Öko-Anbieter liefert Atomstrom : Die Öko-Lüge

Hauke Mormann
Hauke Mormann

Dass Lichtblick seine Strom-Engpässe mit Atomstrom ausgleicht, ist kein aufregender Akt, findet Onlineredakteur Hauke Mormann.

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11. Juni 2008, 02:46 Uhr

Ein bisschen Sonne, ein bisschen Wind, ein bisschen fließend Wasser - und schon ist der Strom gewonnen. Nur leider deckt das alles lange nicht den Bedarf an Energie, den wir haben. Also müssen Atom- und Kohlekraftwerke her. Sie sichern die Versorgung. Und das für alle. Denn wer nicht seine eigenen Solarzellen auf dem Dach, sein eigenes Windrad auf der Wiese oder die eigene kleine Turbine im Garten-Bach installiert hat, von denen ein Kabel direkt an den Stromverteilerkasten im Haus führt, bezieht sowieso Atomstrom. Und das auch, wenn er von einem Anbieter wie Lichtblick eigentlich mit Ökostrom versorgt wird.
Denn jeder Haushalt wird aus dem großen Pool aller Stromerzeuger versorgt - dem so genannten Verbundnetz. Wer Ökostrom bucht, hat niemals die Garantie, dass jedes kleine Watt tatsächlich aus Wind- oder Wasserkraft stammt. Die Rolle der Ökostrom-Anbieter ist es viel mehr, die Gewichtung im "Strom-Pool" zu verschieben: Je mehr Kunden ein Unternehmen hat, desto mehr ökologisch gewonnenen Strom speist es in den Pool ein. Dadurch sinkt der Anteil des Atom- oder Kohlestroms.
In Deutschland wurden vergangenes Jahr 14 Prozent des Stroms auf ökologische Weise erzeugt. Das ist sicher ein Erfolg für die Ökostrom-Anbieter, denn mit dem Geld ihrer Kunden können sie in weitere Naturstromkraftwerke investieren. Und das ist auch notwendig: Denn die gleiche Menge an Strom, die ein Anbieter dem Pool für seine Kunden entnimmt, muss er auch wieder einspeisen. Ist er dazu nicht in der Lage, weil etwa zu wenig Wind für die Krafträder weht, muss die fehlende Menge notgedrungen zugekauft werden - von den "großen" Kraftwerken.
Der Verbraucher merkt von dem ganzen Spiel letztlich an seiner Steckdose überhaupt nichts. Solange sie nicht stromlos ist.

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