„Mircea“ vertritt „Gorch Fock“ : Deutsche Kadetten ab Montag mit rumänischem Dreimaster unterwegs

Mircea
Der rumänische Großsegler „Mircea“ ist vorübergehender Ersatz für das Segelschulschiff „Gorch Fock“.

Am 4. Juni beginnt die Ausbildungsfahrt der „Mircea“ im Schwarzen Meer und Mittelmeer – „Gorch Fock“ wird restauriert.

shz.de von
30. Mai 2018, 11:43 Uhr

Rostock/Kiel/Constanta | Leinen los! Etwa 55 Offiziersanwärter der deutschen Marine werden am Montag mit dem rumänischen Segelschiff „Mircea“ zu ihrer großen seemännischen Ausbildungsfahrt auslaufen.

Der Dreimaster werde im rumänischen Constanta am Schwarzen Meer vormittags ablegen, sagte ein Marinesprecher in Rostock. Die Fahrt führe durch den Bosporus ins Mittelmeer nach Griechenland, Montenegro und Italien. Rückkehr in Constanta soll am 6. Juli sein.

Eine zweite Ausbildungsfahrt mit weiteren etwa 55 deutschen Kadetten ist von Mitte August bis Mitte September geplant.

„Gorch Fock“  wird bis 2019 runderneuert

Die deutsche Marine nutzt die „Mircea“ wie bereits im vergangenen Jahr als Ersatz für die „Gorch Fock“, die seit 2016 für bis zu 135 Millionen Euro aufwendig saniert und voraussichtlich im Frühjahr 2019 wieder der Marine zur Verfügung stehen wird. Die Runderneuerung und Modernisierung des Dreimasters soll eine Nutzungsdauer über das Jahr 2040 hinaus ermöglichen.

Die „Mircea“ ist ein Schwesterschiff der „Gorch Fock“. Beide Segler wurden bei „Blohm+Voss“ in Hamburg gebaut. Die „Mircea“ fährt unter rumänischer Flagge, an Bord sind aber deutsche Marineausbilder.

Takelage-Verbot nach tödlichen Unfällen

Aus Sicherheitsgründen dürfen die deutschen Kadetten auf der „Mircea“ nicht in die Takelage. Hintergrund sind zwei tödliche Unfälle auf der „Gorch Fock“: Am 7. November 2010 stürzte eine 25 Jahre alte Offiziersanwärterin in dem brasilianischen Hafen Salvador de Bahia bei einer Übung aus der Takelage aufs Deck.

Bereits 2008 war eine Wache schiebende 18-jährige Kadettin bei Helgoland von der „Gorch Fock“ in die Nordsee gestürzt und ertrunken. Nach den Unfällen erhöhte die Marine die Sicherheitsstandards auf der „Gorch Fock“ besonders in der Takelage. Diese sind auf der „Mircea“ nicht gegeben.

Die Kadetten lernen auf der „Mircea“ unter anderem „praktische Seemannschaft“, also Knotenkunde, Spleißen, Umgang mit Drähten und Tauwerk, Erlernen einer Bootsmannsnaht – etwa zum Nähen eines Seesackes –, Wetterkunde und Navigation. Der Marinenachwuchs übe auch, wie man Segel setzt, betonte der Marinesprecher. Dass die Ausbildungsfahrt im Sommer auf dem Mittelmeer stattfinde, bedeute keine geringeren Anforderungen als Fahrten etwa auf dem Atlantik oder der Nordsee.

Den Auftrag für die Instandsetzung der „Gorch Fock“ hatte die Elsflether Werft in Niedersachsen erhalten, die aber ein Dock in Bremerhaven nutzt. Durch den Weiterbetrieb des Dreimasters steht der Marine fast unterbrechungsfrei ein Ausbildungsschiff zur Verfügung.

Botschafterin der Weltmeere legte mehr als 750.000 Seemeilen zurück

Die „Gorch Fock“ ist für viele mehr als nur ein Segelschulschiff. „Sie ist ein wertvoller Bestandteil in der seemännischen Tradition und auch eine Botschafterin Deutschlands in Weiß auf den Weltmeeren“, hat das Verteidigungsministerium immer wieder betont.

Seit fast 60 Jahren gleitet diese Botschafterin durch die Meere. 1958 wurde das 89 Meter lange Schulschiff mit seinen bis zu 45 Meter hohen Masten bei „Blohm+Voss“ in Hamburg in Dienst gestellt. Die erste Ausbildungsfahrt führte vom Heimathafen Kiel nach Teneriffa.

Im Herbst 2015 hieß es „Leinen los“ für die 168. und bisher letzte Ausbildungsfahrt nach Norwegen und Schottland. Etwa 15.000 Männer und Frauen der Marine – darunter praktisch alle Offiziersanwärter – haben ihre seemännische Basisausbildung auf der Bark absolviert. Schiff und Besatzung legten mehr als 750.000 Seemeilen zurück.

Der Kommandant der „Gorch Fock“, Nils Brandt, sagte im Frühjahr, die Entscheidung, die Bark zu erhalten, habe bei ihm und der Besatzung große Erleichterung ausgelöst. Denn die „Gorch Fock“ erfülle „einen ganz wesentlichen Auftrag zur Ausbildung unseres Nachwuchses“.

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