auf Landesebene bei der Landtagswahl in Bayern eingesetzt. 2004 zur Wahl des Europäischen Parlaments und weiteren Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen und zur Bundestagswahl (2005).

Der Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl 2005.
Der Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl 2005. Foto: Screenshot / web.archive.org

2009 dann waren zur Wahl des Europa-Parlaments neue Funktionen im Wahl-O-Mat integriert. Erstmals waren alle Parteien, die auch mit einer Liste zur Wahl zugelassen wurden, am Wahl-O-Mat beteiligt. 29 der 32 Parteien nahmen das Angebot später wahr. Auch bei der Bundestagswahl im selben Jahr waren 24 Parteien vertreten. Thesen nach Prioritäten einzuordnen gab dem Wahlautomaten eine neue Ebene.

Die Europawahl 2009 brachte den Wahl-O-Mat im neuen Gewand und erweiterten Funktionen.
Die Europawahl 2009 brachte den Wahl-O-Mat im neuen Gewand und erweiterten Funktionen. Foto: bpb
 

2012 war der Wahl-O-Mat auch für die Landtagswahl in Schleswig-Holstein spielbar.

Der Wahl-O-Mat zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein 2012.
Der Wahl-O-Mat zur Landtagswahl in Schleswig-Holstein 2012. Foto: Screenshot / bpb.de

Seit der Bürgerschaftswahl in Bremen 2011 gibt es den Wahl-O-Maten auch als App für iPhones. Noch im selben Jahr wurde anlässlich der Wahl in Berlin auch eine Variante für Android-Telefone veröffentlicht.

Seit der Bundestagswahl 2013 auch für das Windows-Phone. Mit neuem Design und verbesserten Funktionen wurde der Wahl-O-Mat bei der Bundestagswahl 2013 aufgehübscht. Er erreichte ebenso einen neuen Nutzerrekord.

Der Wahl-O-Mat im Layout zur Bundestagswahl 2013.
Der Wahl-O-Mat im Layout zur Bundestagswahl 2013. Foto: Screenshot / bpb.de

Ende April 2005 meldete das Softwareunternehmen Convit, dass der Wahl-O-Mat sowohl per Hand als auch automatisch mit einer sehr einfachen Software beliebig manipuliert werden könne. Innerhalb einer sehr kurzen Zeit könne das Ergebnis einer jeden Partei in der Onlineumfrage verbessert und somit die Wahlabsicht der Wähler beeinflusst werden. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) überprüfte daraufhin ihren Entscheidungshelfer auf Manipulierbarkeit. Auf Nachfrage von Golem.de hatte die Bundeszentrale für politische Bildung damals vorsichtshalber die Parteienübersicht am Ende der Onlinebefragung durch den Wahl-O-Mat herausgenommen.

Der Wahl-O-Mat stand bereits in der Kritik wegen möglicher Manipulationen.
Der Wahl-O-Mat stand bereits in der Kritik wegen möglicher Manipulationen. Foto: Marius Becker
 

Auch in einigen der anderen EU-Mitgliedstaaten gibt es ähnliche Angebote. Zum Beispiel die Wahlkabine für Österreich oder das Tool Vote Match für Großbritannien. Bisher nehmen insgesamt zehn Projekte teil. Ziel ist, für alle 27 EU-Staaten eine solche Entscheidungshilfe bei anstehenden Wahlen zu entwickeln.

Das österreichische Pendant zum Wahl-O-Mat.
Das österreichische Pendant zum Wahl-O-Mat. Foto: Screenshot / wahlkabine.at

Statistiken zum Wahl-O-Mat

 

Die Mehrheit der Wahl-O-Mat-Nutzer ist männlich, Frauen sind nur für 25 bis 45 Prozent der Nutzungen verantwortlich. Ein Drittel der Wahl-O-Mat-Anwender ist unter 30 Jahren alt, nur ein Viertel ist 50 Jahre oder älter.

 

Erstaunlich ist der Anteil nicht politisch interessierter Nutzer. Von 100 Personen geben zwischen zehn und 20 an, sich nicht für Politik zu interessieren. Drei Viertel der Anwender besitzen einen Universitäts-/Hochschulabschluss, Abitur oder die Fachhochschulreife und zwischen fünf und 15 Prozent sind sogar Mitglied einer politischen Partei.

 

Sicher ist auch, dass die meisten Nutzer nicht völlig orientierungslos an den Wahl-O-Maten herangehen. 85 Prozent der User besitzen schon vor der Nutzung des Wahl-O-Mat eine klare Position für ihre Wahlentscheidung. Rund die Hälfte möchte mithilfe des Wahl-O-Mat den eigenen Standpunkt überprüfen. Nur zwischen einem und zwei von zehn Nutzern sucht eine Orientierung für die eigene Wahlentscheidung. Für viele ist es auch eine Informationshilfe, um mehr über die Positionen der Parteien zu erfahren. Dies betrifft etwa jeden zehnten Nutzer. 60 bis 75 Prozent der Nutzer erkennen durch den Wahl-O-Mat klarer die Unterschiede zwischen den Parteien.

 

Weitere häufige Gründe, den Wahl-O-Mat zu nutzen, sind Neugierde, das Interesse an den Themen der Wahl oder die Suche nach einer Überraschung. So verwundert es nicht, dass 85 bis 90 Prozent der Nutzer Spaß am Online-Helfer haben und auf landespolitische Themen aufmerksam werden. Zwischen sechs und sieben von zehn Anwendern wollen mit Freunden, Kollegen oder der Familie über das eigene Wahl-O-Mat-Ergebnis sprechen. Die Hälfte der Nutzer wird durch den Wahl-O-Mat sogar motiviert, sich weiter politisch zu informieren.

 

Lediglich vier bis sechs Prozent der Wahl-O-Mat-Nutzer werden durch die Entscheidungshilfe motiviert zur Wahl zu gehen, obwohl sie das ursprünglich nicht geplant hatten. Die Europawahl kann also kommen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen