Auguste Victoria : Die letzte Kaiserin

Das Kaiserpaar Wilhelm II. und Auguste Victoria  um 1912.  Fotos: Reimer Wulf
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Das Kaiserpaar Wilhelm II. und Auguste Victoria um 1912. Fotos: Reimer Wulf

Sie kam aus Schleswig-Holstein, er war ein Preuße, ihre Hochzeit war vor allem politisch motiviert. Dennoch war die Heirat zwischen Deutschlands letzter Kaiserin Auguste Victoria zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg und Wilhelm II. eine Liebeshochzeit.

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19. Oktober 2008, 02:21 Uhr

"Die ganz absichtsvoll auserwählte Prinzessin" nennt sie der Historiker Thomas Weiberg in seinem Buch "...wie immer Deine Dona". Gemeint ist Auguste Victoria zu Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, Ehefrau von Wilhelm II., die letzte deutsche Kaiserin. Am Mittwoch wäre sie 150 Jahre alt geworden.
Der spätere Kaiser Prinz Wilhelm von Preußen wure von seiner Mutter, Kronprinzessin Victoria, mit Auguste Victoria bekannt gemacht, deren Vater zu ihren Freunden zählte. Es störte sie nicht, dass Auguste drei Monate älter war als ihr Sohn. Der regierende Kaiser Wilhelm I. zog jedoch die Heirat seines Enkels mit Elisabeth von Hessen vor, und so begann ein dreijähriges zähes Ringen um die geplante Hochzeit. Zumal auch Prinz Wilhelm ursprünglich in sein Cousine Elisabeth verliebt war.
Am Valentinstag 1880 gab es eine heimliche Verlobung
Nachdem Wilhelm Auguste Victoria aber zweimal begegnet war, initiierte er eine Auerhahnjagd in Görlitz, um im August 1878 die Augustenburgs zu besuchen - sie wohnten ganz in der Nähe. Ende April 1879 schrieb er einen Brief an seinen zukünftigen Schwiegervater, in dem er seine Gefühle für "Dona", wie er sie nannte, schilderte: "Deine von mir so innig verehrte Tochter Dona in ihrem ganzen Wesen und ihrer ganzen Erscheinung hat mich so entzückt und hingerissen, dass mein Entschluss ..., sie mir zu erkämpfen sofort klar und fest war. Ich kann Dir gar nicht beschreiben, wie lieb sie mir in den letzen Tagen geworden ist und schwer ward es mir ..., ihr nur die Hand drücken zu dürfen."
In den folgenden Monaten durften sich die Liebenden nicht sehen. Erst der überraschende Tod von Donas Vater, der als preußenfeindlich galt, änderte die Situation. Am Valentinstag 1880 gab es eine heimliche Verlobung, die am 2. Juni 1880 offiziell wurde. Auguste Victoria hatte sich in eine höchst politische Hochzeit gefügt - und scheint dennoch in den Bräutigam verliebt gewesen zu sein. Darauf weisen ihre Brautbriefe hin. Aus den Schilderungen ihres Alltags auf dem Schloss ihres Onkels nahe Windsor, wohin man sie gesandt hatte, um ein "internationales Milieu" kennen zu lernen, scheint immer wieder die Sehnsucht nach dem Bräutigam durch: "Mein Herzens Schatz ... Wie sehne ich mich nach Dir lieber, lieber Schatz, man fühlt sich oft so weary (müde, erschöpft) und wie wünschte ich da meinen Kopf auf Deine Schulter legen zu können, und von dir einen innigen Kuss zu empfangen..."
Vorfreude durchzieht Auguste Victorias Briefe an ihn
Im selben Brief kommt auch die Verbundenheit der Prinzessin mit ihrer schleswig-holsteinischen Heimat zum Ausdruck, denn sie fügt ein Bittschreiben einer Witwe Bahnsen aus Nordstrand bei, deren Sohn zum Militär eingezogen wurde und die um seine Entlassung bittet. Unterzeichnet ist der Brief "Mit innigsten Küssen auf Deine lieben Augen stets Deine Dich von ganzem Herzen liebende Dona."
Ihren 22. Geburtstag beging Dona 1880 in England, auf dem Schloss ihres Onkels. Wilhelm hatte sein Kommen zugesagt. Der Aufenthalt sollte dazu dienen, dass die Verlobten sich ohne die ständige Beobachtung der "Elephanten", wie die Anstandsdamen genannt wurden, besser kennen lernten. Die Vorfreude durchzieht Auguste Victorias Briefe an ihn: "Manchmal mache ich die Augen zu u. denke, Du Schatz hieltest mich umschlungen." (vom 28. September 1880) "Ich will dafür sorgen, dass wir einige Augenblicke allein sind a. ersten Abend. Mir war es auch schrecklich Dich nicht küssen zu können nach Deiner Ankunft, die wahre Tantalusqual." ( vom 4. Oktober 1880)
