Protest : Der Milchhahn bleibt weiter geschlossen

Frische Milch für die Kälber: Im schleswig-holsteinischen Brammer verfütterte ein Milchbauer seine Milch an die eigenen Kühe, statt sie an die Molkerei abzugeben. Foto: dpa
Frische Milch für die Kälber: Im schleswig-holsteinischen Brammer verfütterte ein Milchbauer seine Milch an die eigenen Kühe, statt sie an die Molkerei abzugeben. Foto: dpa

Der Kampf der Milchbauern um höhere Erzeugerpreise geht weiter: Ein Teil der Landwirte lieferte am Mittwoch erneut keine Milch an die Molkereien. In Schleswig-Holstein beteiligten sich bereits ein Drittel der Milchbauern am Lieferboykott - Tendenz steigend.

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29. Mai 2008, 11:25 Uhr

Während in der Meierei Barmstedt (Kreis Pinneberg) am Mittwoch 75 Prozent weniger als die sonst übliche Milchmenge angeliefert wurde, waren es in den Meiereien Struvenhütten (Kreis Segeberg) und Wasbek (Kreis Rendsburg-Eckernförde) nur 40 beziehungsweise neun Prozent weniger.
Die Hansa-Milch AG ("Hansano") - mit insgesamt rund 770 Milchlieferanten in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg einer der führenden regionalen Milchverarbeiter in Norddeutschland - erhielt rund vier Prozent weniger Milch: Bei insgesamt 600 Millionen Litern Milch, die die Hansa Milch AG pro Jahr verarbeitet, falle diese Menge jedoch kaum ins Gewicht, sagte Meierei-Sprecher Roland Frölich.
Bislang sind keine "Hamsterkäufe" bei den Kunden zu verzeichnen
Auf den Einzelhandel blieb der Boykott der Bauern zunächst ohne Auswirkung. "Wir haben bisher alle Lieferungen erhalten", sagte Marion Grundmann von der Edeka Handelsgesellschaft mbH (Neumünster). "Wir sind nicht von einzelnen Lieferanten abhängig", ergänzte Gernot Kasel. "Unsere Vertragspartner beliefern uns weiterhin vertragsgemäß mit Milch- und Milchprodukten, so dass wir die Versorgung des Einzelhandels flächendeckend sicher stellen können." In Norddeutschland gehören rund 900 Märkte zu der Kette.
Bislang sei bei den Kunden "noch kein verstärktes Kaufverhalten festzustellen" Beides könne sich ändern, wenn der Boykott noch mehrere Tage oder Wochen anhalte, vermutete Marion Grundmann. Mit ihrem Protest kämpfen die Milchviehhalter für höhere Erzeugerpreise. Die Bauern fordern 40 Cent je Liter Milch. Nach Angaben des BDM bekommen sie jedoch nur zwischen 27 Cent im Norden Deutschlands und 35 Cent im Süden. Durch die gestiegenen Energie- und Futterpreise wirtschafteten viele Milchbauern am Existenzminimum. Nach Angaben der Landwirtschaftskammer gibt es in Schleswig-Holstein rund 5400 Milchbauer. Ihre 350 000 Kühe produzieren jährlich knapp 2,5 Milliarden Liter Milch.

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