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Janet Yellen : Die Fed und der Leitzins: Weiter auf Dope

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die US-Notenbank hält an der Politik des billigen Geldes fest. Das ist kein gutes Zeichen, kommentiert Till H. Lorenz.

Am Ende fehlte der Mut. Der historische Akt muss warten. Janet Yellen setzt die Nullzins-Politik der mächtigen US-Notenbank fort – vorerst. Die Weltwirtschaft wird also weiterhin auf Dope gehalten. Und selbst wenn Fed-Chefin Yellen damit an den Aktienmärkten rund um den Erdball für Begeisterung sorgen mag, sollte jedem klar sein, dass dies eben gerade kein gutes Zeichen ist. Denn der Entzug von der Droge des billigen Geldes wird damit nicht leichter. Die Verschuldung rund um den Erdball nimmt noch mehr zu, Immobilienpreise steigen, fragile Aktienmärkte werden weiter befeuert.

Dabei hätte selbst nach den Maßstäben der Fed vieles für eine Zinserhöhung gesprochen – und zwar jetzt und nicht erst in ein paar Monaten. So gelten die Arbeitslosenzahlen und die Inflation als Gradmesser. Doch die Arbeitslosenquote liegt in den Staaten mit 5,1 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit sieben Jahren und viele Experten haben Zweifel, dass sich die Quote über den Weg einer expansiven Geldpolitik noch weiter drücken lässt. Bei der Entwicklung der Inflation wiederum war es zuletzt das billige Öl, das die Teuerungsrate in den Keller gedrückt hat. Ohne die Energiepreise liegt die Inflation in den Staaten aber schon seit längerer Zeit in der Nähe der Zielmarke von zwei Prozent – und sie könnte den Notenbankern am Ende sogar davongaloppieren, wenn sie die expansive Geldpolitik dessen ungeachtet einfach weiter fortsetzen.

Eine Zinsanhebung wäre jetzt vor allem ein symbolischer Schritt gewesen. Yellen und ihr Experten-Zirkel hätten klargestellt, dass sie es mit dem Ausstieg aus der Nullzins-Politik ernst meinen – und sich die US-Wirtschaft sowie die Weltwirtschaft in einer robusten Verfassung befinden. Aber gerade bei letzterem liegt das Problem. In Zeiten eines global gestrickten Finanzsystems trägt Yellen eben nicht mehr nur Sorge für die US-Wirtschaft, sondern für die ganze Welt. Doch sei es Griechenland, sei es China – irgendwo in der Welt brennt es immer. Wenn es danach ginge, dürfte der seit sieben Jahren andauernde Krisenmodus aber nie zu Ende gehen.

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erstellt am 18.Sep.2015 | 12:39 Uhr

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