Das Volk liebte sie als Idealbild der Mutter und fürsorgliche Landesmutter
"Der versöhnliche Schluss eines konfliktreichen Dramas", so nannte Reichskanzler Bismarck die prachtvolle Hochzeit, die am 27. Februar 1881 stattfand. Bereits im folgenden Jahr gebar Dona den ersten von sechs Söhnen, als siebtes Kind folgte eine Tochter, und bereits während der ersten Schwangerschaft beklagte sie sich über die häufigen Abwesenheiten ihres Mannes. Außerdem war sie ihm wohl zu dünn. In einem Brief vom September 1882 warf sie ihm vor, "mir immer und immer nur die Leute als besondere Schönheiten vorzuhalten die möglichst dick sind".
Das Dreikaiserjahr 1888 wurde Donas Schicksalsjahr. Im März starb Wilhelm I., nach nur 99 Tagen im Amt verstarb auch sein Sohn Friedrich III., jetzt war Wilhelm II. Kaiser - und Auguste Victoria Kaiserin. Sie lebte fortan im Berliner Stadtschloss mit seinen 650 Sälen, ihre ehemalige Bescheidenheit wich einem Hang zu Luxus, Schmuck, Pelzen und großen Banketts. Um Politik kümmerte sie sich nicht. Ihr Interesse galt den Erwerbslosen, den Witwen und Waisen, den Kranken. Das Volk liebte sie als Idealbild der Mutter und fürsorgliche Landesmutter. Am Hof dagegen herrschte Häme, sie wurde als "stille, gute sanfte Kuh, die kalbt, langsam Gras frisst und wiederkäut" bezeichnet.
"Engel des Friedens und der Liebe"
Auch als Kaiserin bewahrte Auguste Victoria sich ihre Liebe zu Schleswig-Holstein. Sie begrüßte auf diplomatischen Empfängen die dänischen Vertreter in ihrer Landessprache. Oft besuchte sie ihre Schwester auf Schloss Glücksburg, die kaiserliche Yacht lief Schloss Gravenstein an der Flensburger Förde an. Gegenüber den politischen Entscheidungen ihres Mannes war sie immer loyal und zog sich dadurch den Zorn ihrer energischen Schwiegermutter zu, die von Auguste Victoria, die sie vor der Hochzeit als süßes Geschöpf und als "Engel des Friedens und der Liebe" bezeichnet hatte, Dankbarkeit erwartete und sich von ihr um den Thron betrogen fühlte.
Während des Ersten Weltkriegs setzte sich die Kaiserin unermüdlich für Lazarette ein. 1918 erlitt sie einen Schlaganfall. Nach Wilhelms Abdankung folgte Auguste Victoria ihm ins holländische Exil, obwohl das die Trennung von ihren Kindern und Enkeln bedeutete - die letzte Liebeshandlung für ihren Mann. Sie wurde krank und mutlos und starb am 11. April 1921. Ihre letzte Worte sollen gewesen sein: "Ich darf nicht sterben, ich kann doch den Kaiser nicht allein lassen."
Die Briefe von Auguste Victoria wurden zum großen Teil in ihrem Auftrag während der Revolution im November 1918 vernichtet. Die im Text erwähnten Zitate stammen aus dem Buch von Thomas Weiberg, "... wie immer Deine Dona. Verlobung und Hochzeit des letzten deutschen Kaiserpaares, Isensee Verlag, Oldenburg 2007".

Die Hochzeit
Die Hochzeit zwischen Wilhelm und Auguste Victoria wurde am 27. Februar 1881 mit 1700 Gästen begangen. Von ihrem Bräutigam erhielt "Dona" einen Seehundfellmantel. Ihre Aussteuer umfasste unter der Abteilung I: Kleider 146 Posten, darunter 15 Morgenkleider, 17 Hüte, sechs Dutzend Nachtkleider und 34 feine Taschentücher mit Spitze. Unter Abteilung II finden sich 75 Schmuckstücke und diverse Dinge wie Schreibutensilien und Möbel. Zu Ehren der Braut stiegen am Brandenburger Tor mit den Farben Schleswig-Holsteins geschmückte Tauben auf. Das Zeughaus unter den Linden war mit einer Szene geschmückt, die die Vermählung Preußens mit Schleswig-Holstein zeigte.

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