Hamburg : Demo gegen Polizei vor "Roter Flora"

Polizisten stürmten am Mittag das linke Zentrum 'Rote Flora'. Darin hielten sich Autonome verschanzt, die am Morgen zwei Polizisten angegriffen hatten.
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Polizisten stürmten am Mittag das linke Zentrum "Rote Flora". Darin hielten sich Autonome verschanzt, die am Morgen zwei Polizisten angegriffen hatten.

Zwei Autos und etliche Müllcontainer brannten aus: Rund 400 Linke demonstrierten gestern Abend auf der Hamburger Sternschanze. Sie protestierten gegen die Erstürmung ihres Szenetreffs "Rote Flora" am Mittag durch die Polizei.

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07. Juli 2008, 10:03 Uhr

Nach der Stürmung des Szenetreffs "Rote Flora" durch die Polizei haben am Sonntagabend rund 400 linke Sympathisanten in Hamburg gegen das Vorgehen der Einsatzkräfte demonstriert. Der Protestzug durch das Schanzenviertel verlief weitestgehend friedlich, teilte ein Polizeisprecher mit. Nach dem Abschluss der Demonstration seien fünf Autos in Brand gesteckt worden, zwei Fahrzeuge brannten aus. Vier Menschen seien vorläufig festgenommen, sieben weitere in Gewahrsam genommen worden. Ob sie für die Brandanschläge verantwortlich sind, stehe aber noch nicht fest, sagte der Sprecher.
Die Polizei hatte am Mittag gegen 11.40 Uhr den linken Szenetreff gestürmt. Dort hatten sich Angreifer verschanzt, die Polizisten im Morgengrauen bei einem Einsatz mit Steinen und Flaschen beworfen hatten. 13 Personen wurden vorläufig festgenommen, wie die Polizei mitteilte. Während der Stürmungsaktion kreiste ein Hubschrauber über dem Gebäude und Wasserwerfer wurden aufgefahren. 370 Beamte waren im Einsatz. Gegen Mittag gelang es ihnen, die Türen der "Flora" im Hamburger Schanzenviertel aufzusägen und die verdächtigen Personen herauszuholen.
Im Steinhagel zum Polizeiwagen
Gegen 5.45 Uhr waren zunächst zwei Nachtschwärmer, ein 23 Jahre alter Afrikaner und seine 18-jährige Freundin auf der anderen Straßenseite in Streit geraten. Nach Angaben der Roten Flora eilten mehrere Besucher, die dort eine Elektroparty feierten, der Frau zur Hilfe. Sie vermuteten einen Angriff auf die 18-Jährige, den die Beamten aber nicht bestätigen konnten. "Als die Polizei eintraf, nahm sie aus unerfindlichen Gründen nicht nur den Angreifer, sondern auch einen der Helfenden fest", hieß es in einer Mitteilung der "Flora". Die Polizei sagte hingegen unter Berufung auf Zeugenangaben, dass der angebliche Helfer den Afrikaner mit Reizgas attackiert und deshalb festgenommen worden war.
Auf dem Weg zum Streifenwagen wurden die beiden Beamten mit Steinen und Flaschen beworfen. In dem Tumult konnte sich der Festgenommene, der dem linken Lager zugerechnet wird, wieder befreien und verschwinden. Die Beamten flüchteten unterdessen in ihren Wagen. Eine Scheibe des Autos ging durch eine geworfene Flasche zu Bruch, eine Polizistin wurde durch die Glassplitter verletzt.
Nachdem ein Großaufgebot der Polizei angerückt war, wurde die Stürmung der "Roten Flora" in die Wege geleitet. "Wir haben angeklopft und es wurde uns nicht geöffnet", sagte Dienstgruppenleiter Jens Mollenhauer der Deutschen Presse-Agentur dpa. Als die Beamten das Gebäude räumten, Polizisten auf dem Balkon erschienen und mehrere Menschen aus dem Gebäude abgeführt wurden, riefen einige der rund 250 Schaulustigen und Sympathisanten: "Es leben die Gefangenen."
Demonstration gegen "unverhältnismäßigen Einsatz"

Für den Abend wurde eine Demonstration gegen den nach Meinung der Betreiber der "Roten Flora" unverhältnismäßigen Einsatz angekündigt. "Entgegen aller Absprachen mit anwesenden Anwälten und trotz vorhandener Schlüssel wurden im Inneren etliche Türen von der Polizei mutwillig zerstört und alle Räume durchsucht", hieß es. Man sehe darin eine Fortsetzung "der in dieser Stadt vorherrschenden repressiven Linie gegen die Rote Flora im Speziellen und linke Projekte im Allgemeinen."
Das Stadtteilzentrum geriet in der Vergangenheit wegen verschiedener Gewaltakte immer wieder in die Schlagzeilen. Das 1989 von Autonomen besetzte ehemalige Theater dient als Treffpunkt linker Gruppen und war schon häufiger Ausgangspunkt für Randale im Schanzenviertel. Polizeiwagen wurden wiederholt in Brand gesetzt, Polizisten mit Steinen und Farbbeuteln angegriffen. In der Nacht zum 1. Mai liefern sich Autonome und Polizisten an der "Flora" immer wieder Straßenschlachten.

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