G8-Gipfel : Deutschland in der Atomfrage isoliert

Während andere Industrienationen die Atomkraft neu entdecken, um den Klimaschutz voran zu treiben, ist Deutschland das einzige Land, das sich aus dieser Technik zurück zieht.

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07. Juli 2008, 11:12 Uhr

Berlin / Washington | Deutschland muss sich auf dem heute im japanischen Toyako beginnenden G8-Gipfel auf harte Vorwürfe zu seiner Atompolitik gefasst machen. US-Präsident George W. Bush will sich nachdrücklich für einen Ausbau der Atomkraft einsetzen. Er nannte sie "eine erneuerbare Energie ohne jegliche Treibhausgase". Es gebe zwar in manchen Ländern noch Vorbehalte, aber immer mehr Länder entdeckten auch die Qualitäten der Kernenergie, sagte Bush kurz vor seiner Abreise in Washington.
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso erinnerte Deutschland an die Bedeutung der Atomenergie. Die sieben anderen G8-Länder befürworten die Kernkraft. Barroso sagte: "Wir wissen, dass die Kernenergie in Deutschland ein heikles Thema ist. Andererseits sehen immer mehr Länder in der Kernenergie eine - zumindest vorübergehende - Lösung, um den Klimawandel zu stoppen und unsere Abhängigkeit von Öl und Gas zu verringern."
Aus der Bundesregierung hatte es kurz vor dem Gipfel geheißen, Deutschland sei in Sachen Atom noch nie in einer komfortablen Position gewesen. Durch den jüngsten Wechsel der italienischen Regierung sei die Situation noch schwieriger. Anders als sein Vorgänger Romano Prodi favorisiert Ministerpräsident Silvio Berlusconi die Kernkraft. In den Abschlusspapieren von Toyako soll dem Vernehmen nach eine Formulierung gefunden werden, die die deutsche Position berücksichtigt und keine Krise der großen Koalition in Berlin auslöst.

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