Hintergrund : Die Barschel-Affäre

Uwe Barschel während der legendären 'Ehrenwort-Pressekonferenz' am 18. September 1987 im Kieler Landeshaus. Foto: dpa
Uwe Barschel während der legendären "Ehrenwort-Pressekonferenz" am 18. September 1987 im Kieler Landeshaus. Foto: dpa

Am 11. Oktober 1987 fand ein Reporter Uwe Barschel tot in der Badewanne seines Zimmers im Genfer Hotel "Beau Rivage". Ob Barschel sich das Leben nahm oder ermordet wurde, ist bis heute ungeklärt.

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12. Juni 2011, 01:49 Uhr

Das Foto mit der bekleideten Leiche des CDU-Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein ging um die Welt. Der Tod des Politikers wirft bis heute viele Fragen auf. Sicher ist nur, dass er an einer Medikamentenvergiftung starb. Vorausgegangen war ein Skandal im Landtagswahlkampf 1987. Barschels Medienreferent Reiner Pfeiffer hatte dessen Rivalen, den SPD-Spitzenkandidaten Björn Engholm, bespitzeln lassen, ihn per Telefon mit einem angeblichen Aids-Verdacht traktiert und gegen ihn eine anonyme Steueranzeige lanciert. Er stellte Barschel später als Mitwisser und sogar Initiator dar.
Barschel beteuerte bei einer vom Fernsehen live übertragenen Pressekonferenz am 18. September 1987 seine Unschuld. Dabei gab er "der gesamten deutschen Öffentlichkeit mein Ehrenwort, dass die gegen mich erhobenen Vorwürfe haltlos sind". Doch Barschels Glaubwürdigkeit war zerstört. Er trat zurück. Die SPD gab sich als ahnungsloses Opfer und gewann bei einer Neuwahl 1988 die absolute Mehrheit. Engholm wurde Ministerpräsident, musste später aber zugeben, dass er früher als behauptet von Pfeiffers Treiben wusste. Im Mai 1993 trat er als Landeschef, SPD- Bundesvorsitzender und Kanzlerkandidat zurück. Zwei Untersuchungsausschüsse des Landtags beschäftigten sich mit der Affäre. Der zweite stellte 1995 in seinem Abschlussbericht fest, dass es keine Beweise für eine Mittäterschaft Barschels an Pfeiffers Aktivitäten gibt.
(dpa, shz)

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